Unser Mitarbeiter des Tages: Thomas Middelhoff

Der ehemalige Top-Manager wird als Hilfskraft behinderten und hilfsbedürftigen Menschen assistieren. Dann geht es ins Gefängnis.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor, Thomas Middelhoff, im September 2014 im Landgericht in Essen. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor, Thomas Middelhoff, im September 2014 im Landgericht in Essen. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Es war eine zirkusreife Szene, die sich im Juli 2014 ereignete: Der von den Gläubigern Gejagte legte einem Gerichtsvollzieher im Essener Landgericht seine Vermögensverhältnisse offen – da besaß er noch „etwas über 100 Millionen Euro“. Weil er den Reportern, die am Eingang des Gerichtsgebäudes auf ihn warteten, nicht begegnen wollte, sprang er vom ersten Stock des Gerichtszimmers auf ein Garagendach und von dort in den Hinterhof. Unverletzt stieg er in einer Nebenstraße ins Taxi, ließ sich in sein Hotel fahren und flog anschließend nach London.

Die Rede ist von Thomas Middelhoff. Er war Chef des Medienkonzerns Bertelsmann (in dieser Zeit baute er unter anderem die RTL Group auf, heute der größte Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio in Europa) und des Kaufhausriesen Arcandor. Nun wird der verurteilte Ex-Top-Manager in einer Einrichtung für behinderte und hilfsbedürftige Menschen arbeiten. Zunächst einmal vier Tage lang. Ab 2. Mai tritt der einstige Star der deutschen Manager-Elite in den Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld seinen Dienst an, ehe er am 6. Mai seine Haft in der JVA Bielefeld antreten muss.

Heute ein kranker Mann

Die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sind eine diakonische Einrichtung, in der Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung, psychischen Beeinträchtigungen, Epilepsie, alte und pflegebedürftige Menschen, kranke Menschen, Jugendliche mit sozialen Problemen und wohnungslose Menschen betreut werden. In der Ortschaft Bethel in Bielefeld sind rund 8.500 der insgesamt 17.313 Beschäftigten tätig – Bethel ist damit der größte Arbeitgeber in der Stadt. Die Arbeitszeit für den Mann, den sie einst „Big T“ nannten, ist von 7.30 bis 16 Uhr. Sein Gehalt (1.785 Euro brutto pro Monat) geht direkt an den Insolvenzverwalter. Gläubiger fordern Millionen von Middelhoff.

Middelhoff hat nach Überzeugung der Justiz als Vorstandsvorsitzender der KarstadtQuelle AG, die 2007 in Arcandor AG umbenannt wurde, private Reisekosten von über 300.000 Euro aus der Unternehmenskasse bezahlt. Das Landgericht verurteilte ihn deshalb im November 2014 zu drei Jahren Haft und ließ ihn wegen Fluchtgefahrs noch im Verhandlungssaal verhaften. Middelhoff saß daraufhin mehr als fünf Monate in Untersuchungshaft, bevor er gegen eine Kaution von 895.000 Euro auf freien Fuß kam.

Midellhoff ist nicht nur finanziell vermutlich am Ende, sondern inzwischen aufgrund einer schweren Herzerkrankung sowie der laut seinen Anwälten in der U-Haft erlittenen Autoimmunkrankheit Lupus gesundheitlich schwer angeschlagen. Der 62-Jährige kämpft immer noch um einen offenen Vollzug, den er gerne „im sozialen Bereich“ verbringen möchte (wie übrigens vor zwei Jahren auch Italiens Ex-Regierungschef Berlusconi). Um solch eine „Halbstrafe“ à la Uli Hoeness zu erreichen, ist ein fester Arbeitsvertrag – wie sie ihm die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gegeben haben – Voraussetzung.

(RP)

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1 Kommentar

  • Felix Schwarz

    Lächerlich. Das würde er ohne Verurteilung NIEMALS machen……..

    24. April 2016 at 18:33

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