„Unternehmen stellen behinderte Arbeitslose trotz nachgewiesener Qualifikationen nicht ein“

SoVD Sozialverband Deutschland mahnt: „Spaltung des Arbeitsmarktes stoppen!“ und fordert eine höhere Ausgleichsabgabe.

SoVD-Präsident Adolf Bauer (Foto: dpa)

SoVD-Präsident Adolf Bauer (Foto: dpa)

Der Sozialverband SoVD warnt vor einer Spaltung des Arbeitsmarktes in Deutschland. „Das Rekordtief der Arbeitslosigkeit darf nicht täuschen. Denn der Anteil schwerbehinderter Menschen an der Gesamtarbeitslosigkeit hat mit 6,6 Prozent im Oktober 2015 einen neuen Höchststand erreicht. Nach wie vor profitieren diese Arbeitslosen nicht von der positiven Grundtendenz der allgemeinen Beschäftigungssituation“, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer und mahnte:

„Wenn Unternehmen behinderte Arbeitslose trotz nachgewiesener Qualifikationen nicht einstellen, dann handeln sie pflichtvergessen. Um das zu ändern, braucht es eine höhere Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die trotz Gesetzespflicht keine behinderten Menschen beschäftigen.“

Der SoVD gibt an, dass davon über 37.000 Unternehmen in Deutschland betroffen sind. „Außerdem muss die Beschäftigungspflichtquote der Arbeitgeber wieder von fünf auf sechs Prozent angehoben werden, denn die Zahl schwerbehinderter Menschen steigt“, so der Verbandspräsident.

Beschäftigungspflichtquote? Geht aber leider vielen Firmen am A*** vorbei. ROLLINGPLANET gibt ein aktuelles Beispiel:

Thüringen: Mehr als 5000 Pflichtarbeitsplätze für Schwerbehinderte unbesetzt

In Thüringen kommen mehr als 900 Unternehmen ihrer Beschäftigungspflicht für Schwerbehinderte nicht nach. Das sei fast ein Viertel der landesweit 4100 Arbeitgeber, die laut Gesetz Menschen mit Behinderungen einstellen müssten, sagte der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, am Mittwoch in Erfurt. Der Sozialverband Hessen-Thüringen forderte angesichts von 5000 unbesetzten Pflichtarbeitsplätzen bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Handicaps. Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten sind verpflichtet, mindestens fünf Prozent Schwerbehinderte einzustellen. Ansonsten müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen.

(RP/PM/mit Materialien von dpa)

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3 Kommentare

  • Alexandra Görner

    traurig 🙁

    4. Dezember 2015 at 21:44
  • Manfred Wolter

    Unser Finanzminister hatte ja schon einmal eine Verdopplung der Ausgleichsabgabe angedacht. Aber ob das etwas bringt? Wir müssen die #Inklusion in die Köpfe und Herzen der Menschen bringen!!

    6. Dezember 2015 at 01:15
  • Enrico Geduhn

    Wirklich einfach nur traurig wenn Unternehmen lieber die Ausgleichsabgabe zahlen. Sie kommen meiner Meinung nach Ihrer sozialen wie moralischen Pflicht absolut und in keiner Weise nach und schließen Menschen mit Behinderung vom Arbeitsmarkt aus anstatt sie zu integrieren.

    Vor allem großen Unternehmen die eigentlich als Vorbild fungieren sollten, die Millionen an Ihre Aktien Inhaber auszahlen, immer wieder Steuerschlupflöcher finden wodurch dem Staat Milliarden von Euro fehlen aber es nicht schaffen oder wollen Menschen mit Handicap in Ihre Unternehmen zu integrieren…

    Grüße und Frohe Vorweihnachtszeit Enrico

    7. Dezember 2015 at 19:04

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