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UnternehmensForum: Wirklich mehr als nur eine große Klappe?

Konzerne loben sich für ihre „Qualität des Integrationsengagements“. ROLLINGPLANET bleibt skeptisch.

BASF wurde von ROLLINGPLANET kritisiert wegen der Diskrepanz von Worten und angeblich offenen Toren einerseits und der nicht erfüllten Schwerbehindertenquote andererseits (Foto: Ronald Wittek/dpa)

Manager in Konzernen sind es gewohnt, auf Umsätze, Gewinne, Verluste, Abschreibungen, Rücklagen und Kennzahlen zu schauen und darauf, was unterm Strich wirklich steht. Dafür öffnen sie glücklicherweise nicht ihr Herz, sondern erst mal ihre Excel-Dateien. Umso mehr verwundert es uns nun, dass ausgerechnet große Firmen darauf pochen, dass auch der gute Wille zählt und nicht alleine die Frage, wie viele Schwerbehinderte sie wirklich eingestellt haben. Und damit es doch noch messbare Fakten gibt: Sind 20 neue Ausbildungsbildungsplätze für schwerbehinderte Jugendliche tatsächlich ein Mega-Erfolg, wenn sich die Großen dieses Landes zusammentun? ROLLINGPLANET bezweifelt das. Haben wir es mit offenen Toren zu tun, durch die aber kaum einer rein darf? Warum dieser polemische Einstieg?

In Rheinland-Pfalz beteiligte sich vergangene Woche die Initiative UnternehmensForum (Ingelheim) an der von der Agentur für Arbeit organisierten Aktionswoche für Menschen mit Behinderung. Erstmals engagierte sich dabei unter anderem auch der weltweit größte Chemiekonzern BASF, um seine „Tore für interessierte Schwerbehinderte“ zu öffnen, wie das UnternehmensForum stolz auf sein prominentes Mitglied hinwies. Eine Heuchelei, wie ROLLINGPLANET kritisierte – denn diese schönen Worte können mit den Fakten nicht mithalten: BASF erfüllt nicht die Schwerbehindertenquote von 5 Prozent und kauft sich per Abgabe lieber von seiner Pflicht frei, ausreichend Menschen mit einer Behinderung einzustellen. Dies hatte ROLLINGPLANET in einem Dax-Report aufgezeigt. Den Vorstand des Unternehmens-Forums fragten wir deshalb in unserem Artikel „Große Klappe und wenig dahinter?“: „Herr Guttzeit, wollen Sie das mal beim nächsten UnternehmensForum thematisieren?“

Der als Verein organisierte Firmenzusammenschluss hat diese Frage nicht beantwort, nimmt jedoch Stellung zu unserem Bericht – mit dem bemerkenswerten Satz: „Die Qualität des Integrationsengagements ist daher nicht nur mit einer Kennzahl wie der Integrationsquote zu beschreiben.“

Aber auch das will ROLLINGPLANET nicht verschweigen: Hut ab vor dem Paul-Ehrlich-Institut, bei dem laut UnternehmensForum jeder fünfter Mitarbeiter schwerbehindert ist.

Die Stellungnahme des UnternehmensForums

Das UnternehmensForum besteht aus ganz unterschiedlichen Unternehmen – und das betrifft nicht nur die Größe. Allen gemeinsam ist das Engagement für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Die Beschäftigungsquote ist dabei nur einer von mehreren Indikatoren – so berechtigt die Frage nach der Quote ist. Das Engagement umfasst aktuell u. a. die Auslobung eines Inklusionspreises zur Sensibilisierung der Wirtschaft für das Thema oder die Entwicklung von Aktionsplänen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Zu den ersten Unternehmen, die sich in Deutschland verpflichtet haben, die äußeren Rahmenbedingungen entsprechend den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention zu verbessern, gehören Mitgliedsunternehmen des UnternehmensForums. Zudem hat das UnternehmensForum für die Ausbildungsjahre 2013/2014 rund 20 neue Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Jugendliche geschaffen.
Die Qualität des Integrationsengagements ist daher nicht nur mit einer Kennzahl wie der Integrationsquote zu beschreiben. Das gilt gerade angesichts der Vielfalt von Mitgliedern im UnternehmensFoum. Neben Unternehmen, die seit vielen Jahren hohe Quoten verzeichnen können (Fraport AG = 7,1 %; Paul-Ehrlich Institut = 20,4 %), gibt es so auch Unternehmen, die konsequent daran arbeiten, ihre Quote zu erhöhen. Gerade auch vor diesem Hintergrund engagieren sie sich z.B. mit der Teilnahme an der bundesweiten Aktionswoche.
Das UnternehmensForum wurde gegründet, um gemeinsam mit anderen daran zu arbeiten, die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu fördern. Das bedeutet, dass die teilnehmenden Unternehmen voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und Lösungen entwickeln wollen, um Inklusion auch im eigenen Unternehmen umzusetzen. Es bedeutet nicht, dass die Mitgliedsunternehmen bereits alle gesteckten Ziele erreicht haben. Sie arbeiten aber aktiv daran.

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