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Unvergesslicher Tango: Freizeitangebote für Demenzkranke sind noch rar

Wandern, Tanzen, Radfahren – es gibt wenige Veranstaltungen für Demenzkranke und ihre Angehörige. Ehrenamtliche Organisatoren sind eine gesuchte Spezies.

Die von fortgeschrittener Demenz betroffene Carmen tanzt im Demenz-Tanzcafé in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) mit ihrem 69-jährigen Ehemann Peter Dunkelmann einen Tango. (Foto: dpa)

Die von fortgeschrittener Demenz betroffene Carmen tanzt im Demenz-Tanzcafé in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) mit ihrem 69-jährigen Ehemann Peter Dunkelmann einen Tango. (Foto: dpa)

Rücken gerade, Ellbogen hoch. Carmen nimmt Tangohaltung an, die Hand auf Peters Schulter. Eins – zwei – Wiegeschritt. Der 69-Jährige dirigiert seine drei Jahre ältere Ehefrau und Tanzpartnerin souverän und sanft übers Parkett.

Dass Carmen an fortgeschrittener Demenz leidet, ist beim Tanzen, ihrer beider Leidenschaft seit Kindertagen, nicht auszumachen. Die Schritte sitzen, der Körper nimmt den Rhythmus auf. Carmen lächelt.

Auch Peter tun die regelmäßigen Besuche im Demenz-Tanzcafé in Schwerin gut. Er pflegt sein „Carmchen“ zu Hause, ganz ohne Hilfe bisher, und beim Tangotanzen fühlt es sich ein bisschen an wie früher – auch wenn Carmen morgen alles vergessen haben wird.

Musik und Bewegung helfen

Dass Musik und Bewegung Demenzpatienten gut tun, weiß die Wissenschaft seit langem. Die Praxis hinkt allerdings noch hinter den Erkenntnissen her. Angebote sind bislang dünn gesät, im ländlichen Raum noch dünner.

Hochrechnungen zufolge leiden in ganz Deutschland 1,4 Millionen Menschen an Demenz. Die Zahlen werden mit der steigenden Lebenserwartung voraussichtlich zunehmen, wie Prof. Stefan Teipel vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in der Helmholtz-Gesellschaft (DZNE) sagt.

Bundesweit gibt es viele Ideen, Demenzpatienten und ihren Angehörigen das Leben angenehmer und abwechslungsreicher zu machen. Überall braucht es dafür ehrenamtlich Engagierte.

Ehrenamtliche Initiativen sind gefragt

In Baden-Württemberg etwa werden Radtouren für Demente organisiert, die alleine nicht mehr nach Hause finden würden. Im Ruhrgebiet bieten Sportvereine spezielle Gruppen für diese Patienten an. Viele Menschen mit leichter Demenz zögen sich zwar aus ihrem sozialen Umfeld, auch aus ihren Vereinen, zurück, wollten aber weiter aktiv sein, heißt es zur Begründung.

Ehrenamtliche Initiativen sind gefragt. In Schwerin etwa offeriert das „Zentrum Demenz“ Betreuungsdienste. Die Helfer gehen in die Familien, lesen dem Patienten vor oder gehen mit ihm spazieren, erzählt Zentrumsleiterin Ute Greve. „Wir schauen, was die Angehörigen brauchen.“ Es dauerte einige Jahre, bis sich die Angebote des professionell geführten Zentrums, das auch das Tanzcafé organisiert, herumgesprochen hatten.

Leistungen werden nur teilweise genutzt

Pflegende Angehörige von Demenzkranken sind in der Regel selbst schon älter. „Sie fordern Leistungen und Angebote für sich nicht offensiv ein“, sagt Teipel. So nehme nur rund die Hälfte der Demenzpatienten Leistungen aus der Pflegekasse in Anspruch, als die Zahl und Art der Diagnosen erwarten ließen. Dabei sei klar: „Dem Patienten geht es nur so gut, wie es dem Pflegenden geht.“

In Mecklenburg-Vorpommern werde derzeit am Aufbau eines flächendeckenden Schulungsnetzes für pflegende Angehörige gearbeitet, sagt der Rostocker Professor. Ab Ende 2013 sollen Gruppenleiter geschult werden. In den Gruppen können sich die Angehörigen austauschen und Tipps für ihren oft schwierigen Alltag mitnehmen.

Peter in Schwerin geht derweil mit seiner Carmen nicht nur zum Demenz-Tanzcafé, sondern auch zum herkömmlichen Seniorentanz. Die Leidenschaft ist stärker als die Krankheit.

(dpa)

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