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Urteil: 400.000 Euro Schmerzensgeld für Querschnittslähmung nach Operation

Krankenhaus riet wegen Rückenschmerzen zu einer Bandscheibenprothese und einer Versteifung mehrerer Wirbel.

Bandscheibenprothese (Foto: IWN)

Bandscheibenprothese (Foto: IWN)

Einer nach mehreren Behandlungs- und Diagnosefehlern querschnittsgelähmten Frau steht ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro zu. Das hat das Oberlandesgericht in Hamm in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil entschieden. Die 57 Jahre alte Frau aus Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) ist seit einer nicht zwingend notwendigen Operation an der Halswirbelsäule querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl (Az.: 26 U 111/15).

Die gelernte Krankenschwester litt vor dem Eingriff über Jahre an Rückenschmerzen im unteren Bereich ihrer Wirbelsäule. Das Krankenhaus in Wickede riet ihr zu einem Eingriff an der Halswirbelsäule. Dabei wurden ihr eine Bandscheibenprothese eingesetzt und mehrere Wirbel versteift. Unmittelbar nach dem Eingriff im Jahr 2009 verlor die Frau die Kontrolle über Arme und Beine. Sie ist vom 3. Halswirbel an abwärts gelähmt. Ein Gerichtsgutachter hatte festgestellt, dass die Operation nicht zwingend notwendig gewesen wäre. In einer Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Hamm heißt es:

Aufgrund des im Prozess erstatteten medizinischen Sachverständigengutachtens stehe fest, so der Senat, dass im beklagten Krankenhaus unvollständige Befunde erhoben worden seien. Die zur differenzialdiagnostischen Abklärung erforderliche MRT-Untersuchung sei fehlerhaft unterblieben. Auch habe keine absolute Indikation für eine Operation bestanden. Die Möglichkeit einer weiteren konservativen Behandlung der Klägerin habe abgeklärt werden müssen.

Darüber hinaus sei eine fehlerhafte Operationsmethode gewählt worden. Eine Fusion in unmittelbarer Nähe der einzubringenden Prothese sei kontraindiziert gewesen, das gelte auch für die Fusion über mehr als drei Wirbeletagen. Die unterlassene Befunderhebung sei bereits als grob fehlerhaft zu beurteilen, auch aus einer Gesamtschau mit den weiteren Fehlern in der Diagnostik und Operationsplanung ergebe sich eine grob fehlerhafte Behandlung. Durch diese sei es zu einer kompletten Querschnittslähmung der Klägerin unterhalb des 3. Halswirbels gekommen.

Nach Ansicht des Gerichts steht also fest, dass das Krankenhaus unvollständig und zum Teil grob fehlerhaft gearbeitet hat. Die Klinik habe den Vorwurf nicht entkräften können, dass die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen der Klägerin im Zusammenhang mit der Behandlung stehen.

(RP/dpa/lnw)

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