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Urteil: Blinde dürfen als Heilpraktiker arbeiten

Berlin hatte einer 41-jährigen Frau die Zulassung verweigert.

Der Mensch als ganzheitliches Modell, wie es Leonardo da Vinci darstellte (Foto: KAWA)

Wir von ROLLINGPLANET wussten bisher nicht einmal, dass es daran Zweifel geben könnte: Blinde Menschen dürfen in Deutschland als Heilpraktiker arbeiten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute entschieden (Az.: BVerwG 3 C 26.11 – Urteil vom 13. Dezember 2012).

Es gab damit einer blinden Frau aus Berlin Recht, der das Land die Zulassung verweigert hatte. Ihr fehle die gesundheitliche Eignung, den Heilpraktikerberuf auszuüben, hatten die Behörden argumentiert. Die 1971 geborene Klägerin hat eine Netzhautdegeneration und ist seit 2005 vollständig erblindet.

Aber noch eine Zusatzprüfung erforderlich

Das Verbot sei unverhältnismäßig und ein Einschnitt in die Grundrechte der Frau, urteilte das Bundesverwaltungsgericht. Das ergebe sich sowohl aus dem Grundrecht auf freie Berufswahl als auch aus Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG, wonach niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf.

Zwar könne die Frau keine Heilpraktikertätigkeiten ausüben, für die das Sehen unerlässlich sei. Es gebe aber genug Erkrankungen, die man etwa über den Tastsinn diagnostizieren und behandeln könne. Als Voraussetzung für die Zulassung müsse die blinde Frau allerdings eine Zusatzprüfung ablegen und nachweisen, dass von ihrer Arbeit als Heilpraktikerin keine Gefahren zu erwarten sind. ROLLINGPLANET glaubt, dass solch ein Extra-Test auch bei manch sehendem Heilpraktiker angebracht wäre.

(dpa/RP)

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1 Kommentar

  • Sabine Schnau

    Diese Frage will ich auch gerade klären!

    15. Dezember 2012 at 19:07

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