""

Urteil: Schwerstbehinderte haben Anspruch auf Dauerassistenz zu Hause

27 Jahre alter Mann mit Duchenne-Muskeldystrophie muss nicht ins Heim.

Sächsisches Landessozialgericht (Pressefoto)

Sächsisches Landessozialgericht (Pressefoto)

Benötigt ein Schwerstbehinderter eine Dauerassistenz, um in der eigenen Wohnung zu leben, muss der Sozialhilfeträger dies bezahlen. Dies hat in einem Eilverfahren das Sächsische Landessozialgericht (Az.: L 8 SO 132/13 B ER) entschieden, wie die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt. Das Sozialrecht sehe den Vorrang ambulanter Leistungen vor stationären Leistungen im Heim vor.

Der Fall: Der 27 Jahre alte Mann lebt seit seiner Geburt mit einer Duchenne-Muskeldystrophie, einer schweren Muskelschwunderkrankung. Diese geht in der Regel mit einer Lebenserwartung von unter 30 Jahren einher. Körperbewegungen sind dem Mann mittlerweile nur noch mit dem Kopf und durch leichtes Anheben des gestreckten Fingers möglich.

Es gilt die Menschenwürde

Er arbeitet als Bürokaufmann in einer Werkstatt für behinderte Menschen und wohnte bisher in einem Pflegeheim. Da er in einer eigenen Wohnung leben wollte, verlangte er von dem zuständigen Sozialhilfeträger Unterstützung. Als er ein Jahr später noch keine Zusage hatte, beantragte er den Erlass einer einstweiligen Anordnung.

Das Urteil: Der Sozialhilfeträger müsse dem Mann vorläufig eine Dauerassistenz zahlen, befanden die Richter. Ein Kostenvergleich mit der – hier deutlich preisgünstigeren – Unterbringung im Heim sei nach dem Gesetz nur zulässig, wenn eine Unterbringung dort auch unter Berücksichtigung persönlicher oder familiärer Gründe zumutbar sei.

Hier gäben persönliche Gründe den Ausschlag, da dem Betroffenen eine eigenständige Lebensführung ohne den geordneten Tagesablauf einer stationären Einrichtung ermöglicht werden müsse. Die Menschenwürde sei ausschlaggebend – auch bei beachtlichen Mehrkosten.

(dpa/tmn)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

8 Kommentare

  • Peter Schiller

    nach endlich mal ein Gericht, dass der teilweise unwürdigen Heimunterbringung ein Ende setzt!!!!!!!

    10. Juli 2014 at 12:17
  • Ulrike Czerny

    …das freut mich!!!

    10. Juli 2014 at 17:20
  • Sozial Umdenken

    GETEILT !

    10. Juli 2014 at 18:58
  • Claudia Gilchrist

    Endlich! Die Würde des Menschen ist unantastbar!

    10. Juli 2014 at 23:23
  • Ziegler, Edeltraud

    Ich freue mich sehr für diesen Mitmenschen. Das sind Lichtzeichen an düsteren Himmeln. Nur mit Ausdauer und Unterstützung von allen Seiten wird die Freiheit in eigenständigem Leben mit Assistenz für behinderte Mitmenschen realisiert. Trotz allem eine Schande für unsere Gesellschaft, dass dafür so viel Einsatzkraft erforderlich ist. Ich hoffe sehr, dass sich das alles bald zu einem besseren wendet

    10. Juli 2014 at 23:32
  • Karin Lierz

    was für ein toller ERfolg!!

    11. Juli 2014 at 15:33
  • Andreas Kratz

    Das Ist Richtig Ich würde meine Frau nie ins Heim geben weil sie mir es wert ist zu Hause zu pflegen. Das ist jeder Mensch wert, es hat auch etwas mit Würde zu tun das sie nicht angetastet werden darf!

    12. Juli 2014 at 11:09
  • Johan Grootveld

    Ist ja überall ein Streit, um sich die richtige Unterstützung und Hilfsmittel zu bekommen, wie bei uns in die Niederlande!

    19. August 2014 at 14:07

KOMMENTAR SCHREIBEN