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Urteil: Sehbehinderte Frau darf nicht alleine in Erlebnisbad

Gleichbehandlungsgesetz als Farce: Richter verteidigen, dass eine Einrichtung nicht barrierefrei ist – oder wie sollen wir das verstehen?

(Symbolfoto: Sonja Gräber/pixelio.de)

(Symbolfoto: Sonja Gräber/pixelio.de)

Das Amtsgericht Augsburg hat einer sehbehinderten Frau untersagt, ohne Begleitperson ein Erlebnisbad im Landkreis Augsburg zu besuchen. Der Badbetreiber hatte der Frau im Oktober 2014 aus Sicherheitsgründen verboten, alleine zu kommen. Dagegen klagte die Frau im November 2015 und stützte sich dabei auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Der Richter gab jedoch dem Betreiber Recht und hat nun auch die Berufung der Frau verworfen, wie das Amtsgericht am Dienstag mitteilte. Sie muss von einer sehenden Person – die das Schwimmbad auch stellen würde – begleitet werden oder auf ein anderes Bad ausweichen.

Der Betreiber des Erlebnisbades habe gegenüber den Gästen eine Schutzpflicht und müsse daher bei sehbehinderten Gästen auf eine Begleitperson bestehen, begründete das Gericht das Urteil. Der Begleiter erhalte freien Eintritt oder werde nach Voranmeldung bereitgestellt. Das Gleichbehandlungsgesetz lasse eine Benachteiligung ausnahmsweise dann zu, wenn dafür ein sachlicher Grund bestehe. Den sah das Gericht in den besonderen baulichen Bedingungen des Erlebnisbades gegeben.

(dpa/lby)

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6 Kommentare

  • Hartmut Smikac

    Das eigentliche Problem ist wohl kaum das Verbot, als Sehbehinderte allein baden zu wollen. Aus Gründen der Sicherheit mag das gerechtfertigt sein – DAS EIGENTLICHE PROBLEM ist nach meinem Verständnis, dass das Gericht nicht beauflagt, barrierefrei zu werden !

    13. Dezember 2016 at 15:13
  • Andreas Lindlar

    Sobald es eine Einrichtung die in der öffentlichen Hand ist ist das ein Skandal. Bei privater Trägerschaft ohne öffentliche Förderung ein Ärgernis. Solange nicht verpflichtend gesetzlich geregelt ist das solche Einrichtungen barrierefrei sein müssen ändert sich da nichts. Das Gericht kann nur geltendes Recht anwenden.

    13. Dezember 2016 at 16:16
  • Olaf Forner

    Ich sehe das hier anders-Ein Schwimmbad kann nur jemand benutzen der darin schwimmen kann!,Das jam,and Assistenz braucht ist nicht Sorge des Scxhwimmbades-sondern unserer gesellschaft die diese wenn nötig profesionell zu stellen hat. wenn jemand Hilfe ablehnt dann ist das denke ich seine Entscheidung!-statt gegen das Bad zu prozeszieren hätte sie auch um die Assistenz prozesieren können.

    13. Dezember 2016 at 16:19
    • Petra Fahrenbruch

      Schonmal einen sehbehinderten oder binden Menschen im Freundeskreis gehabt? Wahrscheinlich nicht. Meine blinden Freunde würden sich auch wehren, wenn man sie zu einer Begleitperson zwingen würde. Die sind weder hilflos noch bekloppt! Sie können halt nichts oder wenig sehen. Na und? Andere Leute haben kein Hirn und dürfen ohne Begleitung überall hin.

      15. Dezember 2016 at 00:46
  • DaniB

    Ich kann es echt nicht glauben. Ein sehbehinderter Mensch hat andere Möglichkeiten, sich zu orientieren. Das können sich sehende Richter offenbar nicht vorstellen. Das, was hier passiert ist, ist schlicht und ergreifend Bevormundung, die komischerweise immer nur bei Menschen mit Behinderung stattfindet. Oder wer verbietet Nichtbehinderten Bungeesprünge, Motorradfahrten oder andere, nicht ganz ungefährliche Aktivitäten?
    Ich bin einigermaßen fassungslos.

    13. Dezember 2016 at 21:34
  • Bisu

    Das kennen wir vom Centet Park bispinger Heide leider auch. Mein kleinwüchsiger blinder Sohn konnte da ohne Probleme 4 Jahre allein die wildwasserrutsche benutzen. Er hat allein den Weg vom Ende der Rutsche zum Rutschenanfang gefunden. Er hat das schwimmabzeichen in Bronze. Und dann vor 6 Jahren sagte man uns, dass würde aus Sicherheitsgründen nicht mehr gehen. Nun fahren wir da nicht mehr hin …..

    14. Dezember 2016 at 21:09

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