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Ute Schönherr: Ganz sie selbst in der ersten Reihe

Die Sängerin präsentierte im Kieler Schloss ihr neues Album „Perfectly Me“. Ein Konzertbericht von Jörg Meyer.

Ute Schönherr im Kieler Schloss (Foto: Kieler Nachrichten)

Ute Schönherr im Kieler Schloss (Foto: Kieler Nachrichten)

Über „Perfectly me“ berichtete ROLLINGPLANET bereits vorab. Am 1. Juni war es soweit: Ute Schönherr (die Rheuma hat und auf einen Rollstuhl angewiesen ist) präsentierte am 1. Juni im Kieler Schloss ihr neues Album.

Auf Facebook hat Ute Schönherr gerade noch vom Lampenfieber berichtet, das auch eine seit Jahren versierte Sängerin wie sie selbst bei der Präsentation ihres inzwischen achten Albums noch packt. Warm gesungen hat sie sich zuvor bei den Baltic Hurricanes, bei deren Spielen sie stets die Nationalhymne singt. Und nun sitzt sie zusammen mit ihrem Komponisten und Produzenten Gottfried Koch, der die Backing Vocals und Rhythmusgitarre zum Halb-Playback besorgt, auf der Bühne des Festsaals im Schloss, und es gilt jene Zeile aus dem Opener „Just Get Started“: „Once you’ve started, you can fly …“

Souverän wie gewohnt lässt die studierte Oratorien-Sängerin ihre Stimme fliegen über die poppigen Sound-Flächen, die ihr Koch wie auf den Leib geschrieben hat. Eine Stimme, die man in diesem Fach mit solchem Volumen und so vielen am klassischen Gesang geschulten Klangfacetten selten bis nie hört. Ute ist eben unverwechselbar und hier „Perfectly Me“, der Titel des Albums ist treffend gewählt.

Ihr „persönlichstes Album“

Waren schon ihre früheren Songs nicht coverbar, weil untrennbar mit ihr verbunden, ist dies dennoch ihr „persönlichstes Album“, wie sie beiläufig bemerkt. Sie muss das nicht erklären, man hört es. Am deutlichsten in den Balladen wie dem nachdenklichen „Behind The Curtain“, das davon berichtet, wie sie manchmal allein aufgrund von Äußerlichkeiten hinter dem Vorhang gehalten wurde, obwohl sie doch „In The Front Row“ gehört.

Auch „It’s All In My Song“, neben dem Titelsong bei Youtube längst ein Klick-Renner, berichtet von diesem mutigen sich Aufrichten gegen Hindernisse, das hier fast hymnisch gefeiert wird. Da singt sich keine etwas von der Seele, sondern lässt ihre Seele singen von jener Stärke, die Kunst geben kann, wenn man sie in sie zu legen weiß.

Klein und zart, aber ein Energiebündel

So klein und zart sie an Gestalt erscheinen mag, Ute ist im zupackenden und die Zuhörer packenden Refrain von „Reasons To Live“ ein Energiebündel und damit auf der Bühne noch mehr als ohnehin schon auf dem Album ganz sie selbst. Sogar wenn es in den Uptempos mal etwas rockig wird, was ihr bei „Shining“ im ersten Hörmoment nicht ganz so gut steht, im Verlauf des Songs aber als umso folgerichtiger wirkt.

Noch mehr im anschließenden „Good News“, das ein Fetzer sein könnte, entschlöße sich das Publikum so beherzt mitzuklatschen wie bei dem mit Calypso-Rhythmen zwar irgendwie naiven, aber dann doch sehr „losgehenden“ „The Best Of Summer“.

Das Zeug zum Sommerhit

Könnte glatt ein Sommerhit werden, käme dann der Sommer mal in die Puschen, in denen Ute schon den ganzen Abend stimmlich tanzt. Wie gesagt, Energiebündel – auch in dem als „noch ’ne Ballade“ angekündigten „More Than I Might Know“, wo sie einmal mehr auf die famose Durchsetzungskraft ihres Mezzosoprans pochen kann. „And for me you are in the front row“ singt sie im Schluss-Song.

Für uns ist es Ute, die in die erste Reihe gehört. Wenn sie da nicht schon längst ist: als ganz ihr zuweilen betörend von sich (und uns) singendes Selbst.

(Jörg Meyer/Kieler Nachrichten)

Ute Schönherr: Perfectly Me

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