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Medizinische Weltsensation: Gelähmter Mann steuert erstmals Arm mit seinen Gedanken

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Samuel Koch +++ Tanz mit der Schönheit +++ Werkstätten:Messe 2017 +++ VdK lehnt Kostenbeteiligung von Patienten ab

TAGEBUCH
DONNERSTAG, 30. MÄRZ 2017
Medizin

Gelähmter Mann steuert erstmals Arm mit seinen Gedanken

Seit einem Unfall ist Bill Kochevar (35) Tetraplegiker und auf Hilfe angewiesen. Dann lässt er sich Sensoren ins Gehirn einpflanzen – und führt erstmals wieder eine Gabel zum Mund. Eine medizinische Weltsensation. Es ist das erste Mal, dass ein fast komplett gelähmter Mensch die Fähigkeit zurückgewonnen hat, ein Gliedmaß über das Gehirn zu steuern.
Dr. A. Bolu Ajiboye vom Department of Biomedical Engineering der Universität in Cleveland (USA) leitet das Team, das die Neuro-Prothese ausgetüftelt hat. Er erklärt: „Wir waren in der Lage, die elektrischen Signale, die seine Gedanken repräsentieren, zu nutzen, um die Stimulation seines Armes und seiner Hand zu kontrollieren.“
Kochevar wurden Sensoren ins Gehirn gepflanzt, die Signale aus dem Motorcortex aufzeichnen. Diese Hirnregion ist für willentliche Bewegungen des Körpers zuständig. Die Implantate sind – noch wenig elegant – per Kabel (Dr. Ajiboye glaubt für die Zukunft an eine kabellose Lösung) mit einem Computer verbunden. Der entschlüsselt die Signale und wandelt sie in Befehle um, die an die Elektroden in Kochevars rechtem Ober- und Unterarm gesendet werden. Welt

Politik

Ehemaliger Behindertenbeauftragter attackiert das System Behindertenwerkstätten

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Behindertenbeauftragte Hubert Hüppe fragte die Bundesregierung nach der Erfolgsquote in der Vermittlung von Menschen mit Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt. Antwort: Über eine halbe Milliarde Euro zahlt die Bundesagentur für Arbeit jährlich für die Maßnahmen im sogenannten „Eingangsverfahren“ und dem „Berufsbildungsbereich“ in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Tendenz steigend.
Hüppe: „Sehr kritisch sehe ich vor allem, dass in den letzten Jahren kaum Evaluationen zum Übergang aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erstellt wurden. Aus der letzten Studie, die aus dem Jahr 2008 stammt, geht hervor, dass in den Jahren 2002 bis 2006 im Jahresdurchschnitt nur 0,16 Prozent der Werkstattbeschäftigten auf den ersten Arbeitsmarkt gewechselt haben. Da kann man sicherlich nicht von Erfolg sprechen, und ich frage mich, wo die Erfolgskontrolle bleibt.“ ROLLINGPLANET

Leipzig

„Gefangen“: Autisten stellen Bilder aus

Die Kunstgruppe für Leipziger Erwachsene mit Autismus stellt im Amtsgericht der Stadt Arbeiten aus. Unter dem Titel „Gefangen“ sind bis 19. Mai 2017 Werke von vier Künstlern zu sehen (links: Plakat zur Ausstellung, Foto: Sozialwerk Leipzig gGmbH). Sie ermöglichen einen Einblick in die Welt von Menschen mit Autismus, sagte Heidrun Düsterhöft, Kunsttherapeutin und Initiatorin der Ausstellung. Autisten falle es oft schwer, ihre Gefühle nach außen zu zeigen. „Häufig haben sie Probleme mit Menschen im Alltag oder Schwierigkeiten, Freunde zu finden“. Das Zeichnen und Malen könne eine Brücke zwischen Autisten und Nicht-Autisten bauen.
Die Vereinten Nationen schätzen, dass es weltweit etwa 67 Millionen Autisten gibt. Einige Betroffene erhalten ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter. Sie würden schnell als Außenseiter abgestempelt, sagte Düsterhöft. (dpa)

Facebook

Wie Samuel Koch seinen neuen Assistenten fand

Samuel Kochs Anzeige auf Facebook.

Samuel Kochs Anzeige auf Facebook.

Be part of my Team! Ersetze Arme und Beine.“ Es war eine ungewöhnliche Anzeige, die Samuel Koch vor einigen Tagen auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Eine Art Stellenausschreibung mit dem Titel „Wanted“. Koch suchte einen Assistenten und hatte Erfolg, wie seine Mutter heute berichtet. Zu der außergewöhnlichen Aktion habe er sich entschieden, weil zuvor die Suche auf anderen Wegen erfolglos geblieben sei – von der Arbeitsagentur bis hin zu Aushängen an schwarzen Brettern. „Wir waren anders nicht erfolgreich, das war die letzte Möglichkeit,“ so die Mama. Auf diesem Weg nach einem Assistenten zu suchen, habe Überwindung gekostet, erklärte sie. Focus Online

Der ganz normale Wahnsinn

Streit um Gehweg – Rollstuhlfahrer geschlagen

Die Wörthstraße in Ludwigshafen (Foto: Google Maps)

Die Wörthstraße in Ludwigshafen (Foto: Google Maps)

Wie heute die Polizei berichtet, gab es gestern in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) Krawall: Gegen 16.15 Uhr geriet ein 55-Jähriger mit einem 50-jährigen Rollstuhlfahrer in der Wörthstraße in ein Streitgespräch. Hintergrund war die unterschiedliche Auffassung, wo und wie der Rollstuhl des 50-Jährigen auf dem Gehsteig zu stehen habe. Kurze Zeit später eskalierte die Auseinandersetzung derart, dass der 55-Jährige dem Rollifahrer mit der Faust ins Gesicht schlug. Ein 17-jähriger Passant trennte daraufhin die beiden und beruhigte sie, bis die Polizei eintraf. (pol)

Politik

Späte Gerechtigkeit für die Opfer des Bluter-Skandals

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Der Bund will die „Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“, der zuletzt das Geld ausging, mit neuen Millionenbeträgen unterstützen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bereitet derzeit ein entsprechendes Gesetz vor. Dadurch sollen Opfer des Bluter-Skandals lebenslang Hilfe bekommen.
Bei Hämophilie gerinnt das Blut nur langsam oder gar nicht. Mit dem Aids-Virus hatten sich die Betroffenen in den 80er Jahren über Gerinnungsfaktoren angesteckt, die aus Blutplasma von infizierten Spendern gewonnen worden waren. Der Skandal dabei: Blutpräparate mit dem Erreger wurden trotz Erkenntnissen über die Gefahren zu spät vom Markt genommen, Risiken heruntergespielt. Auf eine Erhitzung der Plasmaprodukte zur Abtötung der Viren wurde lange verzichtet. Betroffene erhielten seinerzeit kaum Informationen.
Am 1. April machen Betroffene des Bluter-Skandals und Unterstützer mit einer Demonstration in Berlin auf ihre Belange aufmerksam. ROLLINGPLANET

Gesundheit & Medizin

Heute ist Welt-Bipolar-Tag

Rund ein Prozent der Bevölkerung leiden laut Prof. Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uni-Klinikums Frankfurt, an Bipolaren Störungen – also einer von 100 Menschen in Deutschland. Das sei „konservativ“ geschätzt, sagt Reif. Viele dieser Störungen blieben lange unerkannt. Gründe sieht Reif unter anderem im geringen Wissen um diese Krankheit: „Viele Patienten brauchen sehr lange, bis sie zum Arzt gehen.“ Voller Power, dann wieder ohne jeden Antrieb: So leben Menschen mit sogenannten Bipolaren Störungen. Im Laufe des Lebens kann die Krankheit bei Betroffenen zwar immer wieder auftreten. Mit Medikamenten und der richtigen Therapie lässt sich aber gegensteuern. ROLLINGPLANET

Kultur

Mit und ohne Behinderung: „Tanz mit der Schönheit“

Gemeinsam tanzen, ohne die Musik zu hören, ohne die Mittänzer zu sehen: Menschen mit Handicap stehen mit Profitänzern in Esslingen auf der Bühne. (Foto: IWN)

Gemeinsam tanzen, ohne die Musik zu hören, ohne die Mittänzer zu sehen: Menschen mit Handicap stehen mit Profitänzern in Esslingen auf der Bühne. (Foto: IWN)

Tanz mit der Schönheit“ ist eine musikalisch-tänzerische Inszenierung des Choreografen und Filmemachers Grégory Darcy überschrieben, die an diesem Donnerstag ab 20 Uhr von sieben Tänzerinnen und Tänzern mit und ohne Behinderung in Esslingen (Baden-Württemberg) im Kulturzentrum Dieselstraße aufgeführt wird.
Nach der Tanzperformance „Tanz mit der Dunkelheit“, die 2013 den Holocaust thematisiert hat, und dem Kunst- und Dokumentarfilm „Menschen“, der sich 2015 mit Geflüchteten beschäftigt hat, nahm sich Darcy erneut ein gesellschaftlich relevantes Thema vor, das er mit seinem Ensemble aus verschiedenen Richtungen beleuchtet: Wie gehen Menschen mit und ohne körperliche und geistige Behinderung mit Schönheit um? Können Blinde tanzen? Wie empfinden Schwerhörige Musik? Gibt es ein verbindendes Element, und lassen sich die Sinne täuschen? Stuttgarter Nachrichten, Kulturzentrum Dieselstraße

MITTWOCH, 29. MÄRZ 2017
Freizeit, Sport & Urlaub

Camp für Kinder und Jugendliche mit Amputation

Rollstuhlrugby (Foto: Daniel Jüptner| 8pm.de)

Rollstuhlrugby (Foto: Daniel Jüptner| 8pm.de)

Der Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V. (BMAB) richtet vom 25. Juli bis 2. August 2017 ein Jugendcamp in der Wedemark bei Hannover (Niedersachsen) aus. Aufgenommen werden bis zu 50 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren mit Gliedmaßenamputationen oder -fehlbildungen. Die Teilnahme am Jugendcamp ist kostenfrei – „somit können alle Kinder und Jugendliche unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten am Camp teilnehmen“, betont der Verein. Anmeldungen sind ab sofort möglich. ROLLINGPLANET

Multiple Sklerose

Ocrelizumab in USA zugelassen

Die FDA hat den monoklonalen Antikörper Ocrelizumab – Handelsname Ocrevus – für die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) genehmigt. Der halbjährlich als Infusion zu verabreichende Wirkstoff ist sowohl für die Behandlung der schubförmigen MS (RRMS = relapsing remitting multiple sclerosis) als auch für den primär progredienten Verlauf (PPMS = primary progressive multiple sclerosis) zugelassen worden. Ocrelizumab wurde auf Basis des in der Krebstherapie, bei rheumatischen Erkrankungen und auch bei MS eingesetzten Arzneimittels Rituximab entwickelt. Er richtet sich gegen B-Lymphozyten – im Unterschied zu anderen MS-Therapien, die sich meist auf T-Zellen konzentrieren. B-Zellen sind mit Entzündungen und Schädigungen des Myelins und der Axone assoziiert. Die häufigsten Nebenwirkungen des Medikaments von Roche, die bisher beobachtet wurden, sind Infusionsreaktionen und Infektionen der oberen Atemwege, aber auch teilweise Tumorbildung. (PM)

Behindertenwerkstätten

Werkstätten:Messe 2017 eröffnet

Die Leistungsschau der Werkstätten startete  in Nürnberg. (Foto: WerkstättenMesse)

Die Leistungsschau der Werkstätten startete in Nürnberg. (Foto: WerkstättenMesse)

In Nürnberg (Bayern) wurde die Werkstätten:Messe 2017 („Fachmesse für berufliche Rehabilitation & Leistungsschau der Werkstätten für behinderte Menschen“) eröffnet. Bis 1. April präsentieren 171 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Begleitet wird die Messe von einem Rahmenprogramm mit Sonderschauen und Fachvorträgen. Experten referieren über Themen wie Arbeits- und Gesundheitsschutz, Qualitätsmanagement und Finanzen. Die viertägige Veranstaltung gilt mit in der Vergangenheit fast 20.000 Besuchern als meistbesuchte Sozialmesse Deutschlands. (PM)

Medien

German Paralympic Media Award zum 17. Mal verliehen

Heute wurde zum 17. Mal der German Paralympic Media Award vergeben. Mit ihm zeichnet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) herausragende Berichterstattung über den Breiten-, Rehabilitations- und Leistungssport von Menschen mit Behinderung aus. Der Sonderpreis geht in diesem Jahr an Verena Bentele (Foto: dpa). In der Kategorie Print konnte sich die Jury sich auch nach langer Beratung nicht auf einen Preisträger einigen. ROLLINGPLANET

Chronisch Kranke und sozial Schwache

VdK lehnt Kostenbeteiligung von Patienten ab

Als „unsozial, ungerecht und nicht zielführend“ bezeichnet der Sozialverband VdK die jüngste Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz. Diese hatte eine Selbstbeteiligung der Patienten von maximal zwei Prozent an den Behandlungskosten gefordert. Nach Ansicht der KV könnten Arztbesuche und die dadurch verursachten Kosten in Deutschland gesenkt werden.
„Die Kostenbeteiligung wäre neben den weiter steigenden Krankenkassenbeiträgen eine zusätzliche finanzielle Belastung, die besonders chronisch Kranke treffen würde“, lehnt VdK-Landeschef Willi Jäger den Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung ab. Auch müssten sozial Schwache künftig zwei Mal überlegen, ob sie zum Arzt gehen. Dies birgt die Gefahr, dass Erkrankungen zu spät erkannt werden und eine Zweiklassen-Medizin entsteht.
„Die Zuzahlung ist trotz sozial gestaffelter Selbstbeteiligung ungerecht, weil für Patienten in einigen Situationen Arztbesuche sogar verpflichtend sind“, erläutert Jäger. „Spätestens am dritten Krankentag muss ein Arbeitnehmer für ein Attest zum Arzt. Auch einen Facharzttermin bekommen Patienten nur, wenn sie zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, der eine Überweisung ausstellt.“
Dass eine „Strafgebühr“ nicht zur Kostensenkung im Gesundheitssystem beiträgt, habe außerdem die bereits 2013 wieder abgeschafft Praxisgebühr gezeigt. „Viele unserer Mitglieder sind schwer und chronisch krank und ich bin mir sicher, dass keiner gerne oder mehr als nötig einen Arzt aufsucht“, spricht Jäger für die rund 192.000 Mitglieder des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz. (RP/PM)

Hospiz- und Palliativversorgung

Todkranke Patienten werden besser versorgt


Die Versorgung sterbenskranker Patienten hat sich nach Angaben von Gesundheitsexperten in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich verbessert. Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU; Foto: FU Deutschland) sagte im Gesundheitsausschuss des Bundestages, zwar seien weitere Verbesserungen in der Versorgung erforderlich, es gebe aber „keine Anhaltspunkte für flächenmäßige Problemfälle“. An der Palliativversorgung beteiligt sind Ärzte, Pflegedienste, Krankenhäuser und Hospize. Im November 2015 hatte der Bundestag das Gesetz zur Reform der Hospiz- und Palliativversorgung verabschiedet, um sterbenskranke Menschen besser und individueller betreuen zu können. ROLLINGPLANET

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