""

Verena Bentele moderierte – Olympia-Votum für München 2022

„Starke emotionale Waffe“: Der blinden Ex-Biathletin kommt bei einer möglichen deutschen Bewerbung eine besondere Rolle zu.

Verena Bentele (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Verena Bentele (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Im Oktober wurde bekannt, dass Verena Bentele Sport- und Inklusionsberaterin von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wird (ROLLINGPLANET berichtete). Die zwölffache paralympische Goldmedaillengewinnerin Verena Bentele erhalte, so erklärte die Partei, ein eigenes Zimmer in der Staatskanzlei und solle im Falle einer neuerlichen Bewerbung Münchens für die olympischen Winterspiele eine tragende Rolle spielen. Das klang wie eine dieser blumigen Ankündigungen, um feigenblattmäßig Menschen mit Behinderung unterzubringen – doch es war kein leeres Versprechen: Heute präsentierte die blinde Ex-Biathletin das Konzept der bayerischen Landeshauptstadt für das Großereignis.

Das Ergebnis: Der deutsche Sport will ein zweites Mal mit München um Olympische Winterspiele kämpfen. Die Mitgliedsverbände des Olympischen Sportbundes (DOSB) stellten am Montag nach intensiven Beratungen im Anschluss an die Präsentation des modifizierten Konzeptes mit nun vier Wettkampforten die Ampel für eine Bewerbung um die Winterspiele 2022 mit einem einstimmigen Votum auf grün. Einzig der Deutsche Alpenverein enthielt sich der Stimme, weil er nach eigenen Angaben erst auf seiner Hauptversammlung am 8. November über seine Olympia-Unterstützung beraten will.

Viel Beifall für die Münchner Präsentation – und Bentele

Konferenz des DOSB mit Verena Bentele (2.v.l.) (Foto: Inga Kjer/dpa)

Konferenz des DOSB mit Verena Bentele (2.v.l.) (Foto: Inga Kjer/dpa)

„Das war ein ganz starkes Signal des deutschen Sports. Wir alle haben den Traum, Olympia nach Deutschland zu holen“, sagte DOSB-Interimspräsident Hans-Peter Krämer. Eine im deutschen Sport auch immer wieder diskutierte Kandidatur mit Berlin oder Hamburg um Sommerspiele ist damit für die kommenden Jahre vom Tisch.

„Es ist wahr – wir treten wieder an“, verkündete Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in der Münchner Olympiahalle kämpferisch. Zweifel an dem „Ja“ zu München hatte es schon vor der Abstimmung nicht mehr gegeben, so eindeutig waren die Redebeiträge. „Lasst uns gemeinsam den Weg nach München gehen. Wir sollten die Chance ergreifen“, erklärte Turn-Präsident Rainer Brechtken, der die „einvernehmliche“ Unterstützung nicht nur aller Wintersportverbände, sondern auch der Sommersportverbände präsentieren konnte. Auch alle 16 Landessportbünde stimmten einträchtig pro München.

„Das gibt uns gigantischen Auftrieb“, frohlockte Ude. Er sieht mit einem „besseren Konzept“ als bei der Niederlage gegen Pyeongchang (Südkorea) für 2018 „größere Chancen“ im zweiten Anlauf. „Perfekter geht es nicht“, sagte Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch über das Konzept. Verena Bentele hatte die Präsentation moderiert – die auch im Saal mit viel Beifall bedacht wurde.

Ein Kalauer als starkes Argument: „Wir sehen uns in München“

Die Paralympics-Ikone war schon bei der letztlich erfolglosen Münchner Bewerbung für Olympia 2018 involviert gewesen und fungierte damals laut Ude als „starke emotionale Waffe“. Tatsächlich lieferte sie im Juli 2011 bei der IOC-Wahlsitzung für die Winterspiele 2022 einen beeindruckenden Auftritt ab. „Ich kann nicht sehen, was sie gesehen haben, aber ich kann ihre Begeisterung spüren“, warb sie um Stimmen und verabschiedete sich mit den Worten: „Wir sehen uns in München.“

Verena Bentele bei ihrer Rede am 6. Juli 2011 in Durban (Südafrika) bei der Präsentation Münchens während der 123. IOC-Session. Das Internationale Olympische Komitee entschied sich trotz Benteles starken Auftritts anschließend für das südkoreanische  Pyeongchang als Austragungsort der Winterspiele 2018 (Foto: Stephan Jansen/dpa)

Verena Bentele bei ihrer Rede am 6. Juli 2011 in Durban bei der Präsentation Münchens während der 123. IOC-Session. Das Internationale Olympische Komitee entschied sich trotz Benteles starken Auftritts anschließend für das südkoreanische Pyeongchang als Austragungsort der Winterspiele 2018 (Foto: Stephan Jansen/dpa)

Geholfen hat es damals nicht. Warum sie nun wieder dabei ist? Sie habe das große Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung aller Nationen bei den Spielen sehr positiv erlebt, erklärte Bentele ihr Engagement im Juli auf einer Podiumsdiskussion in Bischofswiesen. Deswegen stehe sie klar hinter der neuen Bewerbung von der Landeshauptstadt München – wo sie Germanistik studierte und 2011 das Magister mit „sehr gut“ abschloss – und ihren Partnern.

Jetzt entscheidet das Volk

Das Votum der deutschen Sportorganisationen soll München mit einen Partnern Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Ruhpolding den nötigen Rückenwind für die Bürgerentscheide am 10. November verschaffen. „Das wird eine große Herausforderung“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. In München, der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen sowie den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land haben die Bürger dann das entscheidende Wort. „Ein positives Ergebnis“ ist Bedingung für die Einreichung einer Bewerbung. „Wir werden dafür kämpfen“, kündigte Ude an.

Oberbürgermeister Christian Ude mit Katarina Witt (r.) und Verena Bentele, die Münchens Bewerbung für die Winterspiele 2018 unterstützten (Foto: dpa)

Oberbürgermeister Christian Ude mit Katarina Witt (r.) und Verena Bentele, die Münchens Bewerbung für die Winterspiele 2018 unterstützten (Foto: dpa)

Die Frist zur Anmeldung der Kandidatur beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) endet am 14. November. Das kasachische Almaty hat seine Bewerbung bereits bekanntgegeben. Oslo, Östersund (Schweden), Barcelona, Krakau (Polen), Lwiw (Ukraine) gelten als weitere mögliche Bewerber. Das von Thomas Bach als Präsident angeführte IOC wählt den 2022-Gastgeber am 31. Juli 2015 auf seiner Vollversammlung in Kuala Lumpur.

Sport und Inklusion

Bach selbst hatte seine Beförderung zum Ober-Olympier als positives Signal für München gewertet. Sein Aufstieg könne gleich in zweierlei Hinsicht positiv wirken, so der neue IOC-Chef. „Zum einen ist das Thema Olympia und Olympische Spiele in Deutschland positiv besetzt. Zum anderen werden sich die IOC-Mitglieder im Falle einer Münchner Bewerbung daran erinnern, wie sehr ich mich für München 2018 eingesetzt habe“, hatte Bach vor knapp drei Wochen erklärt.

Kernpunkt des modifizierten Olympia-Konzeptes ist die Steigerung der Austragungsorte von drei auf vier. Langläufer und Biathleten sollen in neun Jahren nun in Ruhpolding um Medaillen kämpfen. Die Olympia-Gesamtkosten werden auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. Die Bewerbung soll 29 Millionen Euro kosten.

2022 werden 2000 Athletinnen und Athleten mit Behinderung erwartet. „Mit den Paralympischen Spielen 2022 erfährt die Jahrhundertaufgabe Inklusion einen weiteren großen Schub. Viele Möglichkeiten zu barrierefreiem Aus- und Umbau im öffentlichen Raum, z.B. an den Bahnhöfen, würden weiterentwickelt und umgesetzt werden“, heißt es in einem Positionspapier des bayerischen Landkreises Traunstein.

(RP/dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN