""

Verkauft der VdK seine Mitglieder?

Datenweitergabe, teure Rechtsberatung und Drückerkolonnen: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet von schweren Vorwürfen gegen den Sozialverband.

Präsidium des VdK (Foto: Peter Himsel)

Mit 1,6 Millionen Mitgliedern – Tendenz stark steigend (Eigenaussage: „es werden immer mehr“) – ist der VdK Deutschland e.V. (VdK) Deutschlands größter Sozialverband. Der Jahresbeitrag beträgt 60 Euro. Der gemeinnützige Verein mit Hauptsitz in Bonn-Bad Godesberg wurde 1950 in Düsseldorf gegründet. Bundesweit sind etwa 90.000 ehrenamtliche und 1.500 hauptamtliche Mitarbeiter für den Verband tätig.

Auf seiner Webseite empfiehlt sich der VdK: „In einer sich schnell wandelnden Gesellschaft ist es wichtig, einen starken Sozialpartner an seiner Seite zu haben. Ob Renten- oder Gesundheitspolitik, Pflegereform, Behinderten- oder Arbeitsmarktpolitik: Der Sozialverband VdK Deutschland setzt sich seit 60 Jahren erfolgreich für die Interessen seiner Mitglieder ein.“ Diese „vertrauen dem VdK, wenn es um sozialrechtliche Fragen und Sozialpolitik geht“.

“Fragwürdige Geschäftstätigkeit“

Ist dieses Vertrauen möglicherweise nicht berechtigt? Von schweren Vorwürfen berichtet heute die „Süddeutsche Zeitung“. So habe Reinhard Lerner, vor kurzem noch VdK-Ortsvorsitzender im oberbayerischen Markt Schwaben, dem Verband den Rücken gekehrt: „Möge es gelingen, dass der VdK den Weg von fragwürdiger Geschäftstätigkeit zurück zu seinen eigentlichen Zielen findet, der Fürsorge für Kriegsopfer, Alte, Gebrechliche, Behinderte und sozial Benachteiligte“, begründete er dem Vorstand seinen Rück- und Austritt.

Lerner vermutet, dass der VdK „als Türöffner, Datenlieferant und Werbeträger“ für die Ergo Versicherungsgruppe auftritt. Diese verkaufe mit Hilfe des VdK Sterbegeldpolicen. Tatsächlich heißt es in den Vertragsunterlagen der Ergo, die Senioren unterzeichnen sollen: „Bis auf meinen jederzeit möglichen Widerruf spende ich der Vereinigung (VdK) laufend Beträge in Höhe des jeweils anfallenden Grundüberschussanteiles.“

Schlechte Rechtsberatung?

Die „Süddeutsche Zeitung“ rechnet dem VdK außerdem vor, dass mehr als die Hälfte der vom Verband vertretenen Rechtsverfahren für seine Mitglieder verloren gegangen seien. Zum Beweis wird der Münchener Friseur Mohsen Nazifkar – zu 90 Prozent schwerbehindert – zitiert: „Ich hatte gehört, der VdK hilft Menschen in sozialer Not, aber für mich haben sie nichts getan.“ Erst zwei Minuten vor dem Verfahren gegen die Deutsche Rentenversicherung habe er seinen VdK-Rechtsvertreter kennengelernt. Während der Verhandlung habe der kaum ein Wort gesagt. „Ich habe verloren, weil ich dem Verband vertraut habe“, sagte Nazifkar der „Süddeutschen Zeitung“.

Der VdK weist die Vorwürfe zurück. Bereits in ihrer Beitrittserklärung könnten zukünftige Mitglieder durch das Ankreuzen eines Kästchens die Weitergabe ihrer Daten unterbinden. Etwa die Hälfte macht mittlerweile davon Gebrauch. Die Vereinbarung mit der Versicherung würden den Mitgliedern bevorzugte Konditionen ermöglichen und wären auch bei anderen Organisationen üblich. Zu den Vorwürfen der erfolglosen Rechtsberatung heißt es, man habe 2011 rund 20 Millionen Euro an Nachzahlungen erstritten. VdK-Pressesprecher Michael Pausder betont: „Unsere Sozialrechtsberatung ist anerkannt, ein Totalverriss ist nicht gerechtfertigt.“

Link: Bericht der Süddeutschen Zeitung

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN