Verzichtet die Lebenshilfe auf geistig Behinderte?

Außerdem in unserem heutigen Eintopf: Schwanger und behindert, Paralympics-Siegerin Ramona Brussig, immer mehr Krankenhaus-Patienten sind dement und anderes mehr.

Die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird voraussichtlich neue Chefin der Lebenshilfe. (Pressefoto)

ROLLINGPLANET erholt sich derzeit von der Paralympics-Berichterstattung. Wir fassen deshalb bis kommenden Montag die meisten Nachrichten bevorzugt in einer schnellen Übersicht zusammen.

Führungswechsel bei der Lebenshilfe und neuer Name?

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe wird sich zu ihrer Mitgliederversammlung am 21. und 22. September 2012 in Marburg treffen. Es werden 500 Delegierte aus ganz Deutschland erwartet. Dabei wird aller Voraussicht nach die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (63) zur neuen Vorsitzenden gewählt werden – das steht bereits seit Monaten fest, wie ROLLINGPLANET berichtete. Die Bundestagsabgeordnete (SPD) ist Lehrerin für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Rehabilitation lernbehinderter und erziehungsschwieriger Kinder.

Der bisherige Amtsinhaber Robert Antretter (73), MdB a.D., steht nach zwölf Jahren an der Spitze des Verbands für eine weitere vierjährige Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung. Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süssmuth wird die Abschiedsrede für ihn halten.

Neben der Neuwahl wird auf der Mitgliederversammlung auch über einen neuen Verbandsnamen diskutiert. Zur Wahl stehen sowohl der alte, vielfach umstrittene Titel „Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung“ als auch zwei kürzere Versionen: „Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung“ und „Bundesvereinigung Lebenshilfe“. (PM)

Paralympics-Siegerin Ramona Brussig will weitermachen

Die zweimalige Paralympics-Siegerin Ramona Brussig will ihre Karriere fortsetzen und unter Umständen ein drittes Mal Anlauf auf olympisches Gold nehmen. „Die Motivation ist bei mir eigentlich immer da. Ich habe jetzt erst einmal Trainingspause und dann bereiten wir uns auf das nächste Jahr vor“, sagte die 35 Jahre alte Judo-Kämpferin heute beim Empfang für die Olympioniken und Paralympics-Teilnehmer in Neubrandenburg.

Die sehbehinderte Schwerinerin, die in London ihre zweites Paralympics-Gold nach 2004 in Athen gewonnen hatte, ist sich noch nicht sicher, ob sie noch vier Jahre aktiv bleiben wird. „Ob es jetzt noch einmal ein ganzer Zyklus wird, kann ich nicht sagen. Ich bin ja nicht mehr die Jüngste. Wenn es gesundheitlich und körperlich hinhaut: Ja“, sagte sie. Ramona Brussig hatte wie ihre Schwester Carmen in der britischen Metropole Gold gewonnen – noch dazu an einem Tag (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht: So ticken Carmen und Ramona Brussig) (dpa)

Blick ins Ausland: Schwanger und behindert

Hebamme Béatrice Idiard-Chamois ist selbst Rollstuhlfahrerin.

Ein Kind zu bekommen ist nie einfach – für behinderte Frauen ist eine Schwangerschaft aber eine ganz besondere Herausforderung. Das Institut Mutualiste Montsouris in Paris ist die einzige Geburtsklinik in Frankreich, die sich auf die besonderen Bedürfnisse dieser werdenden Mütter spezialisiert hat. Den Anstoß dazu gab 2006 die Hebamme Béatrice Idiard-Chamois, die selbst Rollstuhlfahrerin ist – was ebenfalls beachtlich ist. Video: FAZ

Immer mehr Krankenhaus-Patienten sind dement

Immer mehr ältere Patienten in Krankenhäusern haben eine Demenz und stellen die Kliniken vor neue Herausforderungen. Das sei ein „dramatisches Problem“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Werner Hofmann, heute in Bonn auf dem Kongress der Gesellschaft. „Ab 2020 wird jeder fünfte Krankenhauspatient unter einer Demenz leiden.“ Die Kliniken würden von dieser Entwicklung überrollt und seien bislang nicht ausreichend auf die Behandlung und Pflege von Demenzkranken eingestellt.

Mit der Demenz gingen Stürze, Schenkelhalsbrüche, Herzinfarkt und akute Infektionen einher, sagte Hofmann. Deshalb lägen auch in Kliniken der Inneren Medizin und Chirurgie viele Demenzkranke. Dort habe bereits etwa jeder Vierte die Erkrankung. Das zumeist für solche Fälle ungeschulte Personal sei schon in der Notaufnahme mit diesen Patienten überfordert.

Hofmann forderte, Krankenhäuser alters- und demenzgerecht zu gestalten. Optimal wären Spezialstationen für die Erkrankten, in denen Geriater zusammen mit den Fachärzten solche Patienten betreuten. Derzeit gebe es insgesamt 220 Betten verteilt auf 18 geriatrische Kliniken, in denen das möglich sei.(dpa)

Behandlungszentren sehen Erfolge gegen chronische Schmerzen

Um Patienten mit chronischen Schmerzen erfolgreich zu behandeln, reicht nicht der Blick auf die körperlichen Beschwerden. „Chronische Schmerzen müssen auf drei Ebenen wahrgenommen werden: auf der körperlichen, der psychischen und der sozialen“, sagte der Mediziner Christoph Sommer der Nachrichtenagentur dpa. Interdisziplinäre Schmerzzentren könnten daher gute Behandlungserfolge verbuchen.

Sommer leitet das Schmerzzentrum am Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg (Landkreis Lichtenfels). An diesem Wochenende richtet das Haus zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft schmerztherapeutischer Einrichtungen in Bayern den 4. Bayerischen Schmerzkongress aus. (dpa/lby)

Aus Astra Tech HealthCare wird Wellspect HealthCare

Katheter-User sollten sich nicht wundern: Astra Tech Health Care wurde von Dentsply International übernommen und heißt seit 1. September 2012 Wellspect HealthCare. Die Namensänderung habe dabei keinen Einfluss auf LoFric als Produktname oder das Produkt selbst, teilt der Urologie-Spezialist mit. (RP)

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