Video: So schnappten sich die Thüringer Bulls den Titel von RSV Lahn-Dill

Erstmals Deutscher Meister. Wie schon im ersten Playoff-Finale zeigt Rollstuhlbasketballer André Bienek eine Weltklasse-Leistung.

Nichts zu lachen für Steve Serio (#11) von RSV Lahn-Dill, links Raimund Beginskis (#6) und rechts André Bienek (#10) von RSB Thuringia Bulls. (Foto: Armin Diekmann)

Nichts zu lachen für Steve Serio (#11) von RSV Lahn-Dill, links Raimund Beginskis (#6) und rechts André Bienek (#10) von RSB Thuringia Bulls. (Foto: Armin Diekmann)

Nach sechs Deutschen Meisterschaften in Serie muss RSV Lahn-Dill in diesem Jahr den RSB Thuringia Bulls zu deren ersten Meistertitel gratulieren. Am Samstagabend unterlag die bisherige Übermannschaft des deutschen Rollstuhlbasketballs den Thüringern in Spiel zwei der „best-of-three“ Playoff-Finalserie mit 63:76 (11:16/28:46/46:54) (ROLLINGPLANET berichtete) und muss sich nach dem 58:70 aus Spiel eins diesmal mit Platz zwei in Europas stärkster Liga begnügen.

In Elxleben zeigten die Wetzlarer Rollis zwar eine moralisch und kämpferische tadellose Einstellung, doch spielerisch hat es gegen einen Gastgeber, bei dem ein Zahnrad perfekt in das nächste griff, nicht gereicht. Mental mit einem enormen Selbstbewusstsein ausgestattet, spulten die Thüringer vor eigenem Publikum ihr Spiel wie ein schweizerisches Uhrwerk ab und trafen dabei aus fast allen Lagen hochprozentig.

Verdienter Erfolg der Thüringer

Dagegen war auf Seiten des RSV Lahn-Dill eine klare Verunsicherung zu spüren. „Wir haben uns zwar mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Niederlage gestemmt, konnten diese aber letztendlich nicht verhindern. Gratulation an die Thuringia Bulls, sie sind verdient Meister, auch wenn wir ein bisschen mit dem Schicksal hadern“, so Head Coach Nicolai Zeltinger nach der intensiven Partie.

Er bezog sich dabei auch auf die Verletzung von Kapitän Michael Paye, der nach einem Trainingsunfall zu Beginn der vergangenen Woche mit einer Platzwunde am Ellbogen und Beschwerden im Halsbereich vor dem wichtigen Spiel kein Training mehr absolvieren konnte. „Das waren zwar in der Gesamtsumme zu viele Widrigkeiten, doch der verdiente Erfolg unseres Konkurrenten steht auch unabhängig davon nicht zu Diskussion“, so Zeltinger weiter.

Bienek in Weltklasse-Manier

Wie in den letzten Spielen zuvor startete der RSV Lahn-Dill auch am Samstagabend wieder mit einer Hypothek in die Partie. Nach drei Spielminuten stand es bereits 0:10, und Zeltinger war zur ersten Auszeit gezwungen, ehe die Gäste ihren ersten Feldkorb erzielen konnten. Dieser jedoch weckte die Energie im Spiel der Hessen, die spätestens nach einem Dreier von Steve Serio zum 9:14 (8.) im Spiel waren. Doch wie zuletzt so oft war der RSV damit erneut gezwungen, kräftezehrend eine Aufholjagd zu starten, die allerdings Mitte des zweiten Viertels auf der gegnerischen Bank beim 25:29 (15.) durchaus erste Sorgenfalten verursachte.

Aus der Ruhe ließ sich der Gastgeber auf dem Parkett jedoch nicht bringen. Nationalspieler André Bienek lenkte die Partie in Weltklassemanier und streute alleine in den letzten drei Spielminuten vor der Pause drei nahtlose Dreier von jenseits der 6,75m-Markierung ein. Und was er nicht traf, verwertete unter dem Korb Center Aliaksandr Halouski hochprozentig. Dieser 17:3-Lauf zum deutlichen 46:28 für die Bulls noch vor der Pause war dabei ein herber Nackenschlag für die Gäste und letztendlich der Grundstein für den Thüringer Erfolg in Spiel zwei der Finalserie.

Aufholjagd – aber Bulls behalten die Nerven

Mit einem Kraftakt kamen die Wetzlarer dann jedoch aus der Kabine zurück auf das Parkett, mussten zunächst zwar das 28:48 (31.) hinnehmen, ehe nach dem 32:50 (33.) zur Aufholjagd geblasen wurde. Zwar weiterhin keineswegs fehlerfrei, schien der Titelverteidiger aber nun mit mentaler Kraft die Partie noch einmal mit der Brechstange wenden zu wollen. Vor allem in der Defensive zog man im restlichen dritten Viertel dem Gastgeber zwischenzeitlich den Zahn, der in knapp acht Spielminuten nur zwei Feldkörbe erzielen konnte. Auf der Gegenseite war es nun das Trio Serio, Böhme und Schell, das bis zum Viertelende dafür sorgte, dass ihr RSV beim 48:56 wieder auf Schlagdistanz war.

In den letzten zehn Spielminuten war es dann ein zweiter Dreier von US-Nationalspieler Serio, der den Rückstand beim 57:64 (36.) sogar noch einmal auf sieben Zähler schrumpfen ließ, doch wie schon zuvor wartete der RSV Lahn-Dill vergeblich auf einen nervös werdenden Gastgebers. Auch wenn in den letzten Minuten der Titelverteidiger mit dem Stoppen der Uhr noch einmal alles versuchte, musste er sich spätestens nach dem 57:70 (38.) geschlagen geben, um am Ende einem verdienten neuen Deutschen Meister zu gratulieren.

Für beide geht’s gleich weiter

„Wir fahren natürlich nicht glücklich nach Hause, haben zu viele Fehler gemacht und dennoch müssen wir der Mannschaft für ihre gezeigte Moral in der momentanen Situation großen Respekt zollen“, so RSV-Manager Andreas Joneck, der ergänzte: „Gratulation an Thüringen für eine auf der Zielgeraden absolut verdiente Meisterschaft. Die Rolle des Jägers, in der wir nun in der kommenden Spielzeit sein werden, nehmen wir natürlich sehr gerne an, das versprechen wir!“.

Der RSV hat nun zwei Wochen Zeit, alle Knöpfe wieder auf null zu stellen und mental die Köpfe frei zu bekommen, um in der Champions League vom 6. bis 8. Mai neu angreifen zu können. Für den Double-Gewinner Thüringer (holten sich bereits den DRS-Pokal, ebenfalls gegen Lahn-Dill) geht es bereits am kommenden Freitag mit dem Finalturnier im André-Vergauwen-Cup im spanischen Valladolid weiter.

Thüringen: Aliaksandr Halouski (22), André Bienek (20/3 Dreier), Raimund Beginskis (14/1), Joakim Linden (10), Jens-Eike Albrecht (4), Teemu Partanen (4), Venckus Nerijus (2), Dan Highcock, Marcus Kietzer (n.e.), Marvin Malsy (n.e.).
Lahn-Dill: Thomas Böhme (16), Steve Serio (16/2), Felix Schell (15), Michael Paye (14), Joe Bestwick (2), Annabel Breuer, Dirk Köhler, Björn Lohmann, Nico Dreimüller (n.e.), Jan Haller (n.e.), Christopher Huber (n.e.), Marco Zwerger (n.e.).

(RP/PM/aj)

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