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Viel Spaß: Jetzt können auch Gehörlose die Bundespräsidentenwahl verfolgen (Achtung: Update!)

Die Bundesversammlung wählt am 18. März 2012 den neuen Bundespräsidenten. Späte Entscheidung: Phoenix überträgt live mit Einblendung der Gebärdensprach-Dolmetscher/innen.

Joachim Gauck

ROLLINGPLANET ist gemein und verrät, wie es ausgeht: Joachim Gauck wird der Neue

23:25 Uhr: Wie wir soeben via Facebook erfahren haben, ist die Sachlage doch noch nicht eindeutig. Vielen Dank an Martina Bacher, die uns darauf hinweist: „Es ist noch nicht klar, ob Phönix direkt in DGS über deren Sender überträgt. Im Gespräch ist, dass DGS nur im Internet verfügbar ist. Was gar nicht geht. Da Ältere Menschen oder die, die keinen I-Anchluss haben, benachteiligt sind. Herr Zierold hat Phönix angeschrieben und wartet auf Antwort.“ ROLLINGPLANET wird im Laufe des Freitags über den neuesten Stand berichten.

Seit Christian Wulff fragt man sich bekanntlich, ob Deutschland überhaupt noch einen Bundespräsidenten braucht. Und nachdem es keiner unserer Kandidaten geschafft hat, aufgestellt zu werden, ist ROLLINGPLANET beleidigt und interessiert sich nicht sonderlich für die Bundespräsidentenwahl am kommenden Sonntag. Wir schauen uns auch nicht 90 Minuten lang ein Fußballspiel an, dessen Ergebnis wir schon vorher kennen.

Für alle, die neugierig sind, ob es nicht doch eine Überraschung gibt, und die gehörlos sind, haben wir jedoch eine tolle Nachricht: Phoenix (gemeinsamer Sender von ARD und ZDF) überträgt die Bundesversammlung am 18. März 2012 zur Wahl des neuen Bundespräsidenten ab 9 Uhr live mit Einblendung der Gebärdensprach-Dolmetscher/innen.

Erfolgreicher Kämpfer Martin Zierold

Dies erfuhr der taube Abgeordnete Martin Zierold heute per Email von der Phoenix-Redaktion – nachdem er maßgeblich darum gekämpft hatte. „Es ist geschafft“, freute sich der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. im Namen der Betroffenen in einer Pressemitteilung.

Der Politiker hatte sich mehrfach an die Phoenix-Redaktion gewandt. Dabei konnte er besonders auf die Unterstützung seiner Fraktion (Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordneten-Versammlung Berlin-Mitte) und des sozial- und behindertenpolitischen Sprechers der Bundestags-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Markus Kurth, bauen.

„Noch immer gibt es Barrieren in der Gesellschaft, die vielen Menschen eine politische und gesellschaftliche Beteiligung erschweren“, erklärte Zierold. „Dies widerspricht der 2006 verabschiedeten UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, insbesondere in Fragen der Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen. Die Bundesversammlung ist ein bedeutendes Ereignis in Deutschland. Die Möglichkeit, dies zu verfolgen, sollte allen Menschen mit und ohne Behinderungen möglich sein. Als Bündnisgrüne sehen wir uns der Umsetzung einer inklusiven Gesellschaft verpflichtet und fordern Politik und Medien auf, sich ebenso zu verhalten“.

Zierold gehört ebenso wie die Behindertensportlerinnen Verena Bentele, Kirsten Bruhn und Vanessa Low der Bundesversammlung an, die den neuen Bundespräsidenten wählen.

„Technische Kapazitätsprobleme“

Der phoenix-Zusage gingen intensive Bemühungen vieler Beteiligter auf verschiedenen Ebenen voraus. So wandte sich der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. mit der Bitte um durchgängige Einblendung der Gebärdensprachverdolmetschung an die ARD, unter anderem mit Verweis auf die Zusage der Intendantin Monika Piel vom 14. September 2011, das barrierefreie Programm von ARD und dritten Programmen bis Ende 2013 umfassend auszubauen. Diese Anfrage wurde vor dem „Hintergrund technischer Kapazitätsprobleme“ abgelehnt.

Die ARD ermöglicht jedoch eine Untertitelung; durch dieses Angebot können z. B. schwerhörige oder spät ertaubte Interessierte die Bundesversammlung verfolgen. Außerdem wurde laut dem Deutschen Gehörlosen-Bund e. V. deutlich, dass die ARD sich zunehmend um die Thematik „barrierefreies Fernsehen“ kümmert.

Foto: Wikipedia/2011_Joachim_Gauck.jpg: J. Patrick Fischer.

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