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Vielleicht sollte RSV Lahn-Dill die Sportart wechseln und Wasserball o.ä. spielen

Jena Caputs feiert seinen Klassenerhalt: Spielertrainer Lars Christink während der Ehrenrunde durch die Werner-Seelenbinder-Halle (Foto: Thomas Henkel)

Der Deutsche Meister vernascht auch RSC-Rollis Zwickau, Hannover United und RSV Basket Salzburg steigen ab, Jena Caputs sichert sich Klassenerhalt: Die Höhepunkte des 17. Spieltages der Rollstuhlbasketball-Bundesliga.

(RP/aj) – Die Dominanz des Titelverteidigers RSV Lahn-Dill im deutschen Rollstuhlbasketball ist ebenso beeindruckend wie beängstigend. Damit der Rest der Liga nicht den Mut verliert, empfiehlt ROLLINGPLANET spätestens seit dem gestrigen Samstag, dass die Mannschaft aus Hessen die Sportart wechselt, um auch mal baden zu gehen. ROLLINGPLANET wird mit RSV Lahn-Dill-Manager verhandeln: Wie wäre es mit Wasserball, Herr Joneck?

Das Spitzenspiel: RSV Lahn-Dill – RSC Rollis Zwickau

RSV Lahn-Dill hat gestern Abend in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle – vor einer Traumkulisse mit 1.700 Zuschauern – selbst Erzrivalen RSC-Rollis Zwickau heftig demoralisiert. Im Jubiläumsduell der beiden Teams deklassierte man den Tabellenzweiten aus Sachsen mit 80:46 (22:10/40:19/60:26).

Heimtrainer Nicolai Zeltinger zeigte sich begeistert von der Stimmung in der Halle: „Unsere Truppe war angefixt von dieser Kulisse und erwiderte mit viel Spielfreude die Atmosphäre.“ Der 40-Jährige weiter: „Das war das mit Abstand beste Spiel meiner Mannschaft seit zwei Jahren, seit dem Umbruch unseres Kaders nach dem Champions League Sieg 2010. Wir spielen schon seit fünf, sechs Wochen auf diesem hohen Niveau und hatten schon befürchtet, dass die Leistungskurve zu früh auf diesem Level ist. Dies hat die Mannschaft heute widerlegt.“

Der Gastgeber begann druckvoll mit einer aggressiven Ganzfeldpresse und führte bereits nach knapp 40 Sekunden durch Treffer von Michael Paye und Joey Johnson mit 4:0. Doch erst nach knapp fünf Minuten saß die Verteidigungsform sattelfest, nachdem vor allem der tschechische Nationalspieler Adam Erben zweimal die Abstimmungsprobleme des RSV ausnutzte. In der Folge zog der achtmalige Meister seinen defensiven Schraubstock aber immer fester zu und ließ den Tabellenzweiten kaum noch agieren.

Ein Zwischenspurt von 8:6 (4.) auf 20:6 (9.) und 36:14 (18.) sowie bereits zwölf erzwungene Ballverluste zur Halbzeit bei den Zwickauern verwandelten die aus allen Nähten platzende Heimstätte des RSV Lahn-Dill schon früh in ein Tollhaus.

Nicht so viel Spaß hatte dagegen der Gast aus Zwickau, der lediglich über das tschechische Duo Adam Erben und Rostislav Pohlmann in Durchgang eins gegenhalten konnte. Dagegen war der US-Amerikaner Bryce Doody an diesem Tag nahezu abgemeldet.

Auf der anderen Seite führte vor allem Doodys Landsmann Michael Paye in der Art eines Weltklassespielers Regie, zog die Fäden und hatte am Ende neben seinen 22 Punkten auch unglaubliche 14 Assists auf seinem Konto. Neben dem 28-Jährigen aus Detroit überzeugten vor allem sein Teamkollege Steve Serio sowie die beiden Routiniers Dirk Köhler und Joey Johnson. RSV-Trainer Zeltinger droht schon mal fröhlich an: „Wir haben mit der ganzen Tiefe des Kaders heute ein Spiel auf allerhöchstem europäischen Niveau gezeigt, das darf uns für den weiteren Verlauf der Saison sehr viel Mut machen“.

Dieser Mut dürfte dem USC München vermutlich bereits abhanden gekommen sein (falls RSV Lahn-Dill sich nicht doch noch rasch für Wasserball entscheidet). Der USC ist der vermutliche Halbfinalgegner bei den Playoffs. Er hat sein Spiel am Samstag in Köln mit 67:59 gewonnen und damit seinen vierten Tabellenplatz gefestigt. Zwar waren die Münchner in dieser Saison die einzige Mannschaft, die beim Hinspiel den RSV Lahn-Dill besiegen konnte. Vor zwei Wochen endete das Rückspiel jedoch eindeutig zugunsten des Meisters mit 82:60.

Vielleicht gelingt dem RSV Lahn-Dill ja eine Niederlage gegen Europameister Großbritannien – der ist am Donnerstag zu Gast.

RSV Lahn-Dill: Michael Paye (22), Steve Serio (20/1 Dreier), Joey Johnson (13), Dirk Köhler (10), Gesche Schünemann (8), Thomas Böhme (4), Wataru Horie (2), Thomas Gundert (1), David Amend, Jan Haller, Mina Mojtahedi, Marco Zwerger (n.e.).

RSC-Rollis Zwickau: Adam Erben (13), Rostislav Pohlmann (11), Marcin Balcerowski (8), Bryce Doody (6), Frank Oehme (4), Raimund Beginski (2), Rainer Müller (2), Günther Mayer

Ahmet Cosku überragend: Jena bleibt erstklassig

Ahmet Coskun (#14) von Jena Caputs erzielte 34 Punkte beim Spiel gegen Hannover

Sieht aus wie Speerwerfen, ist aber Rollstuhlbasketball: Jena-Spieler Mehmet Hayirli (re.) punktete zweistellig (16) und sicherte sich zwölf Rebounds (Fotos: Thomas Henkel

(TH) – Jena Caputs sichert sich mit einem überzeugenden 71:54-Erfolg (15:13, 37:22, 58:34) gegen Hannover den Klassenerhalt. Als am Samstagabend kurz vor 20:30 Uhr das Ergebnis vom Fernduell aus Salzburg (58:79-Niederlage gegen Trier, siehe unten) verkündet wurde, hätten die Emotionen in Jena nicht unterschiedlicher sein können: Die Jena Caputs brachen in Jubel aus und feierten gemeinsam mit den 350 Zuschauern den Verbleib in der ersten Liga. Die Hannover United-Akteure starrten hingegen mit versteinerten Mienen auf die Anzeigetafel – sie waren soeben in die 2. Bundesliga abgestiegen.

Überragender Spieler war der ehemalige deutsche Nationalspieler Ahmet Cosku von Jena Caputs mit 34 Punkten und 10 Rebounds. Aus fast allen Lagen traf der 37-jährige. Highlight war ein Dreier kurz vor Ende des 3. Viertels zum 58:34. „Ahmet ist heute richtig in Fahrt gekommen. Am Anfang sind zwei, drei Versuche daneben gegangen, und dann ist er richtig heiß gelaufen. So kenne ich ihn“, lobte ihn Spielertrainer Lars Christink nach dem Abpfiff.

Jena Caputs: Ahmet Coskun (34/1 Dreier), Mehmet Hayirli (16), Matthias Heimbach (8), Lars Christink (9), Mickey Kay (4), Marcus Kietzer, Franziska Vogel, Torsten Schüler, Mathias Brühl

Hannover United: Kai Möller (19), Thomas Schröder (14), Tan Caglar (14), Felix Heise (3), Nico Röger (2), Martin Kluck (2), Andrea Seyrl, Niko Kavazis, Eike Gößling, Kosta Tsatsoulis, Michael Möllenbeck

Dirk Passiwan schickt Salzburg in die zweite Liga

Triers kanadischer Spieler Aaron Moseley-Williams beim Wurf

(TS) – Der RSV Basket Salzburg steht nach seiner 58:79 (29:34)-Heimniederlage gegen die Immovesta Dolphins Trier am vorletzten Spieltag neben Hannover United als zweiter Absteiger fest.

Im Universitätssportzentrum Salzburg sahen die Zuschauer in der Mozartstadt bis zur Pause ein ausgeglichenes Spiel. Trier wurde seiner Favoritenrolle beim Aufsteiger aus Österreich in den ersten beiden Vierteln nur bedingt gerecht.

„Wir haben im ersten Durchgang zwar gut verteidigt, haben vorne aber grottenschlecht getroffen“, sagte Dirk Passiwan. Der Dolphins-Spielertrainer war mit 38 Punkten Alleinunterhalter und Topscorer der Partie. “In der zweiten Halbzeit ist der Ball bei uns gut gelaufen und wir haben auch die freien Würfe versenkt“, so der 35-jährige über die Leistungssteigerung seiner Mannschaft im zweiten Durchgang.

Die Immovesta Dolphins Trier haben nun mindestens Tabellenplatz sechs sicher und sind damit für den Eurocup 2012/2013 qualifiziert.

RSV Basket Salzburg: keine Angaben

Immovesta Dolphins Trier: Ewertz (4), Feser (2), Herrmann (2), Jassman (2), McLachlan (14), Moseley-Williams (15), Ohama (0), Passiwan (38), Stewart (2) und Jewells (0).

Der 17. Spieltag der RBBL im Überblick

Jena Caputs – Hannover United: 71:54
Mainhatten Skywheelers – RSB Team Thüringen: 66:67
RSV Basket Salzburg – Immovesta Dolphins Trier: 58:79
RSV Lahn-Dill – RSC-Rollis Zwickau: 80:46
Köln 99ers – USC München: 59:67

Die Tabelle

1. RSV Lahn-Dill – 1355:771 – 32:2
2. RSC-Rollis Zwickau – 1295:974 – 28:6
3. RSB Team Thüringen – 1140:1074 – 24:10
4. USC München – 1141:1061 – 22:12


5. Immovesta Dolphins Trier – 1307:1271 – 18:16
6. Mainhatten Skywheelers – 1053:1036 – 18:16
7. Köln 99ers – 1078:1117 – 14:20
8. Jena Caputs – 887:1197 – 8:26


9. RSV Basket Salzburg – 1014:1347 – 4:30
10. Hannover United – 946:1368 – 2:30

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