Visionen erlaubt: Altern inklusiv(e) – Teilhabe für Menschen mit Behinderung

Wie sich Kommune, Alten- und Behindertenhilfe auf die zunehmende Zahl älter werdender Menschen mit Behinderung einstellen, steht im Fokus der aktuellen Ausgabe von „ProAlter“.

Ulla Schmidt, Bundestagsvizepräsidentin  und Vorsitzende der Lebenshilfe, ist eine der Autorinnen der neuen Ausgabe von „Pro Alter“. (Foto: Lebenshilfe)

Ulla Schmidt, Bundestagsvizepräsidentin und Vorsitzende der Lebenshilfe, ist eine der Autorinnen der neuen Ausgabe von „Pro Alter“. (Foto: Lebenshilfe)

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Die Forderung nach mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung ist keine Minderheitenpolitik, sagt Verena Bentele. Die Zahlen geben der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung Recht: Mehr als jeder Achte in Deutschland hat eine Behinderung. Tendenz steigend. Und Menschen mit geistiger Behinderung werden heute durchschnittlich 72 Jahre alt – älter als jemals zuvor. Wie stellen sich Kommune und Gesellschaft, Alten- und Behindertenhilfe darauf ein, dass auch älter werdende Menschen mit Behinderung selbstbestimmt ihren Lebensabend gestalten können? Welchen Unterstützungsbedarf haben sie? Welche Erwartungen haben sie an das geplante Bundesteilhabegesetz? Damit beschäftigt sich die Zeitschrift „ProAlter“ in ihrem aktuellen Themenschwerpunkt „Altern inklusiv(e). Teilhabe für Menschen mit Behinderung“ (Ausgabe 1/2016).

Kommunen als barrierefreie und offene Räume

Von einem am individuellen Bedarf orientierten „Leistungspaket zur Gestaltung des Übergangs“, wie es die Bundesvereinigung Lebenshilfe in ihrem Positionspapier fordert, sei Deutschland noch weit entfernt, kritisiert die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt. Sie setzt sich dafür ein, dass Landkreise, Städte und Gemeinden zu lebenswerten, barrierefreien und offenen Räumen werden. Den Blick auf die Kommune lenkt auch ein Team von Münsteraner Wissenschaftlern, die sich auf den Schwerpunkt „Teilhabeforschung“ konzentriert haben. In der kommunalen Senioren- und Pflegeplanung würden Menschen mit einer lebenslangen Behinderung bisher selten berücksichtigt. Dabei verändere sich mit zunehmendem Alter ihr Unterstützungs- und Pflegebedarf. „Doch auf diese Veränderungen haben sich das ambulant betreute Wohnen und kleine stationäre Wohngruppen der Eingliederungshilfe bislang kaum eingestellt“, kritisieren sie in ihrem „ProAlter“-Artikel. Sinnvoll wäre es, Pflegekassen sowie örtliche und überörtliche Träger der Sozialhilfe enger in eine sozialräumliche Infrastrukturplanung unter Federführung der Kommunen einzubinden.

Neue Wohn- und Lebensformen für Behinderte

Dass Marianne Münz aus Bad Kreuznach heute ein Leben nach ihren Vorstellungen führt, ist alles andere als selbstverständlich. Kämpfen, streiten und sich wehren: das hat Marianne Münz erst mühsam lernen müssen. Doch es hat sich gelohnt: Die Pionierin im Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderung gründete einen der ersten Werkstatträte für Menschen mit Behinderung und zog mit 58 Jahren in ihre erste eigene Wohnung.

Für eine neue Wohn- und Lebensform haben sich auch die Bewohner einer Mehrgenerationen-WG des Münchener Vereins „Gemeinsam Leben Lernen“ (GLL) entschieden: Sechs von ihnen zwischen 45 und 66 Jahren haben eine Behinderung. Zusammen mit Studierenden leben sie unter einem Dach. Als der Verein das erste Wohnprojekt vor rund zehn Jahren ins Leben gerufen hat, sei er noch für verrückt erklärt worden, sagt GLL-Geschäftsführer Rudi Sack. Heute dagegen sind die Wartelisten lang.

„Pro Alter“ wird herausgegeben vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA). Ein Abonnement kostet 30,90 Euro, ein Einzelheft 6,90 Euro. Zur aktuellen Ausgabe: ProAlter

(RP/PM)

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