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Vom Frühkindlichen Autismus bis zum Abschluss einer Ausbildung: Beeindruckend

Vor vielen Jahren war der Junge, dessen Kindheit und Jugend in diesem Buch beschrieben wird, mit seiner Mutter in einer Talkshow. Die DVD hat mir die Autorin zugeschickt und es war ein jungen Mann zu sehen, der zwar schüchtern (aber wer ist das nicht in einer Fernsehsendung) aber ansonsten ganz fit gewirkt hat. Das Buch hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gelesen… aber wenn man es dann sehen kann, verstärkt es das Gelesenen noch einmal deutlich.

Eine Fantasie guckt aus dem Fenster: Vom frühkindlichen Autismus zum selbstbestimmten Leben

Buch: Nicht mehr erhältlich

eBook: 4,49 € (Amazon, iTunes, Thalia, Weltbild, Kobo)

Cover-Anders

Das ist schon ein besonderes Buch. Hier beschreibt die Mutter eines Jungen, der die Diagnose frühkindlicher Autismus erhalten hat, wie sie damit umgegangen ist. Seit der Geburt ihres Sohnes führt Frau Anders Aufzeichnungen über die Entwicklungsstufen und Verhaltensauffälligkeiten ihres Sohnes, die später als frühkindlicher Autismus diagnostiziert werden. Sie nutzt diese Aufzeichnungen, um daraus dieses Buch zu schreiben. Sehr detailliert und genau in den Beobachtungen, schildert sie das Älterwerden ihres Sohnes.
In jedem Fall sehr authentisch von der Mutter verfasst, die mehrfach bis an ihre Belastungsgrenze gegangen ist. Schonungslos offenbart sie auch, dass zwischenzeitlich nur der Alkohol half, der enormen Belastung standzuhalten.

Sie schildert die vielen Versuche, ihr Kind zu unterstützen, es zu schulen und in die normalen Abläufe der gesellschaftlichen Entwicklung – insbesondere der Schule – zu integrieren. Jede Kleinigkeit muss sie selbst entdecken: Die Mutter als Therapeutin für ihr Kind – manchmal auch konträr zu den ausgebildeten Therapeuten.

Sie hat es nicht leicht mit dem Kind gehabt – aber das Kind manchmal auch nicht mit ihr. Ein dauerhafter Kampf mit vielen Institutionen auf allen Ebenen. Das kostet Kraft!

Ihr Ziel war immer: Integration statt Werkstatt für Behinderte. Ein normales Leben für ihren Sohn, wie sie es sich als Mutter gewünscht hat.

Das Faszinierende: Es ist ihr gelungen. Der Junge hat eine Lehre als KfZ-Mechaniker abgeschlossen, hat viele Freunde, zieht durch Discos. Er kann sich an seine Zeit und sein Verhalten erinnern, aber (natürlich) nicht erklären.

Und mein Bauchgefühl ärgert mich etwas: Ich glaube, dass er, wenn er nur von Fachleuten beschult und begleitet worden wäre, heute vermutlich in einer WfbM arbeiten würde – nicht auf dem freien Arbeitsmarkt.

 

Beim nächsten Mal gibt es dann mal wieder ein Fachbuch, ich denke es wird eines von Christine Preißmann sein, eine der fleißigsten und auch besten Autoren in der Szene.

Bis dahin wünsche ich eine schöne Woche

Michael Schmitz

von www.autismus-buecher.de

Folgend Sie dem Autor auf Twitter unter @autismusbuecher

 

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2 Kommentare

  • Jules

    Wieder ein Buch über eine ach so „aufopferungsvolle“ Mutter, die ja so schrecklich unter ihrem schweren Schicksal leidet. Bis sie es schließlich schafft, ihr autistisches Kind so sehr an die Gesellschaft anzupassen, dass sie ihr Ziel eines „normalen“ Kindes erreicht hat.

    Ist das jetzt wirklich euer Ernst? Ersetzt Autismus mal durch CP oder Spina bifida oder beliebige andere körperliche Merkmale.

    Dieser Text strotzt nur so vor Abwertung einem autistischen Leben gegenüber. Nicht jeder Autist möchte das leben, was NIchtautisten als ein „normales Leben“ ansehen. Welche Methoden wurden da angewendet?

    Manche Autisten sind sehr glücklich mit ihrem „autistischen Leben“, vielleicht zusammen mit anderen Autisten, in einer Umgebung, wo man ihren Bedürfnissen gerecht wird. Wo sie Autisten sein dürfen und man die Welt ihnen anpasst und nicht von ihnen verlangt in dieser wirklich kaputten Gesellschaft mitzuspielen. „Normal“ zu sein um jeden Preis. Das widerspricht übrigens nicht dem Gedanken der Inklusion, wo es darum geht, Menschen als Individuen zu sehen, jeden Einzelnen. Mit seinen individuellen Stärken und Schwächen und Bedürfnissen. Nicht darum jeden Menschen um jeden Preis der Masse anzupassen.

    Ich habe das Buch nicht gelesen, ich beziehe mich ausschließlich auf diese Rezension. Die Formulierungen finde ich wirklich schlimm. Sollte in dem Buch auch etwas von der Perspektive des Sohnes zu finden sein – den Menschen, um den es hier geht – dann wäre es sinnvoll das in eine Rezension einfließen zu lassen. Wenn nicht, nun, dann verstehe ich die Begeisterung für das Buch absolut nicht.

    1. Juni 2014 at 11:50
  • michael

    Das ist doch das Interessante an dem Buch: „Der Junge hat eine Lehre als KfZ-Mechaniker abgeschlossen, hat viele Freunde ..“ – steht oben in der Rezension ja auch. Ob es hier um Umerziehung geht, ist Deine Interpretation. Die Geschichte beginnt mit einem Kind, dass nicht sprechen kann und endet mit einem jungen Mann, der eine Ausbildung abschließt. Wir reden nicht über Asperger-Autismus, sondern über frühkindlichen Autismus.
    In der Rezension geht es nicht um Umerziehung, sondern um die Frage, ob der Junge ohne diese Förderung in einer WfbM gelandet wäre – ohne Perspektive. „Engagierte Mutter“ usw. … klar, das kann manch einer nicht mehr lesen, aber wäre der Junge heute in einer WfbM ohne diese Förderung? Ich glaube ja. Soll man das so lassen und nicht fördern? Das wäre nach Deinem Text oben die Konsequenz. Das finde ich falsch. Wenn der Weg aus einer WfbM möglich ist, sollte man das unterstützen. Da kannst Du gern anderer Meinung sein. Aber ich kenne WfbM und den 1. Arbeitsmarkt und Menschen, die diesen Schritt sehr gern aus der WfbM gegangen sind: Um selbstbestimmter Leben zu können.

    2. Juni 2014 at 21:52

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