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Von Deutscher gegründete Blindenschule in Tibet droht Schließung

Seit zwei Jahrzehnten bildet Sabriye Tenberken blinde Kinder aus und bereitet sie auf ein selbstständiges Leben vor. Jetzt stellen sich die Behörden quer.

Die deutsche Tibetologin Sabriye Tenberken (l.) bringt einem Schüler in Tibet das Lesen der Braille-Schrift bei. Nun muss Tenberken, die selbst  im Alter von zwölf Jahren erblindete, um ihr Lebenswerk fürchten – die chinesischen Behörden wollen ihre Bildenschule schließen. (Foto: dpa)

Die deutsche Tibetologin Sabriye Tenberken (l.) bringt einem Schüler in Tibet das Lesen der Braille-Schrift bei. Nun muss Tenberken, die selbst im Alter von zwölf Jahren erblindete, um ihr Lebenswerk fürchten – die chinesischen Behörden wollen ihre Bildenschule schließen. (Foto: dpa)

Einem vielfach ausgezeichneten Blindenzentrum in Tibet, das von der Deutschen Sabriye Tenberken gegründet wurde, droht nach 19 Jahren die Schließung. Die chinesischen Behörden weigerten sich, das gemeinsame Projekt fortzusetzen, sagte Tenberken am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Besuch in Tibet seien ihr und ihrer Organisation Braille Without Borders „völlig überraschend“ der Entwurf eines Auflösungsvertrag vorgelegt worden. Demnach muss das Zentrum, zu dem eine Grundschule im Stadtzentrum von Lhasa sowie ein Ausbildungsfarm gehören, den Betrieb einstellen.

Gründe, warum das Zentrum nicht weitergeführt werden darf, wurden nach Angaben von Tenberken nicht genannt. „Es werden noch immer Verhandlungen geführt. Für die blinden Kinder wird auf jeden Fall gesorgt“, sagte ein lokaler Behörden-Mitarbeiter der dpa. Tenberken zufolge, die seit drei Wochen in Tibet auf Gespräche wartet, seien jedoch sämtliche Termine abgesagt worden. „Es gibt keine Antworten, und unser Visum läuft in zwei Tagen ab.“

„Spezialschule“ angekündigt

Die Schauspielerin Maria Furthwängler (l.) überreicht 2000 in Berlin den Medienpreis „Bambi“ an Sabriye Tenberken (r.) für deren Engagement zugunsten blinder Kinder im Tibet. (Foto: dpa/lbn)

Die Schauspielerin Maria Furthwängler (l.) überreicht 2000 in Berlin den Medienpreis „Bambi“ an Sabriye Tenberken (r.) für deren Engagement zugunsten blinder Kinder im Tibet. (Foto: dpa/lbn)

Die Chinesen planten dem Auflösungsvertrag zufolge, die Schüler in eine chinesisch-tibetische „Spezialschule“ zu schicken, wo sie jedoch nicht in gleicher Weise auf ein unabhängiges Leben als Blinde und den Besuch einer regulären Schule oder Universität vorbereitet würden.

„Für uns geht es nicht in erster Linie darum, hier in China weitermachen zu dürfen. Wie wollen aber sicher sein, dass die Kinder auch in Zukunft nach den gleichen Methoden ausgebildet und in Regelschulen integriert werden,“ so Tenberken.

Für ihre Arbeit mit Blinden in China hatte Tenberken 2005 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Doch auch chinesische Behörden und Medien haben die Arbeit ihres Zentrums in der Vergangenheit immer wieder gelobt und mit Preisen ausgezeichnet.

Tenberken erblindete selbst im Alter von zwölf Jahren, lernte tibetisch und entwickelte 1992 die Braille-Blindenschrift für die tibetische Sprache. Später gründete sie zusammen mit dem Niederländer Paul Kronenberg das Blindenzentrum, in dem bislang 300 blinde Kinder ausgebildet wurden.

Die Arbeitsbedingungen zahlreicher regierungsunabhängigen Organisationen (NGOs), zu denen auch Braille Without Borders zählt, haben sich in China zuletzt deutlich verschlechtert.

(dpa)

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