Von Worten kann man sich nichts kaufen: Merkel lobt Paralympics-Teilnehmer…

…und der Chef des Deutschen Behindertensportverbandes fordert mehr Geld vom Bundesinnenminister.

Gut gelaunt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) (2.v.r.) sitzt bei einer Talkrunde neben Markus Rehm (l.) , Niko Kappel und Andrea Eskau (r.) (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Gut gelaunt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) (2.v.r.) sitzt bei einer Talkrunde neben Markus Rehm (l.) , Niko Kappel und Andrea Eskau (r.) (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Angela Merkel drehte den Spieß auf einmal um. Als die Bundeskanzlerin beim Parlamentarischen Abend des Deutschen Behindertensport-Verbandes (DBS) in Berlin vom Moderator gefragt wurde, ob sie den Sportlern etwas mit auf den Weg geben könne, antwortete die CDU-Politikerin: „Vielleicht können die Sportler ja
mir was mit auf den Weg geben.“ Kugelstoß-Paralympicssieger Niko Kappel ließ sich nicht lange bitten und forderte professionelle Strukturen: „Mein polnischer Rivale, den in Rio um einen Zentimeter schlug, wird vom Staat gefördert. Der kann sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Ich würde auch gern zwölf Mal pro Woche trainieren.“

Nach ihrem Grußwort unterhielt sich die Kanzlerin in einer Talkrunde unter anderen auch mit den Paralympicssiegern Markus Rehm und Andrea Eskau.

Eskau hatte im September in Rio de Janeiro bei den Paralympics Gold im Straßenrennen mit dem Handbike gewonnen. Die sechsmalige Paralympicssiegerin bei Winter- und Sommerspielen schlug in der Gesprächsrunde mit Merkel vor, dass jedes behinderte Kind ein Handbike haben solle. Dieses soll den Preis eine handelsüblichen Fahrrades nicht überschreiten.

„Es muss möglich sein, dass behinderte Kinder mit ihren Freunden Radfahren können“,

sagte Eskau.

Zusagen gab es keine

Letztlich war es wie meistens bei Politikern: Zusagen gab es keine. Auf den Tag genau einen Monat nach dem Ende der Paralympics in Brasilien hat die Diskussion um die neuen Strukturen im deutschen Sport auch die Behinderten erreicht. „Sie können auf das Erreichte stolz sein“, sagte Merkel und fügte hinzu: „Ich habe sehr wohl mitbekommen, dass es bei den Paralympics atmosphärisch besser lief als bei Olympia.“ Damit meinte sie die volleren Stadien – die Probleme der Sportler in der Heimat hingegen sind außerhalb von Fußball, Tennis und Golf bei Behinderten und Nicht Behinderten dieselben.

So forderte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher in Anwesenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière mehr Geld für mehr Trainer. „Unter den Besten bleiben zu wollen setzt Investitionen voraus. Sieben hauptamtliche Trainer für 23 Sportarten sind zu wenig.“ Merkel versprach: „Der Bundesregierung und der Bundesrepublik liegt viel daran, die Situation der Behinderten zu verbessern.“
Beucher entgegnete: „Ich will für die Sportler kein Mitleid, sondern Respekt. Unsere Spitzenathleten sind Leuchttürme für die Behinderten und die gesamte Gesellschaft.“

Scherzhaft wurde die Kanzlerin dann aus der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg verabschiedet: „Wenn Sie morgen Francois Hollande und Wladimir Putin treffen, sprechen Sie sie nicht auf die Paralympics an. Die einen waren im Medaillenspiegel hinter uns, die anderen gar nicht dabei“, sagte Beucher und schenkte Merkel das erste Buch über die Paralympics 2016.

Parlamentarischer Abend des Deutschen Behindertensportverbands in Berlin: Friedhelm Beucher, Präsident des Behindertensportverbands, verabschiedet sich von Bundeskanzlerin Merkel. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Parlamentarischer Abend des Deutschen Behindertensportverbands in Berlin: Friedhelm Beucher, Präsident des Behindertensportverbands, verabschiedet sich von Bundeskanzlerin Merkel. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

(RP/dpa)

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