""

Vordrängeldienst: Endlich sind wir mal zu was zu gebrauchen

Ein cleverer Unternehmer vermietete angeblich an reiche Familien Behinderte als „Türöffner“ in Disney World. Wäre das nicht auch etwas für Grabowski- und Runa-Reisen?

Disney World (Foto: Walt Disney Company)

Disney World (Foto: The Walt Disney Company)

Wednesday_headshot-199x300Die Ethnologin Dr. Wednesday Martin (Foto links) arbeitet derzeit an einem Buch über die elitäre Oberschicht Manhattans.

Bei ihren Recherchen ist sie eigenen Angaben zufolge einem originellen Geschäftsmodell auf die Spur gekommen. Dies berichtet die US-Zeitung „New York Post“. Demzufolge mieten sich reiche Familien Manhattans behinderte Menschen, um die langen Wartezeiten im Freizeitpark Disney World zu umgehen.

Der Park bietet zwar teure VIP-Touren an (380 USD oder umgerechnet knapp 300 Euro pro Stunde), durch die man einen beschleunigten Zugang zu Karussells und Achterbahnen bekommt. Doch es geht ja irgendwie noch cleverer: Angeblich sei es unter den geizigen Millionären der Geheimtipp schlechthin, einen behinderten Begleiter als „Tour Concierge“ zu buchen – für 130 USD (100 Euro) pro Stunde oder 1040 USD (810 Euro) pro Tag. Damit kann eine Gruppe mit bis zu sieben Personen die Warteschlangen komplett ignorieren.

Disney World ist vorbildlich

Disney World gilt als einer der behindertenfreundlichsten Plätze der Welt (Foto: The Walt Disney Company)

Disney World gilt als einer der behindertenfreundlichsten Plätze der Welt (Foto: The Walt Disney Company)

So müssten sich Familien nur eine Minute gedulden statt sich bis zu zweieinhalb Stunden anzustellen. Möglich ist dies, weil Disney World Menschen mit Behinderung und ihre Begleiter vorbildlich und bevorzugt behandelt (ROLLINGPLANET berichtete: Da wollen wir auch hin: Florida feiert 500. Geburtstag).

Neben anderen Services (zum Beispiel speziell ausgebildete Assistenten) hält die Firma unter anderem für den Park und die jeweiligen Attraktionen einen eigenen Eingang bereit.

„Es passiert wirklich“, bekräftigte Wednesday Martin nun gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN ihre Schilderungen, nachdem der Zeitungsbericht in Amerika für Aufsehen sorgte. Es existiere ein regelrechter Schwarzmarkt mit den besonderen „Reisebegleitern“, die von einer darauf spezialisierten Agentur angeboten würden.

Mr. Clements Geschäftsidee(n)

Es handelt sich dabei um die Firma Dream Tours aus Florida. Chef ist Ryan Clement. Der Mann gilt als umtriebig und war 15 Jahre lang im Pflegebereich tätig, ehe er 2005 gemeinsam mit einem Patienten Disney World besuchte. Er erzählt, er sei beeindruckt gewesen, welche Details man bei einer Reise mit einem behinderten Menschen beachten müsse.

Dies sei die Geburtsstunde von Dream Tours gewesen (also eine Art amerikanische Variante von Grabowski-Tours und Runa Reisen, zwei deutschen Spezialanbietern für barrierefreien Urlaub). Zwecks Firmengründung zog Clement vor sieben Jahren von Connecticut nach Florida um, um fortan Freizeitparkbesuche für Menschen mit Behinderung zu organisieren. Seine Reiseagentur bietet auf ihrer Webseite praktischerweise auch gleich die Möglichkeit an, Geld zu spenden. Möglicherweise hat all das doch nicht so viel eingebracht wie erhofft?

Mit dem Traumjob für ROLLINGPLANET-Redakteure wird es wohl nichts mehr

Auf Facebook wurde Dream Tours in den vergangenen beiden Tagen mächtig beschimpft: Vor allem jene Eltern sind empört, die selbst Kinder mit Behinderung haben. Nach einer Welle der Empörung hat Dream Tours jetzt seinen Service eingestellt und seine Facebook-Seite, wie es in einer Mitteilung hieß, „vorübergehend“ vom Netz genommen – und wirft der Presse eine falsche Berichterstattung vor, gegen die man juristisch vorgehen wolle.

Disney World untersucht derzeit die Vorwürfe und hat Konsequenzen angekündigt, sollten sich Martins Vorwürfe als wahr erweisen. Schade eigentlich, finden wir. Wir waren gerade schon auf dem Weg, um uns bei Dream Tours als „Tour Concierge“ zu bewerben. In Florida ist das Wetter viel besser als in München, und sooo viel Gehalt – davon können wir als lausig (sprich gar nicht bezahlte) ROLLINGPLANET-Redakteure ja nur träumen. Grabowski-Tours und Runa-Reisen, übernehmen Sie! Wir sind bereit!

(RP/kj)

Reise & Urlaub/Hotelverzeichnis
Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN