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Vorsicht, bissiger Verein!

Lichtblicke e.V. ruft Halter von Assistenzhunden dazu auf, Fälle von Diskriminierung zu melden. Von Lothar Epe

(Foto: Jens Roth/pixelio.de)

(Foto: Jens Roth/pixelio.de)

„Die Diskriminierung von Assistenzhundegespannen im Alltag ist nach wie vor ein Dauerbrenner“, sagt die Pressesprecherin von Lichtblicke e. V., Lea Heuser. Das betreffe nicht nur Taxifahrten, Bus- und Flugreisen oder Rehamaßnahmen, sondern auch alltägliche Dinge wie Einkaufen oder Arztbesuche.

Wie Heuser betont, sei das umso erstaunlicher, da Assistenzhunde als Hilfsmittel im Sinne des Gesetzes gelten, die vom Arzt verordnet und in der Regel von der Krankenkasse bezahlt würden. Einem Menschen die Teilhabe zu verweigern, nur weil er ein notwendiges Hilfsmittel nutzt, sei nicht nur ein massiver Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtkonvention, sondern auch eine Diskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Heuser: „Das wäre genauso, als würde jemand, der auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen ist, aufgefordert, beim Einkaufen auf seinen Rollstuhl verzichten zu müssen – ein absolutes No Go!“

Beharrliches Vorgehen führt zum Ziel

Für Lichtblicke, einem 1996 gegründeten Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens, ist Öffentlichkeit die wichtigste Waffe gegen Diskriminierung, die der Verein aktuell auch in seinem Streit mit dem mächtigen DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehinderten-Verband) einsetzt, weil dieser in den ihm angeschlossenen Aura-Hotels auf Extragebühren für Hundenäpfe besteht. Das empfindet Lichtblicke nicht nur als bodenlose Frechheit, sondern vor allem als eklatante Diskriminierung der betroffenen Hundehalter.

Noch nicht beim DBSV und den Aura-Hotels – die auch auf ROLLINGPLANET-Anfrage eine Stellungnahme ablehnten –, aber in anderen Fällen hat der Verein Lichtblicke e. V. einige Erfolge vorzuweisen, die offensichtlich seiner geradezu sprichwörtlichen Hartnäckigkeit geschuldet sind.

Mit der Unterstützung von ROLLINGPLANET war es unter anderem gelungen, Lidl und andere Supermärkte dazu zu bewegen, den Assistenzhundegespannen den Zutritt offiziell zu gestatten, was inzwischen auf deren Webseiten nachgelesen werden kann. Auch diverse Fluggesellschaften wissen mittlerweile ein Lied davon zu singen, was es bedeutet, wenn Lichtblicke Diskriminierungsfälle öffentlich macht.

Unterstützung ist unerlässlich

Lichtblicke will am Ball bleiben und ruft nun Assistenzhundhalterinnen und -halter auf, konkrete Fälle von Diskriminierung beim Zutritt zu öffentlichen Orten und Einrichtungen aller Art zu melden: „Jeder Einzelfall ermöglicht es dem Verein, bei den betreffenden Stellen nachzuhaken. Je mehr Fälle vorliegen und öffentlich gemacht werden, desto größer wird der Druck auf Ladenketten, Kliniken und andere Dienstleister.“

Pressesprecherin Heuser betont: „Unterstützung im Einzelfall ist unerlässlich. Durch die Bündelung der Einzelfälle und die kontinuierliche Sammlung von Berichten entsteht eine breite Basis für eine nachdrückliche Öffentlichkeitsarbeit und klare Forderungen an die jeweils diskriminierenden Stellen“. Wie die Vergangenheit gezeigt habe, lasse sich nur durch den massiven medialen Druck spürbare Wirkung erzielen.

Betroffene erreichen den Verein unter folgenden Kontaktdaten:
Mail: [email protected]
(für blinde Menschen/Braillezeile: inklusion at verein-lichtblicke dot de)
Telefon: 06897/9392830
Weitere Infos: www.verein-lichtblicke.de

(RP)

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14 Kommentare

  • Björn

    Zitat:
    „Wie Heuser betont, sei das umso erstaunlicher, da Assistenzhunde als Hilfsmittel im Sinne des Gesetzes gelten, die vom Arzt verordnet und in der Regel von der Krankenkasse bezahlt würden.“
    Zitat Ende

    Woher bezieht Herr Heuser denn seine Informationen? Assistenzhunde sind KEINE Hilfsmittel im Sinne des Gesetzes, werden zwar ab und zu vom Arzt verordnet aber in KEINEM Fall von der Krankenkasse bezahlt. Das läuft ausschließlich über Eigenfinanzierung und Spenden.
    Die einzige Ausnahme sind Blindenführhunde, die über eine Hilfsmittelnummer im Leistungskatalog der GKV und PKV verfügen, und selbst die will man komplett streichen.
    Im Gegensatz zu diesen gibt es für Assistenzhunde derzeit ja noch nicht einmal eine bundeseinheitliche Ausbildungs- und Prüfungsregelung.

    Mir begegnet diese Diskriminierung meines selbst ausgebildeten Assistenzhundes jede Woche. Eine wirkliche Handhabe hat man aber nicht, denn über allem gilt immer Hausrecht. Übrigens auch ein Grundrecht.

    10. September 2013 at 13:32
  • Björn

    Ein kleiner Nachtrag, denn offenbar liegt der Fehler nicht bei Herrn Heuser (zumindest solange die Quelle nicht veröffentlicht wird, nicht nachzuvollziehen), sondern beim Grundverständnis der Begrifflichkeiten in der Rolling Planet-Redaktion.
    Übrigens auch naheliegnd, da sich der Verein Lichtblicke e.V. ausschließlich um Menschen mit Sehbehinderungen kümmert..

    Assistenzhunde sind eine Untergruppe der Behindertenbegleithunde, wie zB auch Diabetesspürhunde oder Hearing Assitance Dogs.
    Blindenhunde hingegen sind Führhunde. Nur für diese ist der Begriff gesetzlich geschützt und mit Ausbildungs- bzw Prüfungskriterien versehen.

    Bei Durchsicht der verlinkten Artikel offenbart sich, das dies konsequent verwechselt und der Artikel daher im Kontext komplett falsch dargestellt wird. So bezieht sich zB keiner der beschriebenen Diskriminierungsfälle auf Assistenz- sondern ausschließlich Blindenführhunde.

    In der Un-Konvention ist von „assistierenden Tieren“ die Rede, dies ist aber noch überhaupt nicht in der Gesetzgebung angekommen.

    10. September 2013 at 13:49
    • Bert Bohla

      Verehrter Björn,

      es ist generell empfehlenswert, sich fundiert mit der Materie vertraut zu machen, bevor man sich einmal mehr in ungesundem Halbwissen verliert.
      Vor allem aber empfiehlt sich auch, einen Artikel zuerst wirklich richtig zu lesen, bevor man drauf reagiert.

      Zitat:
      „Woher bezieht Herr Heuser denn seine Informationen?“

      Herr Heuser ist eine Frau, im Artikel unschwer daran zu erkennen, daß sie dort als Pressesprecherin des Vereins Lichtblicke e.V. bezeichnet wird.

      Nun zum substanziellen Teil:
      Für die Frage, ob ein Gegenstand – oder ein Hund – ein Hilfsmittel im Sinne des Gesetzes ist, ist es irrelevant, ob dieser im Hilfsmittelverzeichnis der GKV verzeichnet ist. Auch
      bin ich wirklich neugierig auf die Beweisführung, daß Assistenzhunde in keinem Fall von der Krankenkasse bezahlt werden.

      Selbstverständlich gelten Assistenzhunde gemäß §33 SGB V im Sinne des Gesetzes als Hilfsmittel, wenn sie „im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu
      sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens
      anzusehen oder nach § 34 Abs. 4 ausgeschlossen sind“. Dies trifft auf Assistenzhunde zweifellos zu.

      Richtig ist, daß die Krankenkassen einen Antrag auf Versorgung mit einem Assistenzhund regelmäßig ablehnen, auch dann, wenn es einen gesetzlichen Anspruch gibt. Wenn die Kassen
      also Assistenzhunde nicht zahlen, liegt das ursächlich daran, daß der Antragsteller seinen Anspruch gegenüber seiner Krankenkasse nicht auf dem Rechtsweg durchsetzt.

      Richtig ist auch, daß es für Assistenzhunde keine bundeseinheitliche Ausbildungs- und Prüfungsregelung gibt, jedoch schließt dies Blindenführhunde mit ein.

      Falsch dagegen ist, daß der Begriff Blindenführhund bzw. Führhund gesetzlich geschützt ist. Realistisch betrachtet ist nach aktueller Lage aufgrund des Fehlens jeglicher
      Qualitätsnormen bzw. jeglicher Qualitätssicherung in der Führhundversorgung jeder Hund ein Führhund, den irgend jemand so nennt.

      Falsch dagegen ist auch, daß man keine Handhabe gegen Zutrittsverweigerungen hat und über allem immer das Hausrecht gilt – dem ist nicht so, denn das Hausrecht ist keineswegs das
      allumfassende Recht, für das es von vielen gehalten wird. Genau genommen ist es nichts anderes, als ein spezielles Notwehrrecht, das auf die Verteidigung des Hausfriedens
      gerichtet ist.[1] Doch dort, wo sich der Kunde rechtstreu verhält, gibt es mangels einer Bedrohung auch nichts zu verteidigen.

      Falsch ist ferner, daß der Verein Lichtblicke e.V. sich ausschließlich um Menschen mit Sehbehinderungen kümmert. Der Fokus liegt vielmehr – auch in Kooperation mit verschiedenen
      anderen Organisationen – in der Durchsetzung der Rechte aller Assistenzhundhalter und ihrer Hunde.

      Nun zu den Begrifflichkeiten:
      „Assistenzhund“ ist der international übliche Oberbegriff für alle Hunde, die für ihre Halter als Hilfsmittel fungieren, dies schließt Führhunde mit ein. Da die
      UN-Behindertenrechtskonvention bereits 2009 von unserer Republik als verbindlich anerkannt wurde, sind deren Regelungen damit selbstverständlich auch in unserer Gesetzgebung
      angekommen.

      Fazit:
      Es gibt keinen Fehler im Grundverständnis der Begrifflichkeiten in der Rollingplanet-Redaktion und der Artikel wird mitnichten im Kontext völlig falsch dargestellt, es gibt
      gerade nur einen, der die Begrifflichkeiten konsequent verwechselt und der nennt sich „Björn“.

      Fußnoten:
      [1] Dr. Wilbert Engeln, in: Das Hausrecht und die Berechtigung zu seiner Ausübung, Seite 34

      Bert Bohla – 1. Vorsitzender
      Lichtblicke e.V. – Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens.
      http://www.verein-lichtblicke.de

      12. September 2013 at 02:35
  • Rollingplanet

    Hallo Björn, vielen Dank für die Kommentare. Wir werden uns um eine rasche Antwort und Begriffsklärung bemühen.

    10. September 2013 at 15:41
  • Björn

    Wäre schön wenn ihr da Klarheit finden könntet, damit sich kein falsches Bild entwickelt. Danke schön.

    10. September 2013 at 16:01
  • Thomas

    Bei aller Sympathie, der Vergleich Blindnführhund/Rollstuhl ist schiefer als der Turm von Pisa. Ein Rollifahrer kommt ohne Rolli nirgendwo hin, ein Blindenführhundehalter kommt auch ohne Blindenführhund zurecht. Wenn man mehr Aufklärungsarbeit betreiben statt rummosern würde könnte man die Situation wirksamer verbessern. Und das der DBSV von gestern ist ist ja nix Neues.

    11. September 2013 at 14:29
    • Lea Heuser

      Hallo Thomas,

      nein, dieser Vergleich ist durchaus treffend. Ein blinder Mensch, der sich für einen Führhund entscheidet, hat dafür in der Regel sehr gute Gründe, Viele kommen mit dem Langstock einfach nicht so gut klar oder er wird ihren Ansprüchen an eine wirklich unabhängige Mobilität nicht gerecht. Jeder Mensch kann zum Glück selber das Hilfsmittel auswählen, das seinen Bedürfnissen entspricht und mit dem er am besten zurechtkommt. Auch der Mensch mit Rollstuhl könnte sich ja stattdessen tragen lassen oder sich auf ein Rollbrett setzen, oder er könnte, falls er noch ein bisschen mobil ist, für den Notfall auch Krücken oder einen Rollator benutzen Aber er nutzt vielleicht doch lieber das Hilfsmittel, das ihm so umfassend wie möglich hilft und mit dem er sich am sichersten fühlt.

      Ein Mensch mit Führhund, der an sein Hilfsmittel gewöhnt ist, steigt eben nicht mal schnell problemlos wieder auf den Langstock um, wenn es nicht unbedingt sein muss. Und es muss nicht unbedingt sein, nur weil sich irgendein unbedarfter Mensch über geltendes Recht hinweg setzen will. Ein Verzicht auf das gewohnte und eingespielte Hilfsmittel ist eine massive Einschränkung der persönlichen Freiheit und Teilhabe – nur mal so am Rande.

      viele Grüße

      Lea

      12. September 2013 at 02:37
    • Frank Niemeyer

      Hallo Thomas ich finde den Vergleich schon gerechtfertigt. Rollstuhlfahrer sind es gewohnt dass für sie vieles barrierefrei gemacht ist was für andere Behinderte so nicht oft zutrifft oder es erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten gibt, zum Beispiel eben für Blinde. Ein Blindenführhundehalter kommt auch ohne Blindenführhund zurecht? Weißt du das denn so genau? Setz mal einen Rollstuhlfahrer auf den Boden. Irgendwie wird er da auch zurechtkommen…

      13. September 2013 at 14:27
      • Bert Bohla

        Hallo Frank,

        erfreulich, daß es auch noch Mitmenschen gibt, die mal ein klein wenig weiter denken als bis nur zum Tellerrand ihrer kleinen Untertasse. 🙂
        Der Vergleich mit dem Rollifahrer, der sicher auf so irgendwie zurechtkommen wird, wenn man ihn einfach auf den Boden setzt, trifft es wirklich gut.
        Es gibt übrigens – man glaubt es kaum – Führhundhalter, die nehmen gar
        keinen Langstock mit, wenn sie mit ihrem Hund als ideales Hilfsmittel zur
        Mobilität unterwegs sind. Es steht niemandem zu, sich in ihre Entscheidung einzumischen, es muß endlich in den Köpfen aller Mitmenschen ankommen,
        daß ein Assistenzhundgespann ebenso eine untrennbare Einheit darstellt wie eben der Rolli mit dem, der darin sitzt.
        Genau dafür setzen wir uns kompromißlos ein.

        wie hervorragend der Vergleich mit dem Rollifahrer tatsächlich ist, wird vor allem aber immer dann überdeutlich, wenn gewisse Zeitgenossen daraufhin
        implizit eine bauliche Barriere für Rollifahrer (Treppenstufen ohne Aufzug, hohe Einstiege bei alten Waggons mancher Regionalbahnen) als Rechtfertigung
        dafür anzuführen versuchen, daß Führhundhalter sich mal nicht so haben sollten. Er macht nämlich die Diskriminierung einer
        Zutrittsverweigerung für ein Assistenzhundgespann erst so richtig deutlich: eine bauliche Barriere kann man nicht mal eben aus dem Handgelenk an einem
        Nachmittag wegräumen, eine Barriere allein im Kopf sollte sich bei auch nur halbwegs vernunftbegabten Menschen dagegen eigentlich durch schlüssige
        Argumentation binnen Minuten beseitigen lassen.

        Noch kurz zur Ansicht des Hern „Björn“, Assistenzhunde würden innerhalb eines Geschäftes normalerweise gar nicht benötigt und irgendwelches Personal
        bzw. andere Kunden könnten zeitweilig deren Aufgaben übernehmen: Ich möchte wirklich gern mal den Mitarbeiter oder den anderen Kunden kennenlernen,
        der einen Diabetiker (Typ I) ebenso zuverlässig vor einer gerade anrauschenden und ggf. lebensgefährlichen Hypoglykämie warnen können soll wie dessen
        Hypohund. (jetzt mal ganz abgesehen vom Menschenrecht auf eigenständige und gleichberechtigte Teilhabe)

        Bert Bohla – 1. Vorsitzender
        Lichtblicke e.V. – Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens.
        http://www.verein-lichtblicke.de

        13. September 2013 at 15:55
  • Björn

    Nun ja Herr Bohla.
    Die Redaktion war zumindest bemüht die Sachlage aufzuklären, da scheint sie bei Ihnen nun leider genau den Falschen erwischt zu haben.

    Ich habe zwei Buchstaben beim Überfliegen falsch gelesen, und daher eine geschlechtliche Anrede getauscht. Bei Ihnen scheint dagegen ein grundsätzliches Umgangsproblem in der Öffentlichkeit zu bestehen.
    Ihren permanent aggressiven Unterton dürfen Sie sich gerne für passendere Auftritte aufsparen, bei mir sind Sie damit fehl am Platze da Sie mich nicht beeindrucken. Wer in einer Funktion agiert, sollte sich zudem um ein gewisses Grundniveau bemühen. Also bleiben Sie sachlich.

    Blindenführhunde verfügen über eine Hilfsmittelnummer, alle anderen assistierenden Tiere nicht. Das ist eine Tatsache, die sich aus dem Hilfsmittelkatalog ergibt. Sollten Sie da mitlerweile über anders lautende Informationen verfügen, teile Sie diese doch auch bitte mit.
    Die GKV und PKV über diesen hinaus zu einer Versorgung verpflichten zu können ist schwer bis eher gar nicht zu bewerkstelligen. Die entsprechende Urteilslage zeigt dies deutlich, denn nur in einem kleinen Bruchteil kann diese zugunsten des Patienten durchgesetzt werden. Vergleich siehe zB Urteilsverzeichnis bei dejure.org . Bei Assistenzhunden ist mir bis dato noch kein Fall bekannt geworden, ein solcher wäre ein willkommener Grundsatzansatz.
    Aus einer nicht näher definierten Ausnahmeregelung einen gesetzlichen und absoluten Grundanspruch zu konstruieren ist, gelinde gesagt, gewagt.
    Das Assistenzhunde samt und sonders von den Kassen abgelehnt und somit privat bzw über Stiftungen finanziert werden müssen, ist eine Tatsache aus der gelebten Realität.
    Unterhalten Sie sich mit Betroffenen, Trainern und Verbänden angeblich arbeiten Sie ja zumindest laut Ihrer nebulösen Aussage mit letzteren zusammen.
    Im Umkehrschluß fehlt von Ihnen jedwede Beweisführung. Der Hinweis auf eine gesetzliche Ausnahmeregelung und die Ausführung des Herrn Dr. Engeln sind hier nicht zielführend. Die Lesart eines einzelnen Rechtsanwaltes formuliert noch kein ableitbares Mittel der Rechtsprechung sondern einen Standpunkt.

    Den Zutritt über ausgeübtes Hausrecht hinaus zu erreichen, ist nur unter ganz eng abgesteckten Eingangsvoraussetzungen möglich.
    Da hat selbst die Exekutive ohne gerichtliche Anordnung (die immer einen Einzelfall abdeckt und somit der flächendeckenden Rechtlichkeit selbst widerspricht) oder Notlage keine Möglichkeit.
    So muss dieser zB zwingend erforderlich und Alternativen nicht verfügbar sein (Sachbezogenes Beispiel: Einziger Lebensmittelmarkt im weiten Umkreis, demnach Grundversorger im gesetzlichen Sinne).
    Alles darüber hinaus gehende ist eine FREIWILLIGE Leistung und in keinem Fall verpflichtend in irgendeiner Form.
    Die von der Redaktion im Artikel verlinkten Beispiele zeigen es sehr exemplarisch. In keinem Fall konnte ein Zugang über Rechtsmittel erreicht werden, ganz im Gegenteil war die hinzugezogene Polizei gezwungen den Wunsch des Geschäftsbetreibers durchzusetzen. Nur die schlechte Presse hat die Unternehmen dazu bewogen, Ihre Ansichten noch einmal zu überdenken.
    Übrigens gilt dies nur für, Zitat: „nachweislich ausgebildete Führ- und Rehabilitationshunde.“ Zitat Ende.
    Assistenzhunde sind da auch weiterhin außen vor und im Normalfall werden Sie innerhalb eines Geschäftes auch gar nicht benötigt. Die vom Hund übernommenen Hilfeleistungen können (und werden meiner eigenen Erfahrung nach auch) problemlos von Personal oder anderen Kunden gerne übernommen.

    Dies ist aktuell geltendes Recht, auch wenn es in Ihre Vereinssicht aus nachvollziehbaren Gründen nicht hineinpasst und welches Sie sicherlich gerne geändert sehen würden.

    Das wir uns hier nicht falsch verstehen: Mir selbst mißfällt dieser Umstand mindestens ebenso sehr wie Ihnen. Dennoch bemühe ich mich zumindest um einen der Sache dienlichen Aufklärungsdialog und schwinge nicht mit der rechtlichen Keule, die einzig als Bumerang wirkt.
    Solange die Konvention nicht vollständig in geltendes Bundes- und Länderrecht umgesetzt wurde geht dies -derzeit- nur über Überzeugungsarbeit.

    Wenn selbst Sie als Verein sich der aktuellen Lage nicht bewusst sind und Grundsatzdiskussionen führen wo sie absolut unnötig sind -über den angeschlagenen Tonfall will ich da noch nicht einmal reden, mit dem werden Sie Null Verständnis und Zuspruch bei Nichtbetroffenen ernten-, wie soll da noch ein Geschäftsinhaber durchblicken, der sich über diesen Bezug hinaus täglich mit dutzenden anderen (rechtlichen) Problemstellungen auseinander zu setzen hat?

    Zur Begrifflichkeit:
    Blindenführ-, wie Assistenz-, Epilepsiewarnhunde etc gehören ohne Frage zu den „assistierenden Tieren“ gemäß Un-Konvention. Dieser Begriff hat aber noch keinerlei Einzug in die Rechtsprechung gehalten, entsprechende Gesetzesänderungen diesbezüglich konnte ich noch nicht entdecken, da sind Sie sicher gerne behilflich. Die Ratifizierung alleine ändert diesen Umstand nicht, da die Konvention an sich kein Rechtsmittel ist sondern erst in dieses umzusetzen.

    Daraus ergibt sich somit kein allgemeingültiger „Assistenzhund“ für alle assistierenden Tiere, denn dieser Begriff ist derzeit (noch) grundsätzlich anders belegt. Die Änderung der Begrifflichkeiten ist gerade erst im Umschwung und auch das erst sehr rudimentär. Gleiches gilt für die Erstellung von Ausbildungs- und Prüfungsvorschriften.
    Da wir aber im hier und jetzt leben: Aus einem Assistenzhund wird rechtlich kein Blindenführhund und umgekehrt.
    Ihr Verein hat sich schon alleine per Namensgebung auf das Blindenführhundewesen spezialisiert. Setzen Sie Ihre nicht unwichtige Arbeit gerne fort.
    Sollten Sie sich nun zur Aufgabe machen wollen sich bei allen assistierenden Tieren einzumischen, wäre zu allererst eine Umwidmung des Vereins und Änderung des (Internet)Auftritts nötig. In Ihre Satzung habe ich mich aus Interessemangel nicht eingearbeitet, die prüfen Sie sicher selbst auf Interessenskonflikt.
    Um das Assistenzhundewesen werden sich auch weiterhin Menschen kümmern, die mit Ausbildung und rechtlicher Sachlage dieser Tiere besser vertraut sind und denen Sie mit Ihrem unprofessionellen Auftritt massiv schaden.
    Übrigens wie auch jedem, der sich täglich mit seinem Assistenzhund durch Ignoranz und Arroganz der Umwelt hindurchlavieren muss, zu denen auch ich gehöre.

    Ich für meinen Teil lehne es zumindest entschieden ab, das Sie sich zum Kämpfer und Fürsprecher meiner Sache avancieren wollen. Dies soll bitte kundigen Händen überlassen bleiben.

    12. September 2013 at 12:26
    • Frank Malzacher

      Guten Tag Björn!

      Ich verstehe Ihren Standpunkt überhaupt nicht!

      Ich bin 50 % Schwerbehindert und bin seit 1968 an Diabetes erkrankt. Durch einen genetischen Defekt wurden in meiner Bauchspeicheldrüse die
      Beta-zellen zerstört. Seit dieser Zeit muss ich Insulin spritzen.
      Meine Arbeit als Pfarrer mache ich mit viel Freude und Elan und habe oft eine 40-60 Stunden Woche.
      Trotz Behinderung und dank meines Hundes kann ich das heute mit großer Freude tun.

      Ich lebe als römisch katholischer Priester allein und daher war es für meine Person wichtig, einen Hund zu haben, der den drohenden Unterzucker
      wahrnimmt. Zu 90% kann meine Hündin das heute und erleichtert mir mein Leben ganz entscheidend.

      Dank des Vereins LICHTBLICKE und der HYPO-HUNDESCHULE konnte ich die Schwierigkeiten mit
      AirBerlin
      in Hamburg oder beim Einkaufen mit meinen Hund lösen.

      BERT ist ein wirklich wunderbarer Mensch, der mir und meiner Hündin hilfreich zur Seite steht.

      Dankeschön, dass es solche Menschen gibt

      Frank malzacher

      14. September 2013 at 09:05
  • Bert Bohla

    Tja Herr „Björn“… (es schreibst sich leicht ohne vollen Namen, nicht wahr?)

    es sieht ja ganz so aus, als hätte ich mit meiner inhaltlichen Reaktion einen sehr empfindlichen Nerv getroffen.

    Zitat:
    „Den Zutritt über ausgeübtes Hausrecht hinaus zu erreichen, ist nur unter ganz eng abgesteckten Eingangsvoraussetzungen möglich.“

    Es gibt beim Hausrecht einen signifikanten Unterschied zwischen dem privaten und dem öffentlichen Bereich, den sollte man besser nicht ignorieren.
    Leider spukt das Hausrecht in den Köpfen viel zu vieler Mitmenschen als quasi „heilige Kuh“ herum und sogar die meisten Selbsthilfeorganisationen
    wollen ihren Zielgruppen weismachen, im Falle einer Ausübung des hausrechts habe man keine Handhabe mehr – obgleich der BGH eine gänzlich andere
    Rechtsauffassung vertritt[1]. Dies ist aber das Gegenteil von „Selbsthilfe“ und richtet bezüglich der Durchsetzung der Zutrittsrechte geradezu
    unermeßlichen Schaden an.

    Noch ein letztes mal zur Begrifflichkeit:
    Nicht jeder Assistenzhund ist automatisch ein Blindenführhund, jedoch ist jeder Blindenführhund zweifellos ein Assistenzhund.

    Zitat:
    „Um das Assistenzhundewesen werden sich auch weiterhin Menschen kümmern, die mit Ausbildung und rechtlicher Sachlage dieser Tiere besser vertraut
    sind und denen Sie mit Ihrem unprofessionellen Auftritt massiv schaden. Übrigens wie auch jedem, der sich täglich mit seinem Assistenzhund durch
    Ignoranz und Arroganz der Umwelt hindurchlavieren muss, zu denen auch ich gehöre.“

    Erstens sollte unser Aufruf allein schon ausreichend verdeutlichen, daß sich unser Fokus von ursprünglich allein dem Blindenführhundwesen in
    Richtung des gesamten Assistenzhundwesens verschoben hat. Zweitens haben sich auf diesen Aufruf hin bereits Betroffene gemeldet, die sich ganz
    sicher nicht davon geschädigt fühlen, daß wir ihnen die Barrieren der Ignoranz und Arroganz beim Zutritt schnell, unkompliziert und zuverlässig
    aus dem Weg geräumt haben. Wir knüpfen damit nahtlos an unsere diesbezüglichen Erfolge im Verlauf des letzten Jahres an, nachdem wir
    bereits 3 große Discounter-Schwergewichte (Penny, Netto, Lidl) davon überzeugen konnten, sich offen auf ihren Websites zur Akzeptanz von
    Assistenzhunden bundesweit in allen Filialen zu bekennen.

    Zitat:
    „Ich für meinen Teil lehne es zumindest entschieden ab, das Sie sich zum Kämpfer und Fürsprecher meiner Sache avancieren wollen. Dies soll bitte
    kundigen Händen überlassen bleiben.“

    Vielleicht sollte Herr „Björn“ sich zunächst einmal darauf besinnen, daß Separation das genaue Gegenteil von Inklusion bedeutet und die in seinen
    Beiträgen gezeigte Separation schadet im Hinblick auf das Durchsetzen der Rechte aller Assistenzhundhalter ganz erheblich.

    Fußnoten:
    [1] wer sich über die aktuelle Rechtslage bezüglich des Hausrechts detaillierter informieren möchte, kann diese gern über die Mailadresse
    erfragen.

    Bert Bohla – 1. Vorsitzender
    Lichtblicke e.V. – Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens.
    http://www.verein-lichtblicke.de

    13. September 2013 at 11:11
    • Bert Bohla

      Hoppla, da wurde in meinem letzten Beitrag in der Fußnote die Mailadresse verschluckt, vermutlich, weil ich sie in spitze Klammern gesetzt hatte.

      Also (hoffentlich klapp’s jetzt):
      wer sich über die aktuelle Rechtslage bezüglich des Hausrechts in öffentlich zugänglichen Bereichen detaillierter informieren möchte, kann diese
      gern über die Mailadresse <[email protected]> erfragen.

      Bert Bohla – 1. Vorsitzender
      Lichtblicke e.V. – Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens.
      http://www.verein-lichtblicke.de

      13. September 2013 at 11:58
  • Marie Schenk

    ich finde es super, dass die Sache mit den Zutrittsrechten endlich mal jemand in die Hand genommen hat.
    Ich bin selbst betroffen und habe auch einen Führhund.

    Und ich kann sagen, dass der Verein Lichtblicke das wirklich sachlich und kompetent für mich gelöst hat!

    Mir wurde mit meinem Führhund beispielsweise in einer Filliale vom Reformhaus „Vitalia“ der Zutritt verweigert.
    Nach einem klärenden Gespräch mit der Firmenzentrale durch Lichtblicke, bedankte diese sich für die ausführlichen Informationen.
    An allen Fillialen des Reformhauses hängt immer ein Schild mit einem Hund wo draufsteht „Hunde müssen leider draußen bleiben“.
    Nun soll noch der Zusatz „ausgenommen Assistenzhunde“ hinzugefügt werden.

    In meiner Straße befinden sich eine Bäckerei und eine Metzgerei, in welchen mir der Zutritt verwehrt wurde.
    Dank des klärenden Gesprächs durch Lichtblicke kann ich nun wieder bequem in meiner Straße einkaufen gehen. An dieser Stelle erst mal VIELEN LIEBEN DANK!

    Die Arbeit die Lichtblicke betreibt sehe ich als sehr wichtig an. Zum einen, um die Akzeptanz in der Öffentlichkeit von Assistenzhunden zu erhöhen
    und zum anderen die Menschen aufzuklären und sie zu sensibilisieren.

    Meiner Meinung könnten sich andere Vereine da durchaus eine Scheibe abschneiden!

    Marie

    16. September 2013 at 19:43

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