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Vorsicht, Radarkontrollen: Keine Gnade für Menschen mit Behinderung!

ROLLINGPLANET präsentiert anlässlich des heutigen Blitzmarathons in Deutschland teilweise Rollywood-reife Szenen.

Einen bundesweiten Blitzmarathon veranstaltet die Polizei am 10. Oktober. 24 Stunden lang werden die Beamten dann in ganz Deutschland die Verkehrsteilnehmer kontrollieren. Es ist das erste Mal, dass die Aktion bundesweit durchgeführt wird. (Foto: dpa)

Einen bundesweiten Blitzmarathon veranstaltet die Polizei am 10. Oktober. 24 Stunden lang werden die Beamten dann in ganz Deutschland die Verkehrsteilnehmer kontrollieren. Es ist das erste Mal, dass die Aktion bundesweit durchgeführt wird. (Foto: dpa)

Wen von uns hat es schon einmal erwischt? Wir fangen ganz langsam an und steigern uns zu wilden Verfolgungsjagden.

Am besten ignorieren wir heute einfach die Polizei

Dieser Mann war keinesfalls zu schnell, hat aber trotzdem die Arschkarte gezogen (kommt bei Menschen mit Behinderung öfter vor): An einer Kreuzung in München wurde sein Peugeot nachts von einem Streifenwagen, der mit Martinshorn und Blaulicht eine rote Ampel überquerte, zu einer Blechdose verarbeitet. Der 45-jährige Mann ist gehörlos und hatte das Tatü-Tata nicht gehört. Kameradenschwein ROLLINGPLANET fragt vorwurfsvoll: Das Blaulicht hätte er aber ja trotzdem sehen können? Hat andererseits einen Vorteil: Vom heutigen Blitzlichtgewitter lässt sich unser Kollege sicherlich nicht beeindrucken. (Oktober 2012)

Kurvig

In Traunreut (Bayern) stürzte um 7.45 Uhr eine 81-jährige E-Rollstuhlfahrerin, weil sie zu schnell in die Kurve gebrettert war. Krankenhausaufenthalt plus 300 Euro Sachschaden am Rolli. (Juli 2010).

Den kennen wir doch?

Die Stufe wird er nun hoffentlich nicht runterfahren: Stephen Hawking bei der Eröffnungsfeier der Paralympics 2012 in London (Foto: dpa)

Die Stufe wird er nun hoffentlich nicht runterfahren: Stephen Hawking bei der Eröffnungsfeier der Paralympics 2012 in London (Foto: dpa)

Als Stephen Hawking noch ein junger Mann war und den Lucasischen Lehrstuhl in Cambridge übernommen hatte, erhielt er eine Wohnung auf dem Universitätsgelände und überall wurden Rollstuhlrampen aufgestellt, damit er sich problemlos fortbewegen konnte. Hat er auch gemacht und den Rollstuhlfahrer-Unfallflirt erfunden, der darin besteht, eine Frau über den Haufen zu fahren, um anschließend scheinheilig zu fragen, ob sie sich verletzt hat (Telefonnummern austauschen nicht vergessen!). Wegen seines rasanten Fahrstils im E-Rollstuhl warnten sich Dozenten und Studenten: „Er hat immer Vorfahrt!“ Das sagen Sie am heutigen Tag mal lieber keinem Polizisten, selbst wenn Sie Stephen Hawking heißen. (1979)

Wozu denn auf die Straße gucken können?

Ein fast völlig erblindeter, 79-jähriger Münchner wollte partout nicht das Autofahren lassen. Als die Polizei ihn an seinem Wagen erwischten, fanden sie in seiner Manteltasche 41 Autoschlüssel. (April 2013)

Endlich Tempolimit

Heute werden vermutlich gefühlte zehn Millionen mobilitätseingeschränkte Senioren auf ihren Elektro-Zweirädern geblitzt. Weil die ständig zu schnell fahren und an 60 Prozent aller Unfälle mit Menschen über 65 Jahren beteiligt sind, wird der Ruf nach einem Tempolimit für E-Bikes immer lauter. (aktuell)

Das sollten Sie an diesem Donnerstag lieber sein lassen

Drei Monate Fahrverbot

Weil ein E-Rollifahrer aus Sachsen mit 1,66 Prozent Promille geschnappt wurde, verurteilte ihn das Amtsgericht Löbau wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr zu einer Bewährungsstrafe und erteilte ihm zusätzlich drei Monate Fahrverbot. Die Strafe sei nicht zu grausam, sagten die Richter. Der Mann besitze noch einen handbetriebenen Rollstuhl, mit dem er sich selbst fortbewegen könne. Woran man mal wieder sieht, dass das deutsche Rechtssystem viel zu lasch ist. Wir hätten den zweiten Rolli gleich mit weggenommen: Wer saufen kann, kann auch krabbeln. (Juni 2007)

Zur Strafe wird geschoben

Große Sünden bestraft das Amtsgericht Löbau (siehe vorigen Fall), kleine Sünden die Polizei gleich an Ort und Stelle. Und die weiß wenigstens, wie es geht. Nämlich knallhart und ohne Furcht, der Menschenverachtung bezichtigt zu werden. In Schwedt (Brandenburg) soll der 63-jährige Schwerbehinderte Klaus-Dieter Stellmacher angeblich mit seinem Scooter schneller als die erlaubten 6 km/h gefahren sein. Fünf Polizei stürzten sich auf ihn und behandelten ihn „wie einen Schwerverbrecher“, sagt Stellmacher. Der Mann musste aufstehen und sein 130 kg schweres Gefährt nach Hause schieben. Die Polizei räumte anschließend ein, dass sie möglicherweise etwas übertrieben habe. Das hat anschließend das Gericht so ausdrücklich nicht verurteilt, aber das Ermittlungsverfahren gegen Stellmacher sofort eingestellt. (Juni 2013)

Der lässt sich nicht blitzen

Muss nichts sehen, um richtig zu fahren: Ralf Mackel (Foto: dpa)

Muss nichts sehen, um richtig zu fahren: Ralf Mackel (Foto: dpa)

Der 48-jährige Ralf Mackel aus dem osthessischen Freiensteinau kann von Geburt an nichts sehen und nur Hell von Dunkel unterscheiden. Motorrad fährt er aber trotzdem leidenschaftlich gerne. Sein außergewöhnliches Gehör ermöglicht es ihm dabei, sich zurecht zu finden. Der Widerhall, der von Gegenständen zurückgeworfen wird, gibt ihm Orientierung. „Das alles kann ich deutlich hören. Ich weiß dann, wo ich bremsen und einlenken muss.“ Neudeutsch nennt man das Echolokalisation. Blitzen lassen will sich Mackel nicht, deshalb dreht er seine Runden immer nur auf abgesperrten Rennstrecken. Wie uns scheint, der einzig vernünftige Behinderte in unserer heutigen Liste. (aktuell)

My Video

Manche sind ja ganz stolz, wenn es von ihnen ein Foto in Flensburg gibt. Ihm war nur ein Foto zu langweilig: Die Polizei in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) ertappte einen Rollstuhlfahrer, der mit seinem Trike, einem motorisierten Dreirad, mit 109 km/h unterwegs war. Erlaubt waren 50 bis 60 km/h. Leugnen war zwecklos: Die Beamten haben es per Video festgehalten (es uns aber leider nicht rausgerückt). (Juni 2013)

Rekorde schützen nicht vor Polizei

Da beugt sich der freundliche Beamte nieder zum rekordwilligen Manfred Putz, der daraufhin sein Vorhaben abbrechen muss (Foto: Thomas Knoop)

Da beugt sich der freundliche Beamte nieder zum rekordwilligen Manfred Putz, der daraufhin sein Vorhaben abbrechen muss (Foto: Thomas Knoop)

Die Polizei beendete die geplante Rekordfahrt des paralympischen Rollstuhlsportlers Manfred Putz (43), obwohl der sich vorab beim deutschen Verkehrsamt vergewissert hatte, dass nichts gegen sein Vorhaben spricht. Innerhalb von 50 Stunden wollte er mit seinem Handfahrrad eine 1000-Kilometer-Tour von Hamburg nach München zurücklegen, um ins „Guinnessbuch der Rekorde“ zu kommen. Gekommen ist allerdings nur ein grünes Männchen. Monatelang hatte sich der seit einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmte Österreicher für den Rekordversuch in Deutschland vorbereitet, sogar ein Trainingslager in Südafrika absolviert. In der Nähe von Osnabrück wurde der Handbiker von einem Polizisten gestoppt, der die Weiterfahrt verbot. (Juni 2013)

Ein falscher Rollifahrer blamiert uns

Zu schnell war er nicht, aber richtig geradeaus fahren konnte er auch nicht mehr. Eine Peinlichkeit, die Rollstuhlfahrer unter uns gerne vermeiden. Polizeibeamte in Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) stoppten einen 25-jährigen Betrunkenen in einem Elektrorollstuhl. Passanten hatten um 4.45 Uhr die Ordnungskräfte alarmiert und über einen etwas unsicheren Rollstuhlfahrer auf der B10 in Richtung Esslingen informiert. Eine Polizeistreife fand den Mann auf einem Gehweg am Eingang der Wilhelma – und staunte nicht schlecht: Der 25-Jährige (2 Promille) war weder der Besitzer des Rollstuhls noch gehbehindert. Er hatte das Gefährt einem (echten) Behinderten aus einer Kneipe gestohlen. (Mai 2013).

Kampf mit dem Streifenwagen

Vorsicht, Polizei? Wer lässt sich denn schon von so etwas aufhalten! (Foto: dpa)

Vorsicht, Polizei? Wer lässt sich denn schon von so etwas aufhalten! (Foto: dpa)

Diese Dame war betrunken (1,74 Promille), aber wenigstens eine echte Behinderte: Im Elektro-Rollstuhl fuhr eine 74-jährige Frau Schlangenlinie in der Braunschweiger Straße in Wolfsburg (Niedersachen). Ein 26-jähriger Golffahrer „setzte sich mit Warnblinklicht hinter die Seniorin und sicherte sie ab bis zum Eintreffen der Polizei“, wie es später im Amtsdeutsch hieß.

Dann gab es eine echte Verfolgungsjagd: Als die Beamten mit Blaulicht den Elektrorollstuhl stoppen wollten, versuchte unsere Kollegin, den Streifenwagen zu überholen („ein Autofahrer musste sogar geistesgegenwärtig abbremsen, um einen Unfall zu verhindern“). Als sich ein Kommissar zu Fuß auf die Verfolgung des Rollstuhls machte, gab die Seniorin Gas und versuchte den Polizisten abzuschütteln. Erst als es dem Beamten gelang, den Zündschlüssel heraus zu ziehen, hatte die wilde Jagd ein Ende. Da hatten die Polizisten aber Glück – siehe unten unseren letzten Fall. (Oktober 2012)

Saufen Rollifahrer eigentlich ständig, bevor sie ausgehen?

Was für viele Menschen tödlich ist, haut einen echten Rollstuhlfahrer nicht um. Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern stoppte einen 31-Jährigen Mann, der sich mit Rolli und 5,08 Promille auf den Weg gemacht hatte und mitten auf der Straße fuhr. Da der Gehbehinderte sich weigerte, von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht zu werden und randalierte, wurde er mit Polizeibegleitung nach Hause gebracht. Damit war sein geplantes Abendprogramm dahin: Eigentlich hatte er vor, zu einer Feier zu fahren. Gut, dass der Mann nur einen Rausch hatte und nicht an seiner Alkoholvergiftung starb – sonst hätten unsere freundlichen Beamten üble ROLLINGPLANET-Beschimpfungen wegen unterlassener Fürsorge kassiert. (Mai 2007).

Reif für Rollywood

Falls demnächst so etwas über Ihrem Rollstuhl kreisen sollte, könnte es vielleicht sein, dass Sie zu schnell und gefährlich sind? (Foto: kawa)

Falls demnächst so etwas über Ihrem Rollstuhl kreisen sollte, könnte es vielleicht sein, dass Sie zu schnell und gefährlich sind? (Foto: kawa)

Unser Liebling. Polizisten in Bielefeld lieferten sich eine Verfolgungsjagd mit einem betrunkenen E-Rollstuhlfahrer. Der 44-Jährige war schon früher wegen Trunkenheitsfahrten aufgefallen und sollte eigentlich nur von einer Streife kontrolliert werden. Doch dann bog der Mann plötzlich in einen Fußgängerüberweg ab und beschleunigte sein getuntes Gefährt auf bis zu 25 Stundenkilometer. Die Beamten nahmen die Verfolgung daraufhin dummerweise zu Fuß auf (hätten sie mal lieber einen Hubschrauber genommen).

Einem Polizisten, der vermutlich zu viele Hollywood-Filme gesehen hatte, gelang es, sich am Rollstuhl festzuhalten. Das war keine so gute Idee. Der Rollstuhlfahrer, der vermutlich die gleichen Hollywood-Filme gesehen hatte, machte heftige Lenkbewegungen und gab immer wieder Gas, woraufhin der uniformierte Verfolger auf den Asphalt stürzte und etliche Prellungen und Hautabschürfungen erlitt. Die Polizei brach die Verfolgung erschüttert ab, um den alkoholisierten Rollstuhlfahrer später an seinem Wohnort festzunehmen. (August 2009)

Und nun noch eine tolle Nachricht

Nachdem heute offensichtlich sämtliche Polizisten dieser Republik damit beschäftigt sind, Verkehrssünder festzunehmen, können Sie völlig unbesorgt in einen Zug der Deutschen Bahn steigen oder sich in eine Sauna setzen.. Andererseits sollten Sie sich an diesem Tag nicht im Wald verirren.

(RP)

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