Wachablösung im deutschen Rollstuhlbasketball?

Kampf um die Meisterschaft: Das Oettinger RSB Team Thüringen besiegt RSV Lahn-Dill mit 78:61.

Fehlte heute: Thüringens Kapitän Raimund Beginskis (m.), links: Thomas Böhme, rechts: André Bienek (Archivfoto: Oettinger RSB Team Thüringen)

Fehlte heute: Thüringens Kapitän Raimund Beginskis (m.), links: Thomas Böhme, rechts: André Bienek (Archivfoto: Oettinger RSB Team Thüringen)

Im ersten Endspiel um die deutsche Meisterschaft hat am Samstagabend das von Trainer Josef Jaglowski hervorragend eingestellte Oettinger RSB Team Thüringen zu Hause Titelverteidiger RSV Lahn-Dill überraschend deutlich mit 78:61 besiegt. Überragender Mann der Gastgeber, die auf ihren Kapitän Raimund Beginskis verzichten mussten, war Center Aliaksandr Halouski, der 29 Korbpunkte erzielte. Dagegen zeigten auf der anderen Seite Steve Serio, Thomas Böhme & Co. ungewohnte Nerven – und eine Treffquote von nur 41 Prozent. Noch vor einer Woche – im Halbfinale des DRS-Pokals – hatten die Hessen Thüringen mit 85:68 distanziert.

Der Spielfilm

Nur einmal lag der RSV Lahn-Dill knapp vorne (nach fünf Spielminuten durch zwei verwandelte Freiwürfe von Steve Serio zum 7:4). Doch dann legte auf Seiten der Ostdeutschen Aliaksandr Halouski los, der mit zehn Punkten in Serie sein Team mit 16:9 in Führung brachte. Diesen Vorsprung baute erneut der in Minsk geborene und mittlerweile für die deutsche Natio eingebürgerte Center zu Beginn des zweiten Spielviertels sogar auf 20:10 (11.) aus, ehe der Gast aus Wetzlar wieder zurück im Spiel war. Kurz vor der Halbzeitsirene konnte dieser mit zwei schnellen Körben den Vorsprung der Hausherren zumindest noch auf sieben Punkte Differenz reduzieren (31:24).

Harter Kampf um jeden Zentimeter: Michael Paye (l.) von Lahn-Dill und Sebastian Magenheim (r.) von Thüringen (Foto: Armin Diekmann)

Harter Kampf um jeden Zentimeter: Michael Paye (l.) von Lahn-Dill und Sebastian Magenheim (r.) von Thüringen (Foto: Armin Diekmann)

Lahn-Dills Oldie-Center Dirk Köhler (#15) blieb nahezu wirkungslos. Hier setzt er sich gegen Sebastian Magenheim (#9) und André Bienek (#10, verdeckt) durch, links Nerijus Venckus (#4). (Foto: Armin Diekmann)

Lahn-Dills Oldie-Center Dirk Köhler (#15) blieb nahezu wirkungslos. Hier setzt er sich gegen Sebastian Magenheim (#9) und André Bienek (#10, verdeckt) durch, links Nerijus Venckus (#4). (Foto: Armin Diekmann)

Lahn-Dill setzte nun alles auf den zweiten Durchgang, doch die Mannschaft von Jaglowski bewies an diesem Tag mentale Stärke und konterte die Aufholjagd des RSV (in der 25. Minute auf 32:38 und in der 29. Minute auf 43:48 herangekommen) immer wieder geschickt aus. Doch die Mittelhessen mühten sich eher kämpferisch statt spielerisch um eine Wende in der Partie. Beim 49:52-Anschluss (31.) aus der Sicht des Gastes schien es, als könnte das Spiel kippen. Doch wie schon so oft zuvor stand sich der RSV selbst im Weg, vergab gute Chancen und machte damit den Gegner wieder stark.

War es vor der Halbzeit noch Halouski, der den Lahn-Dillern das größte Kopfzerbrechen bereitete, brachten nun vor allem Sebastian Magenheim und André Bienek aus der Distanz ihre Gefährlichkeit ins Spiel. Bester Akteur auf Seiten des RSV Lahn-Dill war Junioren-Weltmeister Thomas Böhme.

Die Entscheidung

Das Rückspiel findet am kommenden Samstag um 16 Uhr in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle statt, eine optional dritte Partie an gleicher Stätte am Sonntag ebenfalls um 16 Uhr. Bei einem Sieg würden die Ostdeutschen die langjährige Monotonie im Rollstuhlbasketball hierzulande beenden: RSV Lahn-Dill ist seit der Saison 2003/04 mit einer Ausnahme (2008/09: RSC-Rollis Zwickau) ununterbrochen Deutscher Meister geworden.

Thüringen: Aliaksandr Halouski (29), Sebastian Magenheim (18), André Bienek (16), Teemu Partanen (15), Jens-Eike Albrecht, Raimund Beginskis, Dan Highcock, Nerijus Venckus, Bart Nulens (n.e.).

Lahn-Dill: Steve Serio (19/1 Dreier), Thomas Böhme (18), Michael Paye (12), Joe Bestwick (10), Dirk Köhler (2), Jan Haller, Björn Lohmann, Felix Schell, Marco Zwerger, Annabel Breuer (n.e.), Nico Dreimüller (n.e.), Christopher Huber (n.e.).

(RP/aj)

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