Wandern Ihre Brüste schon im Internet herum?

Sehr gut möglich, falls Sie bei Facebook sind. Falls Sie sich nicht so ganz sicher sind, gucken Sie mal auf Boobstagram nach. Die Webseite sammelt nach geeigneten Objekten – angeblich im Dienste der Medizin.

Frau mit Büstenhalter

Da hat jemand rumgemalt – Foto auf boobstagram

(pte) – Die französische Internetseite Boobstagram durchforstet den kürzlich von Facebook für 1 Milliarde US-Dollar erworbenen Fotodienst Instagram nach Bildern von Brüsten. Unter dem Motto „Seine Brüste im Netz zu präsentieren, ist gut. Sie dem Arzt zu zeigen, ist besser“ werden die freizügigen Bilder auf der Seite veröffentlicht.

Dadurch soll die Aufmerksamkeit für Brustkrebs erhöht und die Wichtigkeit von regelmäßigen Untersuchungen unterstrichen werden. Nacktheit gibt es auf der Seite nicht, alle Brüste sind mehr oder weniger verhüllt. Experten sind vom Sinn des Angebots nicht überzeugt. ROLLINGPLANET natürlich auch nicht. Aber wir sind ja keine Experten.

Kein echter Bezug

Immerhin scheint die Sache so wichtig, dass sich Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe, zu diesem Thema äußert: „Ich kann hier keine Kampagne erkennen. Es gibt keinen klaren Hinweis auf die Wichtigkeit von Selbstuntersuchungen und Mammographien. Der eine Satz ist zu wenig, ich vermisse den Zusammenhang.“

Auch die junge Zielgruppe, für die Boobstagram kreiert wurde, wie das Konzept und die Anbindung an Facebook und Twitter beweisen, sei nicht klug gewählt. Den größten Handlungsbedarf gebe es bei anderen Bevölkerungsschichten.

„Die junge Generation wächst mittlerweile mit einem Bewusstsein für die Problematik Brustkrebs auf. Die Situation hat sich in dieser Altersgruppe stark verbessert. Niedrige Untersuchungsraten gibt es vermehrt bei Frauen mit Migrationshintergrund. Bei Dreifachbelastung durch Kinder, Beruf und Haushalt wird ebenfalls oft auf die Untersuchung vergessen“, so Kiefhaber.

Insgesamt hat sich die Situation zuletzt gebessert. „In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der Frauen, die zur Mammographie gehen oder das regelmäßiger tun, um 25 Prozent erhöht“, so die Expertin.

Frühlingsgefühle statt Herbstaufklärung

Üblicherweise konzentrieren sich Kampagnen, die Aufmerksamkeit auf Brustkrebsuntersuchungen richten wollen, auf den Herbst. Der Oktober ist der internationale Brustkrebsmonat. „Unsere Aktivitäten finden zumeist im September und Oktober statt. Wenn Frauen die Kampagne sehen, werden sie an die Untersuchung erinnert. Das bleibt solange wichtig, bis die Mammographie zur Selbstverständlichkeit geworden ist“, so Kiefhaber. Internet-Auftritte wie Boobstagram könnten dabei helfen, die Aufmerksamkeit für die Problematik während des ganzen Jahres aufrecht zu erhalten, wenn sie eine klare Botschaft hätten.

„Für Frauen mit hoher Belastung, die oft die Untersuchungen vergessen, wird die automatische Erinnerung eine gute Ergänzung. Das Problem der niedrigen Bereitschaft zur Untersuchung bei Frauen mit Migrationshintergrund wollen wir durch die Forderung nach einer größeren Zahl von Ärztinnen und mehrsprachiges Informationsmaterial angehen“, so Kiefhaber. Die mehrsprachigen Broschüren sind teilweise schon erhältlich.

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