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Wandern und sich austauschen: Wenn der Vater mit dem Sohne

Heute starten Arnold Schnittger und Nico im Rollstuhl von Flensburg zum Bodensee. Die Tour will für eine besondere Wohnform werben. Von Volker Brückner

Der Sohn hat sich offensichtlich kurz in Luft aufgelöst, tut aber der Stimmung keinen Abbruch: Arnold Schnittger schiebt bei einer der früheren Wanderungen den Rollstuhl seines Sohns Nico.

Der Sohn hat sich offensichtlich kurz in Luft aufgelöst, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut: Arnold Schnittger schiebt bei einer der früheren Wanderungen den Rollstuhl seines Sohns Nico.

nicoAm 19. Juli beginnt der Hamburger Arnold Schnittger im Norden Deutschlands seine – inzwischen schon traditionelle – jährliche Wanderung durch Deutschland. Von Flensburg aus nimmt er Kurs auf den Bodensee. Immer mit dabei: sein 18-jähriger Sohn Nico (Foto: privat) im Rollstuhl.

Gemeinsam mit Nico, der behindert zur Welt kam und kognitive Beeinträchtigungen hat, will der Berufsfotograf auf die besondere Lebenssituation von Eltern mit behinderten Kindern, aber auch auf die aus seiner Sicht katastrophale Pflegesituation im Allgemeinen hinweisen.

Wohnprojekt in Hamburg geplant

Aktuell bemüht sich Arnold Schnittger um die Genehmigung für ein Wohnprojekt im Süden Hamburgs, das möglichst viele Alleinerziehende mit behinderten Kindern beherbergen soll. Sein Verein Nico’s Farm setzt sich seit Jahren für solche Projekte ein, die Wanderung soll möglichst viele Mitmenschen auf diese besondere Form des Wohnens aufmerksam machen.

Nicos Vater hat im Vorfeld der Wanderung zahlreiche Politiker, Behördenmitarbeiter, Kirchenleute sowie Vereine und Organisationen zum Mitlaufen eingeladen, die Resonanz war bisher eher mäßig.

„Inwendig warm“: Nach einem Lied von Konstantin Wecker

Interessierte können Arnold und Nico Schnittger auf ihrem Weg begleiten und auf einzelnen Etappen mitwandern oder einen kleinen Empfang im/am Rathaus organisieren. Ob kurze Strecke oder komplette Etappe (zwischen zwölf und 28 km) – Mitwanderer können sich austauschen, über sich erzählen, aber auch Berührungsängste abbauen und gegenseitiges Verständnis aufbauen.

Arnold Schnittger hat der Wanderaktion den Namen „Inwendig warm“ gegeben und bezieht sich dabei auf ein Lied von Konstantin Wecker, der dem Verein verbunden ist.

Schnittger: „Wir haben diese Aktion bereits in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg durchgeführt. Im Rahmen von persönlichen Gesprächen konnten wir von unseren Sorgen berichten, wir konnten aber auch unserer Empörung Luft machen und die notwendige Wertschätzung für Menschen, die Angehörige pflegen, einfordern, gleich, ob es die eigenen Kinder sind, die Großmutter, der Vater, die Mutter…“

Mitwanderer gesucht

Neben den Hinweisen auf das angedachte Wohnprojekt konnte so auch der Begriff „Armut durch Pflege“ in den Fokus der jeweiligen Gesprächspartner gerückt werden. Die letzte Wanderung führte von Hamburg nach Meerbusch in Nordrhein-Westfalen.

Arnold Schnittger: „In zahlreichen Städten wurden unsere Aktionen mit Fröhlichkeit und Musik begleitet. Es liegt uns auch sehr am Herzen, unsere Botschaft möglichst mit viel Lebensfreude zu vermitteln. Wir freuen uns über alle, die uns unterstützen. Auf dieser langen Strecke bis zum Bodensee ist nichts schlimmer als zu langes Allein-Wandern.“

Katarina-Witt-Stiftung hilft

Von vielen angefragten Sponsoren hat das Hamburger Vater- und Sohn-Duo wenig Antworten, aber ein besonderes „grünes Licht“ bekommen: Die Katarina-Witt-Stiftung half bei der Beschaffung eines behindertengerechten Fahrzeugs.

Am 11. September wollen die Schnittgers ihr Ziel, den Ort Gaienhofen am Bodensee, erreichen.

Weitere Infos: www.inwendig-warm.de

Konstantin Wecker: Inwendig warm

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