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Wann ist ein Stellenangebot diskriminierend?

Zwei Urteile: „Dynamisches Team“ ist erlaubt, die Suche nach „Young Professionals“ nicht.

Firmen dürfen Bewerber aufgrund ihres Alters nicht ablehnen - jedenfalls dürfen sie das offiziell so nicht sagen (Foto: pauline/pixelio.de)

Firmen dürfen Bewerber aufgrund ihres Alters nicht ablehnen – jedenfalls nicht offiziell (Foto: pauline/pixelio.de)

Die Formulierung „dynamisches Team“ in einer Stellenanzeige ist kein Indiz für eine Altersdiskriminierung. Von einer Benachteiligung älterer Bewerber ist erst auszugehen, wenn etwa von einem „jungen dynamischen Team“ die Rede ist. Das hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschieden (Az.: 2 Sa 217/12). Auf das Urteil weist der Bund-Verlag hin.

In dem verhandelten Fall hatte sich eine 1961 geborene Frau bei einer Firma als Softwareprogrammiererin beworben. Als sie eine Absage bekam, verklagte sie das Unternehmen auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 18.000 Euro. Sie sah in der Stellenausschreibung einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG). Sie argumentierte, Ältere würden durch die Formulierung ausgeschlossen – und sie hätte den Job allein aufgrund ihres Alters nicht bekommen.

Firmen müssen jedes Alter suchen

Die Klage blieb ohne Erfolg. Nach Ansicht der Richter drückt der Begriff „dynamisch“ lediglich aus, dass die Firma nach beweglichen und aktiven Mitarbeitern sucht. Eine Altersdiskriminierung liege erst vor, wenn das Stellengesuch zusätzliche Formulierungen enthält – etwa das Wort „jung“ oder eine Altersobergrenze für Bewerber.

Denn Firmen müssen jedes Alter suchen – dies wiederum besagt ein anderes, aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts (Az.: S AZR 429/11). Arbeitgeber sollten in Stellenanzeigen lieber nicht nach „Berufsanfängerin“ oder „Young Professionals“ suchen. Diese Formulierungen sind ein Indiz dafür, dass ältere Bewerber diskriminiert werden und eine Verletzung des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes vorliegt.

Darauf weist der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hin. Im schlimmsten Fall müssen Arbeitgeber benachteiligten Bewerbern Schmerzensgeld zahlen. Jobangebote sollten deshalb immer möglichst neutral formuliert sein.

(RP/dpa/tmn)

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