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Warmer Geldregen für Apotheker: 190 Millionen Euro mehr pro Jahr

Das zuständige Wirtschaftsministerium hält den Aufschlag nach langer Pause für angemessen. Den Pharmazeuten ist das aber noch zu wenig.

Apotheken wie diese hier in Heide können sich über mehr Geld freuen (Foto: Viktor-Mildenberger/pixelio.de)

Deutschlands Apotheker sollen vom kommenden Jahr an mehr Geld erhalten: Unterm Strich sind es nach den Vorstellungen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) etwa 190 Millionen Euro. Dies geht aus einem Referentenentwurf zur Änderung der Arzneimittelpreisverordnung vor, wie heute die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. Vorgesehen ist, den Zuschlag auf den Packungspreis um 25 Cent oder drei Prozent auf 8,35 Euro zu erhöhen. Den Apothekern reicht das nicht aus. Bevor Sie nun aber zu neidisch auf diese Menschen schimpfen, macht ROLLINGPLANET Klientelpolitik à la FDP: Die Apotheker gehören zu den Sponsoren des deutschen Behindertensports.

Hierzulande gibt es rund 21.400 Apotheken, wobei die Zahl leicht rückläufig ist. Zu den Gründen gehören laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) höhere Belastungen durch die Gesundheitsreformen , der steigende Aufwand durch Rabattverträge sowie ein stärkerer Wettbewerb mit Konkurrenzapotheken. Immerhin: Die geplanten 190 Millionen extra würden für jede Apotheke einen zusätzlichen Betrag von jährlich 8.879 Euro oder monatlich 740 Euro bedeuten.

Kritik sowohl von Apothekern als auch Krankenkassen

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es dazu auf dpa-Anfrage, es handele sich „um einen ausgewogenen Entwurf“. Dies zeige schon die unterschiedliche Bewertung durch Apothekerverband und Krankenkassen. Der mit dem Bundesgesundheitsministerium einvernehmlich erarbeitete Vorschlag wird derzeit mit den anderen Ressorts abgestimmt. Es handelt sich den Angaben zufolge um die erste Anhebung der Vergütung seit 2004.

Die Apotheker hatten eine Anhebung des Zuschlags auf 9,14 Euro verlangt. Sie kritisierten den Vorschlag aus dem Hause Rösler scharf: „Das sind 25 Cent Erhöhung pro abgegebene Packung nach neun Jahren ohne Anpassung – da kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein“, sagte der Präsident der Apothekervereinigung Abda, Heinz-Günter Wolf, der Zeitung.

Bei den Krankenkassen hieß es dagegen, man warte gespannt auf eine stichhaltige Begründung für die Mehrausgaben. „Bisher konnten die Apotheker zu Umsatz, Gewinn und Betriebskosten keine belastbaren Daten vorlegen“, sagte eine Sprecherin des Spitzenverbands.

Wer wie viel an den Medikamenten verdient

Die Apothekervergütung setzt sich aus einem Zuschlag von drei Prozent auf den Einkaufspreis des Medikaments und dem Zuschlag von derzeit noch 8,10 Euro je Packung zusammen. Diese Kosten tragen die Versicherungen. Patienten müssen unabhängig davon noch Zuzahlungen bis zu zehn Euro leisten.

Die vorgesehene Erhöhung belastet die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dem Entwurf zufolge von 2013 an mit Mehrkosten von jährlich rund 162 Millionen Euro und die private Krankenversicherung mit etwa 21 Millionen Euro. Ob die Kassen die Mehrbelastung durch die zum Jahreswechsel anstehende Anpassung der Höchstpreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel ausgleichen können, ist noch offen. Dazu müssten diese Festpreise wie in den vergangenen Jahren sinken.

Der pharmazeutische Großhandel erhält laut Bericht seit Januar 2012 einen prozentualen Aufschlag von 3,15 Prozent je Packung, höchstens jedoch 37,80 Euro. Auch hier kommt ein Festzuschlag dazu – je Packung sind das noch einmal 70 Cent. Damit wird die Beschaffung, Bevorratung und Verteilung von Arzneimitteln vergütet.

(dpa)

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