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Warren Lee Hill lebt

Per Telefon: US-Gerichte stoppen in letzter Minute die Hinrichtung eines geistig Behinderten.

Warren Lee Hill (Foto: dpa/Georgia Department of Corrections)

Warren Lee Hill (Foto: dpa/Georgia Department of Corrections)

Seit 21 Jahren muss er damit rechnen, dass er morgens abgeführt wird und nicht zurückkommt. Heute morgen sollte es wieder so weit sein.

Der zweifache Mörder Warren Lee Hill (52) wurde gerade für seine Exekution vorbereitet, als zwei Gerichte die Hinrichtung stoppten. Eine halbe Stunde, bevor er in den Exekutionsraum im Staatsgefängnis Jackson (USA) gebracht werden sollte, verfügten zwei Berufungsinstanzen, dass die Vollstreckung auszusetzen sei. Wie die Zeitung „Atlanta Journal-Constitution“ berichtete, war Hill auf eigenen Wunsch bereits ein Beruhigungsmittel verabreicht worden, als die Gefängnisleitung per Telefon über die Entscheidung informiert wurde.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Hills Hinrichtung ausgesetzt wurde. Im vergangenen Jahr war diese aufgrund einer umstrittenen Exekutionsmethode nicht zugelassen worden. Die Giftspritze in Georgia enthielt nur noch eine Chemikalie statt bisher drei – und dieser einzelne Stoff durfte ohne ärztliche Verschreibung nicht verabreicht werden.

Hill hatte 1986 seine 18-jährige Freundin Myra Wright erschossen und dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten. Vier Jahre später erschlug er seinen Mithäftling Joseph Handspike mit einem Nagelbrett. Dieser zweite Mord brachte ihm die Todesstrafe ein. Das Urteil war umstritten, selbst die Familie des Opfers war dagegen.

Einigkeit über geistige Behinderung

Hills Anwälte machen seit Jahren geltend, dass ihr Mandant nur einen Intelligenzquotienten von 70 und die geistigen Fähigkeiten eines 12-Jährigen hat. Damit dürfe er nach geltendem Recht nicht hingerichtet werden. Zwei von drei Richtern des 11. Bezirksberufungsgerichts entschieden nun, dass eine weitere Prüfung ärztlicher Gutachten notwendig sei, um entscheiden zu können, ob Hill geistig behindert sei oder nicht. Im Prinzip seien sich alle Experten – sowohl die vom Staat als die vom Kläger bestellten – darüber einig, dass Hill tatsächlich geistig behindert ist, hieß es.

Das Oberste Gericht der USA hatte Hinrichtungen geistig Behinderter 2002 als „grausame und ungewöhnliche Bestrafung“ verboten. Die Kriterien für die Feststellung eines solchen Handicaps bleiben aber den Bundesstaaten überlassen. Georgia legt dabei die strengsten Maßstäbe an. Die Staatsanwaltschaft fordert den zweifelsfreien Beweis einer Behinderung.

Trotz des Verbots des Obersten Gerichts wurden im vergangenen Jahr in den USA zwei geistig behinderte Menschen hingerichtet: Yokamon Hearn (Juli 2012 in Huntsville/Texas) und Marvin Wilson (August 2012 in Huntsville/Texas), an den ROLLINGPLANET in diesem Artikel erinnert („Marvin Wilson, wir vergessen Dich nicht!“): Unsere Henkersmahlzeit-Vorschläge für Menschen mit Behinderung

(RP/dpa)

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