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Warum bei Kindern Röntgen und CT gefährlich sein können

Interview mit Professor Jochen Mentzel: Um kleine Patienten vor Strahlung zu schützen, setzen Ärzte auf Ultraschall.

Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel, Professor für Pädiatrische Radiologie am Universitätsklinikum Jena (Foto: Uniklinikum Jena)

Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel, Professor für Pädiatrische Radiologie am Universitätsklinikum Jena (Foto: Uniklinikum Jena)

Zur Vermeidung von gefährlicher Strahlung setzen Radiologen bei Kindern zunehmend auf Untersuchungen mit Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT). Selbst bei der Diagnose von Knochenbrüchen werde Ultraschall mit großem Erfolg eingesetzt, sagt der Leiter der Kinderradiologie am Jenaer Universitätsklinikum, Hans-Joachim Mentzel. Andreas Hummel hat ihn interviewt.

Interview mit Professor Jochen Mentzel

Röntgenstrahlen sind nicht für alle Menschen gleich gefährlich. Kinder gelten als empfindlicher als Erwachsene – warum?

Wir wissen aus Studien wie einer Untersuchung aus Australien an über 680.000 Menschen, die als Kind oder Jugendlicher eine Computertomographie bekommen haben, dass Kinder mit Computertomographie (CT)-Untersuchung ein höheres Risiko haben, an Leukämie oder soliden Tumoren zu erkranken, als andere Kinder.

Die Häufigkeit einer Krebserkrankung lag bei ihnen in dieser Studie um 24 Prozent höher. Warum ist das so? Bei Kindern teilen sich die Zellen schneller als bei Erwachsenen. Durch die Strahlung kann es passieren, dass während der Zellteilung eine Art Strickfehler auftritt und krankhafte Zellen entstehen, die für Krebserkrankungen verantwortlich sind.

Der gesunde Körper ist meist in der Lage, solche kranken Zellen selbst zu beseitigen. Je häufiger solche Strahlenwirkung aber auftritt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fehler nicht mehr behoben werden können. Außerdem sind die Kinder Träger der Erbinformation der nächsten Generation. Hier sind Schäden am Erbgut möglich.

Welche Alternativen gibt es zum Röntgen?

Da gibt es im wesentlichen Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie. Man muss aber wissen, dass insbesondere das CT mit einer recht erheblichen Strahlenbelastung verbunden ist. Wir versuchen generell, Untersuchungen mit Strahlung wie Röntgen und CT so oft wie möglich einzusparen.

Dazu setzen wir in der Kinderradiologie vor allem auf den Ultraschall und MRT. Kinder kann man komplett von „Locke bis Socke“ per Ultraschall untersuchen. Es gibt nur ganz wenige Stellen, an die man damit nicht herankommt wie beispielsweise die Lunge.

Geröntgt wird standardmäßig bei Knochenbrüchen. Aber auch da sind Ultraschalluntersuchungen möglich ?

Ultraschall kann mit großem Erfolg auch zur Diagnostik von Knochenbrüchen eingesetzt werden. Aber das ist nicht überall verfügbar. Ultraschall ist außerdem an den Arzt gebunden und dauert länger als ein Röntgenbild.

Inwieweit hat sich die Strahlenbelastung bei solchen Untersuchungen insgesamt verändert?

Mit moderner Technik im Röntgen und im CT können heute bei entsprechendem Einsatz durch Fachleute deutlich geringere Strahlendosen erreicht werden als noch vor ein paar Jahren. Die Häufigkeit von Untersuchungen mit CT nimmt aber zu.

Aus den USA gab es hierzu in den letzten Jahren besorgniserregende Zahlen – auch bei Kindern. In Deutschland sind die Zahlen bei Kindern relativ stabil mit Ausnahme der Notfall-CT-Untersuchungen bei Unfällen.

Gibt es eine Faustregel, wie viele Untersuchungen mit Röntgen oder CT ein Kind maximal im Jahr haben dürfte?

Zahlen, wie viel Strahlung ein Kind pro Jahr verträgt, gibt es nicht. Es gibt immer wieder Fälle, dass zu viel oder falsch geröntgt wird. Dazu gibt es Leitlinien der kinderradiologischen Fachgesellschaft, an denen sich jeder Arzt orientieren sollte. Letztlich muss aber jeder Arzt selbst entscheiden, welche Untersuchung er für das Stellen der Diagnose braucht.

Jedes Kind sollte unbedingt einen Röntgenpass haben, in dem alle Untersuchungen dokumentiert sind. Wir erleben es immer wieder, dass Kinder doppelt oder dreifach untersucht werden.

(dpa)

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3 Kommentare

  • Sigrid Matz

    deshalb ist auch für Erwachsene ein Röntgenpass wichtig

    20. Oktober 2013 at 15:32
  • Rolfi

    Das erinnert mcih an diese radiklaen Impfgegener. Ich frage mich, warum eine seriöse Zeitschrift wie Rollingplanet über so etwas berichtet?

    21. Oktober 2013 at 10:59
  • Menschenrechtler

    Die realen und noch zu erwartenden Gesundheitsschäden der Reaktorkatastrophen ….. werden …. bis heute negiert oder verharmlost, ebenso wie die Untersuchungen über Schäden durch diagnostisches Röntgen….“ (von https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/atomkraft/atomkraft_strahlenschutzgesetz_stellungnahme.pdf).
    Ärzte und Radiologen, auch nur Röntgenassistentinnen wollen in der Regel das Röntgen aufschwatzen. Nach einem Handgelenkbruch musste ich mir, um versorgt zu werden, noch mehrere Röntgenuntersuchungen, darunter auch eine Computertomografie des Hirns gefallen lassen und habe nun recherchiert. Mein seit Jahren demenzkranker Vater musste ohne triftigen Grund die Ct des Hirns 9 x ertragen.
    Das Selbstbestimmungsrecht nach Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz, die §§ 630d Abs. 1 S. 1 BGB, § 630e Abs. 1 BGB, §§ 7, 8, 11 der MBO-Ä sowie die Röntgenverordnung, insbesondere § 23 Abs. 1, § 28c Abs. 1, 2, 3, und § 28d Abs. 3 und Abs. 4 Satz Satz 1 RöV (Aufklärungspflicht und schriftliche Erklärung des Patienten bzw. des Betreuers) sind offenbar unwirksam. Gesetze und Rechts-Infos (z.B. http://www.radiologie-recht.de/Dateien/Archiv/2016/Radiologie.und.Recht.2016.02.pdf) werden ignoriert.
    Die Aufklärungspflicht soll den Patienten davor schützen, dass sich der Arzt ein ihm nicht zustehendes Bevormundungsrecht anmaßt. Verstöße dagegen sind wie aus unerlaubter Handlung zu sanktionieren, wenn es an einer wirksamen Zustimmung des Patienten fehlt (Geiß/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, C. Haftung aus Aufklärungsfehler, Rn. 2, beck-online und RGSt 25, 375, 380; BGHSt 11, 111).
    Ein Patient ist bei einer Computertomografie in etwa der gleichen Strahlendosis ausgesetzt wie ein Hiroshima-Überlebender in 2 Meilen Entfernung von der explodierenden Atombombe (vgl. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/30632/Studie-Computertomografie-als-Krebsrisiko).
    Die Strahlendosis mit der Computertomographie beträgt das 100- bis 1000-fache der Strahlendosis einer normalen Röntgenaufnahme (vgl. http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2007/msg00110.htm).
    Nach einer unter http://www.atomwaffena-z.info/geschichte/einsatz-von-atomwaffen/hiroshima/artikel/2d925e03ea/-a0c4b90bcc.html veröffentlichten Studie traten in Hiroshima in einer Entfernung von 1,5- 5 km von der Atombombe 23 % bis 4% Todesfälle auf. Da könnten bei 2 Meilen ca. 5-10 % Todesfälle aufgetreten sein plus ca. 5-10%, die den Krebs durch Operation überlebt hatten. Somit bekamen in Hiroshima in 2 Meilen Entfernung von der explodierenden Atombombe 10 % – 20% Krebs und ebenso viele Menschen werden sicher auch nach Computertomografie Krebs bekommen, wobei vielleicht nach Operationen bzw. Therapien die Hälfte überlebt.
    Die Auswirkungen von Röntgenstrahlen sind mit einer Infizierung mit dem HIV-Virus vergleichbar (vgl. Fall: Körperverletzung durch Röntgenstrahlen- http://m.opinioiuris.de/entscheidung/1455). Röntgen verursacht Hirntumore, vgl. http://www.netdoktor.de/krankheiten/hirntumor/glioblastom/, auch Brustkrebs bzw. Prostatakrebs, vgl. http://www.strahlentelex.de/Stx_10_560_S01-03.pdf.
    Kritische Forschungsergebnisse werden vertuscht und werden auch anderweitig vertuscht (siehe z.B. http://www.toxcenter.org/artikel/Autoimmunfax.php). Zahnfüllungen mit Quecksilber (Amalgam) sind weiter die Regelversorgung und Kobaltkronen auch. Sogar Allergiker haben das hinzunehmen. In Russland (UdSSR) ist Amalgam angeblich schon seit 1975 verboten.
    Der Bürger wird überall aus Geld- und Machtinteressen bevormundet, vgl. z.B. im Internet zu findende Videos und Berichte zum Thema Rechtsstaat, „Unser täglich Gift“, Monsanto, Umweltschutz, TTIP, CETA, Gentechnik usw..
    Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen sind auch in der Rechtspflege systemkonform (vgl. z.B. http://de.wikimannia.org/Frank_Fahsel und https://www.youtube.com/watch?v=iramjpMI5TQ&feature=youtu.be).
    Vielleicht könnte die schon lange geforderte Zulassung von Volksabstimmungen gegen Machtmissbrauch helfen. Politikern scheinen Bürgerrechte egal zu sein und den Wählern auch, vgl. https://politischernoob.wordpress.com/2009/08/25/sind-den-deutschen-ihre-buergerrechte-egal/. Da kann nichts besser werden.

    22. Januar 2017 at 12:21

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