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Warum die schulische Inklusion auch in Bremen kein Selbstläufer ist

Es ist kein Ausweg, den langfristigen Erhalt der Förderschulen – wie es zum Beispiel die AfD will – zu fordern. Ein Gast-Kommentar von Markus Peters (Weser-Kurier)

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling hat es jetzt auch erkannt: Die Inklusion ist kein Selbstläufer und wird nur schwer zu stemmen sein. Ob bei dieser Erkenntnis die Ergebnisse der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eine Rolle gespielt haben, ist reine Spekulation. Dennoch ist es kein Ausweg, als Eingeständnis des bisherigen Scheiterns den langfristigen Erhalt der Förderschulen – wie es zum Beispiel die AfD will – zu fordern. Denn Deutschland hat sich immerhin in einer UN-Konvention dazu bekannt, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern zu ermöglichen.

Da hinkt die Bundesrepublik bisher weit hinterher. In kaum einem anderen Land der Welt wurden in der Vergangenheit Behinderte so leichtfertig in Förderschulen abgeschoben wie hier. Nur knapp ein Drittel aller behinderten Kinder besucht zwischen Füssen und Flensburg eine Regelschule. In anderen europäischen Ländern ist das anders. Italien zum Beispiel – inspiriert durch die Pädagogik von Maria Montessori – kommt seit vierzig Jahren fast komplett ohne Förderschulen aus.

Inklusion ist richtig und wichtig. Sie wird aber nicht zum Nulltarif zu haben sein. Wer sich wie die Bundesrepublik dem gemeinsamen Lernen verpflichtet hat, der muss auch die Konsequenzen ziehen und die Schulen entsprechend ausstatten: räumlich und personell. Es ist ein Hohn, dass laut einer aktuellen Umfrage nur 16 Prozent der Lehrer ihre Schule als barrierefrei bezeichnen (ROLLINGPLANET berichtete). Selbst für die einfachste Form der Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht mit körperbehinderten Kindern, sind die Voraussetzungen längst noch nicht geschaffen. Inklusion ist kein Sparprogramm. Sie benötigt noch für Generationen hohe Investitionen in die Schulen. Doch am Ende werden alle davon profitieren: sowohl die behinderten als auch die nicht behinderten Kinder.

(PM)

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