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Warum es die elektrische Zigarette auch nicht bringt

Werbung für elektrische Zigarette

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass die viel gepriesene Alternative zum Tabak keineswegs gesund ist. Was nun?

Rauchen verkürzt das Leben um durchschnittlich zehn Jahre. Das Deutsche Krebsforschungszentrum spricht von 110.000 bis 140.000 Menschen jährlich, die hierzulande an den Folgen des Rauchens sterben. Hinzu kommen über 3.300 Nichtraucher, die an den Folgen des Passivrauchens sterben.

Rauchen schädigt fast jedes Organ, besonders die Atemwege und das Herz. Bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle werden durch Nikotinkonsum verursacht, zudem haben Raucher ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle. Die häufigste Raucherkrankheit mit besonders vielen Todesfällen ist die chronisch-obstruktive Bronchitis. Sie äußert sich zunächst häufig durch eine anhaltende Entzündung der oberen Atemwege – verharmlosend als „Raucherhusten“ bezeichnet – und führt nach wenigen Jahren zu ernsthafter Behinderung.

Nur 58 Prozent der Raucher erreichen das 70. Lebensjahr, nur 26 Prozent werden 80 Jahre oder älter. Zum Vergleich: 81 Prozent der Nichtraucher werden 70 Jahre und 59 Prozent erleben ihren 80. Geburtstag.

Ein Selbstversuch

Vor drei Monaten war ROLLINGPLANET-Redakteur und Kettenraucher Franz Schubert deshalb Feuer und Flamme für ein vermeintlich gesundes Produkt, das weder qualmt noch stinkt: Ausgerechnet in der Apotheke gab es ein Sonderangebot für elektrische Zigaretten, die ihm endlich wieder seine Freiheiten zurückzugeben schienen. Franz stellte sich vor, wie er sich in der U-Bahn eine E-Zigarette ansteckte, dem Zungen- und Lungenkrebs von der Schippe sprang und viel Geld sparte. Entschlossen griff Franz zu.

Die Entscheidung bereute Franz eine Minute, nachdem er zu Hause war. Freudig riss er die Packung auf. Die E-Zigarette war bereits startklar, man konnte gleich einen ersten Zug ausprobieren. Die E-Zigarette lässt sich einfach über den Computer aufladen. Sie besteht aus einem kleinen USB-Stick als Filterimitat und dem langen Zigarettenteil, in dem die Geschmackspatrone untergebracht ist. Sie liegt schwerer als ein Tabakstängel in der Hand, sieht aber fast wie ihr Vorbild aus.

Allein – die E-Zigarette schmeckt nach nichts, sagt Franz, der sich für die Standardvariante (Tabaknachahmung) entschieden hatte. Man kann alternativ Menthol-, Erdbeer- oder diverse andere Aromen auswählen. Doch Menthol ist schon bei einer echten Zigarette widerlich, und für Erdbeerengeschmack kauft man sich dann wohl doch lieber echte Erdbeeren. Sagt Franz und zeigt uns seither bei Redaktionskonferenzen wieder konsequent, wie rücksichtslos Raucher sind.

Dr. Specht hat was zu sagen

Obwohl vor einigen Wochen bekannt wurde, dass die E-Zigarette auch keineswegs so gesund ist, versuchen die Importeure und Händler der Ware weiter, kräftig zu werben. So weist Hersteller red kiwi GmbH darauf hin, dass man das „renommierte Analyselabor ‚Eurofins Dr. Specht Laboratorien’ in Hamburg“ mit einer Untersuchung beauftragt habe. Ergebnis: E-Zigaretten seien „deutlich weniger schädlich als Tabakzigaretten“.

Aber eine schadstoffarme Alternative sind sie nicht, warnt jetzt laut „Apotheken Umschau“ die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Kartuschen enthalten neben einer Nikotinlösung häufig auch andere gesundheitsschädliche Substanzen wie möglicherweise krebserregende Nitrosamine. Der eingeatmete Dampf enthalte zu 90 Prozent Propylenglykol, das kurzfristig Atemwegsreizungen auslöst. Für einen dauerhaften Rauchstopp, so die BZgA, sei eine Verhaltensänderung nötig, die mit E-Zigaretten nicht erreicht werde.

Wie mit dem Rauchen aufhören?

10 schnelle Fakten und Tipps für alle, die nicht Franz Schubert heißen und ihre Zeitgenossen und sich selbst nicht weiter belästigen wollen:

1. Die meisten Raucher versuchen erst einmal alleine, vom Glimmstängel loszukommen. Die Erfolgsquote dabei liegt allerdings nur bei drei bis sechs Prozent.
2. Die Mehrzahl der Raucher braucht durchschnittlich fünf Anläufe, um dauerhaft abstinent zu bleiben.
3. Manchen Rauchern helfe es, den Tabakkonsum zu reduzieren und langsam aufzuhören. „Das verführt jedoch zum Selbstbetrug und hält die psychische Abhängigkeit länger aufrecht“, so Suchtexperten.
4. Mehr Erfolg hat die Schlusspunkt-Methode, bei der Raucher vom einen auf den anderen Tag aufhören.
5. Die beste Erfolgsquote erreichen verhaltenstherapeutische Entwöhnungsprogramme in der Gruppe. Hier liegen die Erfolgschancen bei zirka 40 bis 50 Prozent. Grund: Rückhalt und sozialer Druck durch die anderen.
6. Solche fünf- bis zehnstündige Programme kosten zwischen 150 und 300 Euro und müssen überwiegend selbst bezahlt werden. Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen die Maßnahme pro Jahr mit 75 Euro.
7. Nikotinersatzpräparate (nicht verschreibungspflichtig, werden von der Krankenkasse nicht bezahlt) in Form von Kaugummis, Pflastern oder Lutschtabletten erleichtern die Entwöhnung, indem sie regelmäßig Nikotin abgeben und damit die Entzugserscheinungen stark lindern.
8. Außerdem gibt es rezeptpflichtige Medikamente in Tablettenform, die die Entzugssymptome wirksam mildern und den Abstinenzerfolg erhöhen können, können jedoch auch ernste Nebenwirkungen hervorrufen.
9. Das Angebot an alternativen Therapien ist groß, darunter finden sich aber auch teure, teilweise unseriöse Methoden, die mit Halbwahrheiten und angeblich hohen Erfolgsquoten werben.
10. Besonders beliebt sind Akupunktur und Hypnose – ihr Nutzen ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Eine kleine Aufmunterung

Egal, wie lange und viel Sie geraucht haben: Aufhören lohnt sich immer. Schon nach 24 rauchfreien Stunden beginnt das akute Herzinfarktrisiko zu sinken. Nach 48 Stunden regenerieren sich bereits die Geruchs- und Geschmacksnerven, und nach zehn Jahren Rauchverzicht ist Ihr Lungenkrebsrisiko nicht mehr höher als das eines Nichtrauchers.

Quelle: Apotheker-Umschau.de

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5 Kommentare

  • Thomas

    Das die Dinger aus der Apotheke nichts taugen ist ja bekannt. Daher hätte sich euer Franz lieber mal vorher ein bisschen informiert. Gerade wenn er „Kettenraucher“ war. Würde man mit jedem anderen Produkt, dass man nicht kennt doch genau so machen!?

    Das das BZgA der E-Zigarette keine „Rauchentwöhnungseigenschaften“ attestiert wundert mich nicht, weil die E-Zigarette überhaupt nicht zu diesem Zweck erfunden wurde u.o. gedacht ist. Wer sie unter diesem Aspekt verkauft hat nichts verstanden und schadet allen Dampfern in Deutschland. Die E-Zigarette ist eine wenige schädliche Alternative zur Tabakzigarette. Nicht mehr und nicht weniger.

    Und noch was! Die Apo Umschau ist als einzige Quelle zu diesem Thema nicht repräsentativ u.o. ernst zu nehmen, weil sehr befangen. Das ist mehr als dürftig Leute! Infos gibts genug und die sind nur ein paar klicks entfernt. Siehe http://www.e-rauchen-forum.de; http://www.dampfertreff.de; usw. Google ist da übrigens gern behilflich.

    Bitte habt wenigstens den Anstand und schaltet diesen Kommentar frei, sonst wird es nur noch peinlicher. Dampfende Grüße aus Leipzig Thomas

    7. März 2012 at 18:22
  • Philip

    Das war garantiert ein billig Produkt und dann wahrscheinlich auch noch ohne Nikotin. Eurer Herr Schubert hätte lieber gleich Qualität kaufen sollen. Er kauft ja wahrscheinlich auch nicht die russischen 1 € Zigaretten um diese zu rauchen, oder?
    Vielleicht mal red kiwi nicht nur zitieren sondern gleich die testen oder unsere (www.dampfer.biz)…

    8. März 2012 at 12:54
  • Duck

    Euer Franz hat wirklich ALLES falsch gemacht. 🙂

    Hm mal informieren? Es gibt diverse umfangreiche Foren zum Thema. Z. B. (XXX) oder (XXX)

    Gruß
    Ducki

    XXX = von der Redaktion eingefügt

    9. März 2012 at 18:12
  • Rollingplanet

    In den vergangenen Stunden haben wir von offensichtlich begeisterten E-Rauchern zahlreiche Kommentare mit diversen Links erhalten. Wir werden diese nicht freischalten oder mit einem XXX kennzeichnen.

    Wir freuen uns über das große Interesse an unserem Beitrag, sind jedoch nicht daran interessiert, hier ein Platz zu schaffen, um für bestimmte E-Zigaretten-Firmen oder -Foren zu werben.

    9. März 2012 at 18:49
  • ronny

    Was ist das denn bitte für ein gequirlte Kacke ?
    Hättet Ihr Euch mal den Befund vom Dr. Specht angeschaut würdet ihr nicht einen Absatz tiefer schreiben das die Liquids Nitrosamine enthalten. Dies geht klar und deutlich aus dem Analysebefund hervor. Nicht einfach irgendwo was aufschnappen und dann hier unwahrheiten niederschreiben.

    Beste Grüße

    Ronny

    10. März 2012 at 13:13

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