Warum es Wolfgang Schäuble egal ist, ob die Welt barrierefrei ist

Jedenfalls ist es nicht einmal sein eigenes Wahlkreisbüro. Von Corinna Rüffer

ROLLINGPLANET gönnt Wolfgang Schäuble sein großes Auto und seine vielen Helfer – will aber vorsichtig darauf hinweisen, dass nicht alle Menschen (egal ob mit oder Behinderung) solch umfassende Unterstützung erfahren... (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

ROLLINGPLANET gönnt Wolfgang Schäuble sein großes Auto und seine vielen Helfer – will aber vorsichtig darauf hinweisen, dass nicht alle Menschen (egal ob mit oder Behinderung) solch umfassende Unterstützung erfahren… (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Dass Bundesfinanzminister Schäuble kein barrierefreies Wahlkreisbüro hat, ist symptomatisch dafür, wie die Union die vielen Barrieren kleinredet, auf die Menschen mit Behinderung jeden Tag stoßen. Herr Schäuble genießt das Privileg, Personenschützer zu haben, die ihn in sein Wahlkreisbüro tragen können. Solche Hilfen haben andere RollstuhlfahrerInnen aber in der Regel nicht. Deshalb können sie oft nicht einmal Cafés oder Kinos besuchen. Und wer in einem elektrischen Rollstuhl sitzt, der allein etwa 150 Kilo wiegt, kann sowieso nicht einfach so irgendwo hineingetragen werden.

Es geht bei Barrierefreiheit aber um ein selbstbestimmtes Leben und eigenständige Mobilität; darum, nicht immerzu von der Hilfe anderer abhängig zu sein. Das ist das genaue Gegenteil zum veralteten Bild von Teilhabe, das in weiten Teilen der Union vorherrscht: Sollen sie sich doch tragen lassen – damit taten sich Unionsabgeordnete schon in der Plenardebatte zum Behindertengleichstellungsgesetz hervor.

Besseres BGG notwendig

Kann sich bei Bedarf immer darauf verlassen, dass jemand zur Stelle ist: Wolfgang Schäuble. Das führt laut ROLLINGPLANET schon mal dazu, dass man die alltägliche Realität vieler anderer Menschen aus den Augen verliert... (Foto: Oliver Berg/dpa)

Kann sich bei Bedarf immer darauf verlassen, dass jemand zur Stelle ist: Wolfgang Schäuble. Das führt laut ROLLINGPLANET schon mal dazu, dass man die alltägliche Realität vieler anderer Menschen aus den Augen verliert… (Foto: Oliver Berg/dpa)

Damit Menschen mit Behinderung selbstbestimmt teilhaben können, muss dringend auch die Privatwirtschaft zu Barrierefreiheit verpflichtet werden. Doch mit dem vorliegenden Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) wird das Ziel einer barrierefreien Gesellschaft nicht erreicht, weil es sich nur auf den öffentlich-rechtlichen Bereich bezieht und die Privatwirtschaft außen vor bleibt.

Zum Hintergrund: Das Wahlkreisbüro von Finanzminister Wolfgang Schäuble ist nicht barrierefrei. Laut Medienberichten erklärte dazu der CDU-Kreisgeschäftsführer Michael Braun, für Schäuble seien die Stufen keine Barrieren, da er von seinen Personenschützern samt Rollstuhl hineingetragen werde.

Die Autorin ist behindertenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

(RP/PM)

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21 Kommentare

  • Elisabeth Bohn

    wenn ich Bedienstete hätte, dann hätte ich auch keine Sorgen….ich werde halt naß, weil mir keiner den Regenschirm hält…..

    27. April 2016 at 12:11
  • Klaus-Dieter Neumann

    Mir stellt sich die Frage, ob Herr Schäuble auch nur 2600€ besitzen darf?

    27. April 2016 at 12:21
  • Manfred Joachim Sarrach

    Herr Schäuble ist ein böser Mensch

    27. April 2016 at 12:27
    • Olaf Forner

      Das sind wir doch alle. Zumindest manchmal.

      27. April 2016 at 12:55
    • Marcus Streicher

      Ich glaube nicht . alles Politische Müll und bla bla bla nix wirklich da …

      27. April 2016 at 13:24
    • Helga Adams

      Ja genau

      27. April 2016 at 13:36
  • Gerhard Kreuter

    Ich verstehe manche Statements von Aktiven aus der Behindertensicht nicht. Bin selber sehr adipös mit 150 kg und entsprechendem Rollstuhl.
    Es ist mir noch fast Nie passiert, das es nicht eine Möglichkeit gab Hindernisse zu bewältigen.
    Natürlich hat der Minister viele Helfer, die ihm behilflich sind. Statt Schäuble zum Musterexemplar für die Leistungsfähigkeit von Behinderten zu machen, wird er politisch als Propagandazweck gegen die CDU genutzt.
    Es wäre interessant zu wissen, wie viele Gesetze welche Regierung zu Gunsten benachteiligter Menschen beschlossen hat.
    Auf lange Sicht werden in Deutschland kaum Gesetze ohne Mitwirkung der CDU/CSU gemacht werden können. Von daher wären es sinnvol, mit allen Parteien nicht vorbelastete Gespräche zur Verbesserung der Integration benachteiligter Menschen zu führen.

    27. April 2016 at 13:24
  • Andrea Heßler

    Er denkt überhaupt nicht mehr an das Volk, egal ob Behinderte oder Nichtbehinderte.

    27. April 2016 at 13:35
  • Hendrik Imhoff

    Der zukünftige Kanzler von Bundesrepublik Deutschland… Darauf kann ich wetten.

    27. April 2016 at 13:46
    • Claudia Stückner

      Nein das glaube ich nicht, da tippe ich eher noch auf die von der Leyhen. Was ich aber auch nicht gut fände.

      27. April 2016 at 15:29
  • Tammy

    Das kann auch nur jemand, dem der Arsch hinterhergetragen wird.
    Unfassbar sowas ?

    27. April 2016 at 14:28
  • claudi-1963

    Ja da hast du ganz recht das sehe ich genauso, wenn man auf keine Hilfe angewiesen ist und immer jemand da ist der einen ggf. auch schiebt oder die Treppe hochträgt, dann sieht man die Probleme der anderen nicht mehr. Nur gut das es noch eine behinderten politische Sprecherin gibt die das anders sieht.

    27. April 2016 at 15:26
  • Bianka Celine Burkhardt

    Frechheit

    27. April 2016 at 18:58
  • Enrico Geduhn

    „Herr Schäuble genießt das Privileg, Personenschützer zu haben, die ihn in sein Wahlkreisbüro tragen können“ Ja nur leider haben die meisten Menschen mit Handicap dieses Privileg nicht!

    27. April 2016 at 19:25
  • Marianne Kunert

    Die Minister und Abgeordneten sollten mal „Behinderte aus dem Volk“ zu ihren Beratungen einladen. Das wäre nicht nur besser für uns Betroffene, sondern auch für die da „Oben“, die in meinen Augen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben. Niemand kann besser beurteilen was für uns gut ist, als wir (behinderte Menschen) selbst. Herr Schäuble erweckt den Eindruck, dass es ihm völlig Wurscht ist, wie die Behinderten in Deutschland behandelt werden. Er muss sich ja nicht selbst mit den alltäglichen Schwierigkeiten auseinandersetzen. Sollte er aber; dann würden wir mit Sicherheit nicht so lange auf entsprechende Teilhabe usw. warten müssen.

    27. April 2016 at 21:28
  • handbiker

    Das was Herr Schäuble damacht, hat ziemlich wenig mit einem selbstbestimmten Leben zu tun. Egal wie privilegiert ich bin, ich würde mich niemals auf ein Jahre langes Treppe hoch und runter tragen einlassen. So etwas ist unzumutbar. Ja sogar demütigend. Leider erlebe ich auch viele andere Rollstuhlfahrer die die Bequemlichkeit des sich Bedienslassens einem selbstbestimmten und unabhängigen Lebens vorziehen. Echt traurig. Wenn das sich helfen lassen müssen für selbstverständlich gehalten, wird es nie ein Verständnis für ein Leben in Unabhängigkeit von Dritten geben.

    28. April 2016 at 10:20
  • Erika Trautwein

    Eigentlich dachte ich, wenn ein Behinderter an so wichtiger Position agiert, wird sich für die Belange aller Behinderten viel verbessern.
    Falsch gedacht, leider.
    Wo, lebt er Solidarität? Ich sehe nichts.

    28. April 2016 at 20:11
  • R.Schneider

    Herr Schäuble denkt halt sparsam als Finanzminister und nicht egoistisch nur an sich und eine Minderheit… mag so manch einer denken… aber vermutlich auch nur solange, bis er durch einen Unfall oder Krankheit auch im Rollstuhl sitzt und sich dann auch fragt, wie er an den Schalter kommt oder wie man ohne Personenschützer eine Treppe hochkommt..

    29. April 2016 at 11:01

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