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Warum hat es ein behinderter Mensch so schwer, Model zu werden?

ROLLINGPLANET-Leser A. stellt in Zusammenhang mit unserem Modelwettbewerb MISS ANGEL 2012 eine Frage, die viele haben dürften.

Fotostudio: Kein Platz für Rollstuhlfahrer und Behinderte? (Foto: Rotzi01/pixelio.de)

Fotostudio: Kein Platz für Rollstuhlfahrer und Behinderte? (Foto: Rotzi01/pixelio.de)

A. mailt uns:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin kein Sponsor und kein Anzeigekunde. Mein Anliegen ist, nach dem Sie aus der Model-Szene sind: Warum gibt es keine echten männlichen Modells im Rollstuhl, und warum sind die Modell-Agenturen nicht an männlichen Modells interessiert. Ich bin selber Rolli-Fahrer und habe mich mit Bildern an Modellagenturen gewandt (natürlich ohne Rollstuhl), da bekam ich ein Termin. Ist der Rollstuhl ins Spiel gekommen, bekam ich Absagen; das ist doch echt interessant, wie der Rollstuhl die Chancen verbaut, ohne dass man die Person kennt. Über eine vernünftige Antwort würde ich mich sehr freuen. Grüße aus Süddeutschland-Unterfranken.

Für ROLLINGPLANET antwortet vernünftig Rita Horvath, die jahrelang in der Geschäftsleitung der renommierten Agentur Classics & Senior-Models International Management tätig war:

Zunächst einmal muss man unterscheiden zwischen Laufsteg- und Fotomodels. Ich gehe davon aus, dass Du Dich auf den letzteren Bereich beziehst.

Im allgemeinen solltest Du wissen: Du bist nicht alleine mit Deinem „Schicksal“. Es gibt Hunderttausende Mädchen, die mehr oder minder hübsch, groß und schlank sind – und wie Du immer noch vergebens auf ihre Chance als Model warten. Ich weiß nicht, wie hartnäckig und bei wem Du es bisher versucht hast.

Oft ist Modeln auch schlichtweg mit Glück verbunden – sei es, weil Du den richtigen Booker mit den entsprechenden Kontakten triffst. Oder – um auf behinderte Menschen zu kommen – eine Firma speziell einen behinderten Menschen sucht, weil sie mit ihrer nächsten Werbekampagne das Thema Inklusion oder Barrierefreiheit aufgreifen und authentisch sein will. So oft kommen diese Angebote jedoch nicht – da will ich keine falschen Hoffnungen wecken. Erst recht nicht, falls Du damit Deinen Lebensunterhalt bestreiten wolltest.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für Dich äußerst frustrierend ist, erst eingeladen und dann wegen Deines Rollstuhls wieder ausgeladen zu werden.

Dieser Rollstuhl ist aus der Sicht der Werbung ein Erkennungsmerkmal Deiner Person. Der Zuschauer würde Dich also nicht mit dem Produkt assoziieren, welches beworben werden soll, sondern mit Deinem Rollstuhl. Und das ist für die Werbung, die in der Regel eine „schöne heile Welt“ assoziieren will, ein Nogo.

Agenturen wünschen sich Models, die universell einsetzbar sind. Als Papa, Doktor oder Bankangestellter, ohne wirklichen Wiedererkennungswert. An erster Stelle steht immer das Produkt, außer Du würdest Heidi Klum oder Jan Josef Liefers heißen.

Einen anderen Aspekt darf man nicht unterschätzen – das Problem mit den Locations. Shootings finden oft irgendwo in der Pampa, unterm Dach, im Keller oder weiß der Kuckuck wo auch immer statt. Barrierefrei sind die in aller Regel nicht. Selbst wenn nur ein Gesicht gefragt ist, ohne dass der Körper abgebildet wird, und Du sehr mobil sein solltest – Fotoproduktionen sind aufwändig und werden minutiös geplant, und der Zeitfaktor ist während der Shootings enorm wichtig.

Wer diese organisiert, wird sich nur sehr selten die Mühe machen, sich ein „zusätzliches Problem“ aufzuhalsen. Leider können sich die wenigsten Agenturen oder deren Mitarbeiter vorstellen, dass Rollstuhlfahrer beweglich, sprich räumlich genau einsetzbar sind wie Nichtrollstuhlfahrer.

Schade, dass Du uns kein Foto geschickt hast, so kann ich mich nur allgemein gültig zu Deiner Anfrage äußern.

ROLLINGPLANET bietet Dir jedoch eine der seltenen Chancen, trotz Handicaps wenigstens einmal als Model zu agieren: Bewirb Dich als Fotopartner/in von MISS ANGEL 2012!

Ich hoffe, Dir ein wenig geholfen zu haben und wünsche Dir alles Liebe.

Informationen zu unserem Modelwettbewerb MISS ANGEL 2012

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