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Warum ist denn die Ilke Wyludda so mürrisch?

8 Fakten: ROLLINGPLANET erklärt unter anderem, warum die Olympiasiegerin und Paralympics-Debütantin die Presse nicht besonders mag.

Ilke Wyludda (Archivfoto: dpa)

1. Warum ist sie ein „gefundenes Fressen“ für die Medien?

Ilke Wyludda aus Halle ist die erste Olympiasiegerin (vor 16 Jahren), die jemals bei Paralympics startete. Sie ist erst die siebte Athletin, die sowohl bei Olympia als auch Paralympics teilnimmt.

Bundestrainer Bernd Mädler: „Ilke ist sehr interessant für die Medien, viele erwarten gleich einen Sieg nach Atlanta 1996“.

2. Ihre erste sportliche Paralympics-Bilanz

Die 43-Jährigen aus Halle stellte am Dienstagabend mit 29,57 Metern eine persönliche Bestleistung im Diskuswerfen auf, nicht genug für das Finale, aber dennoch eine Leistung, auf die Wyludda stolz sein kann – sie trainiert richtig erst seit einem Jahr.

Die ehemalige Speerwurf-Weltmeisterin und heutige Trainerin Steffi Nerius: „Ilke kann nur den Arm ziehen, das ist sehr schwer“.

Am Samstag steht noch ihre stärkere Disziplin, das Kugelstoßen, auf dem Zeitplan.

3. Der Vorwurf der Pressevertreter

Sie ist „medienscheu“, „unzugänglich“, „unfreundlich“, „mürrisch“, hieß es vor ihren Comeback in London. Mürrisch war sie auch, als sie kritisierte, dass die Prämien für Paralympics-Gewinner geringer sind als für nichtbehinderte Olympioniken.

4. Was Ilke Wyludda zu den Vorwürfen sagt

Sie weiß, wie es ist, wenn Journalisten nur die schnelle Story suchen, sich aber nicht wirklich für den Menschen interessieren: „Der ganze Rummel war ein bisschen belastend, zehn Jahre wurde überhaupt nicht über mich berichtet. Es ist schon ernüchternd, wie schnell man aus den Köpfen der Medienleute heraus ist.“

5. Was hinter ihrer mürrischen Maske steckt

Hinter der Maske sind große Gefühle: „Die Engländer haben die Paralympics fast so aufgezogen wie Olympia und damit für Rio eine Marke gesetzt. Das ist einmalig, ich habe die Stimmung aufgesogen“.

Sogar die Eltern von Wyludda waren am Dienstag unter den 80.000 Zuschauern im Stadion und unterstrichen die emotionale Bedeutung ihres ersten großen Wettkampfes als Behinderte.

6. Was sie beruflich macht

Wyludda arbeitet im Schichtdienst im Krankenhaus als Anästhesistin. Bundestrainer Mädler: „Ilke hat ihre Probezeit als Ärztin nun hinter sich, das wird sie sehr motivieren“.

7. Was sie über die paralympische Familie denkt

Die Konkurrenz unter den Athleten ist ihrer Meinung nach nicht so ausgeprägt wie bei Olympia. Im paralympischen Dorf wohnt sie mit den anderen Sportlerinnen im Apartment: „Das ist wie eine kleine Familie.“

8. Wie es um Wyluddas Gesundheit steht

Starke gesundheitliche Probleme, eine Bakterieninfektion und die Beinamputation vor eineinhalb Jahren haben sie körperlich schwer belastet. Die Bewegungsabläufe aus dem Sitzen musste sie neu erlernen.

Sie ist deshalb vorsichtig mit Prognosen, zum Beispiel, was die nächsten Paralympics 2016 in Rio de Janeiro betrifft: „In vier Jahren kann so viel passieren, mal sehen, ob die Knochen halten.“ Aber sie hofft: „Wenn alles gut läuft, bin ich dabei“.

(RP/Britta Körber/Manuel Schwarz/dpa)


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