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Warum Menschen mit Autismus an Kaffee denken, wenn sie „Hallo“ sagen

Synästhesie und autistisches Spektrum hängen offensichtlich zusammen – das Phänomen wurde jetzt erstmals wissenschaftlich untersucht.

Eine Tasse Hallo (Foto: Alwin Gasser/pixelio.de)

Eine Tasse Hallo (Foto: Alwin Gasser/pixelio.de)

Synästhesie bezeichnet wissenschaftlich die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung, etwa Farbe und Temperatur.

Einen Zustand, bei dem Menschen eine Vermischung der Sinne wie das Schmecken von Wörtern erleben, hat das Autism Research Centre der University of Cambridge mit Autismus in Zusammenhang gebracht. Das Team um Simon Baron-Cohen geht davon aus, dass Synästhesie bei Erwachsenen mit Störungsbildern des autistischen Spektrums fast drei Mal so häufig auftritt wie bei der restlichen Bevölkerung. Die beiden Erkrankungen könnten über gemeinsame Merkmale verfügen, wie unübliche Verbindungen innerhalb des Gehirns.

„Hallo“ schmeckt nach Kaffee

Bei einer Synästhesie löst ein Sinn automatisch einen anderen aus. Manche Menschen haben beim Lesen oder Hören von Wörtern Geschmackserlebnisse, manche nehmen Zahlen als Formen wahr und wieder andere sehen beim Hören von Musik Farben. Die Betroffenen berichten von Erfahrungen wie zum Beispiel, dass der Buchstabe „Q“ dunkelbraun ist oder dass das Wort „Hallo“ wie Kaffee schmeckt.

Bisher hat es nur einzelne Berichte gegeben, die auf einen Zusammenhang zwischen Synästhesie und dem Asperger-Syndrom hingewiesen haben. Über 200 Personen mussten Fragebögen ausfüllen. Unter den Teilnehmern waren 164 Erwachsene mit hochfunktionalem Autismus und 97 Personen ohne autistische Erkrankung. Es zeigte sich, dass einer von fünf Erwachsenen mit einer Erkrankung des autistischen Spektrums auch mit einer Synästhesie lebte. Im Vergleich dazu berichteten nur sieben Prozent der Kontrollgruppe von diesen Erfahrungen.

Ähnlichkeiten in Gehirnstruktur

Laut Baron-Cohen handelt es sich bei einer Synästhesie um eine sehr subjektive und private Erfahrung. Daher seien die Studienteilnehmer nach ihren Erlebnissen befragt worden. Die in Molecular Autism erscheinende Studie legt nahe, dass – obwohl die beiden Krankheiten sehr verschieden zu sein scheinen – sie dennoch über Ähnlichkeiten im Bereich der Gehirnstruktur verfügen könnten.

Bei einer Synästhesie scheint es zu Verbindungen von Gehirnbereichen zu kommen, die normalerweise nicht zusammenhängen. Sie sind für dieses Durcheinander der Sinneswahrnehmungen verantwortlich. Eine Autismustheorie geht davon aus, dass es zu einer zu starken Verbindung zwischen Neuronen kommt. In der Folge konzentriert sich eine Person zwar auf winzige Details, ist aber nicht in der Lage, das gesamte Bild zu sehen. Weitere Studien sollen die grundlegenden biologischen Mechanismen bei beiden Krankheiten näher erforschen.

(pte)

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7 Kommentare

  • Andrea Bröker

    Nunja, ganz so verallgemeinern kann man das nicht. Ich denke bei dem Wort „Hallo“ nicht an Kaffee und habe diesbezüglich auch sonst keine Synästhesie. Es ist einfach ein Wort, das oft als Anrede verwendet wird.

    20. November 2013 at 15:31
  • Querdenkender

    Apropors Autismus, eure Website ist zwar sehr interessant, aber wegen der vielen Elemente nicht autistenfreundlich. Könntet ihr eine leserfreundlichere Version für Autisten anbieten?

    21. November 2013 at 10:10
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      @ Querdenkender: Vielen Dank für Ihren interessanten Hinweis. Leider übersteigt der sicherlich berechtigte Wunsch jedoch derzeit unsere Kapazitäten. Danke für Ihr Verständnis.

      25. November 2013 at 18:04
  • Agnes

    Ihr schreibt:
    „Es zeigte sich, dass einer von fünf Erwachsenen mit einer Erkrankung des autistischen Spektrums auch unter einer Synästhesie litt.“
    Wieso litt? Ist das so schlimm? Das ist ja noch nicht mal eine Behinderung, oder? Und selbst wenn.
    Bitte seid sorgfältig mit der Sprache, gerade hier und mit solchen Begriffen. S.
    http://www.leidmedien.de.
    Ich möchte noch anfügen, dass ich mit dieser Seite überhaupt nichts zu tun habe. Mir fallen solche Begriffe einfach auf. Sie sind sehr problematisch. Die Medienberichterstattung über „Behinderte“ trägt so viel zur Wahrnehmung besonderer, von der Norm mehr als andere abweichender Menschen bei und ist sich so oft nicht klar darüber, welchen Einfluss solche Darstellungen haben können.
    Ansonsten: Macht weiter so! Habe hier schon viel Interessantes gelesen.

    30. Juni 2014 at 09:38
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      Wir haben das „Leiden“ entfernt.

      30. Juni 2014 at 15:56
  • Sarah

    Bei dem Artikel muss ich an mein bahnbRechenfehler Erlebnis denken. Ich hatte mich in den Gänger eines Krankenhauses verirrt als mich diese feurigen Bluesbilder anschrien. Ich konnte es nicht glauben, dass ich bei den Bildern Töne hörte. Völlig benommen von dieser Impression kroch ich mich nach meinem tanzenden singenden Aufschrei in mich zurück. 2 Tage später erfuhr ich, dass es die Vernissage für de Bilder noch geben sollte. So beschloss ich noch völlig paralysiert dort hingehen zu müssen. Dort angekommen hielt ein Professor zur Eröffnung einen Vortrag über Synestesie. Es wäre am liebsten aus mir herausgedprudelt was ich sah und hörte aber dieses gehobene Intermezzo gab es nicht her mich zu äußern. Doch ich fühlte mich bestätigt weder schizophren noch dergleichen komische Diagnosen zu haben. AUTISMUS UND Synestesie da bin ich zu Hause ja und ich bin Künstlerin in meiner kleinen Welt. NEin man leidet nicht außer unter dem Unverständnis der Umwelt und den Dogmen die diese menschlichen spezial Effects einem auferlegen.P.S.: Ich würde gerne für euch schreiben; )

    18. Januar 2017 at 23:27

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