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Warum sich Johannes Floors freiwillig beide Beine amputieren ließ

Der neue „Prothesen-König“ überragt in einer Disziplin, die einst Oscar Pistorius dominierte.

Johannes Floors jubelte gestern in London nach seinem WM-Sieg über 400m T43 (Foto: Paul Harding/PA Wire/dpa)

Johannes Floors jubelte gestern in London nach seinem WM-Sieg über 400m T43 (Foto: Paul Harding/PA Wire/dpa)

Als er sich sechs Jahre nach der freiwilligen Amputation beider Beine zum neuen Prothesen-König krönte, wusste Johannes Floors gar nicht, wohin mit seiner Freude. „Das ist der Wahnsinn, der Hammer, ein Traum. Dafür habe ich so viele Jahre gearbeitet“, sagte der 22-Jährige. In 46,67 Sekunden hatte er bei der Para-WM in London am Montag Gold über 400 Meter gewonnen (ROLLINGPLANET berichtete) – in jener Disziplin, die bis zu seinem tiefen Fall der inzwischen im Gefängnis sitzende „Blade Runner“ Oscar Pistorius dominiert hatte.

Dafür hat Floors im wahrsten Sinne Opfer gebracht. Doch so unglaublich es klingen mag: Sich die Beine amputieren zu lassen, war für ihn die einzig logische Konsequenz. Er war mit einem Fibula-Gendefekt zur Welt gekommen, hatte kein Wadenbein und nur drei Zehen, der Fuß war verkümmert. „Ich hatte die Wahl: Entweder sitze ich irgendwann im Rollstuhl oder schneide die Beine irgendwann ab“, sagte Floors der Deutschen Presse-Agentur:

„Es war keine leichte Entscheidung, aber die richtige. Die beste meines Lebens.“

Alles habe sich zum Positiven geändert: „Ich habe keine Schmerzen mehr und kann mit meinen Prothesen alles machen. Früher habe ich mich in kurzen Hosen geschämt. Heute bin ich viel selbstbewusster.“

Vor allem aber kann er schnell laufen. Die Paralympics 2016 endeten trotz der Goldmedaille mit der Staffel aber frustrierend. Beim Jubelsprung im Ziel verletzte sich Floors und musste auf seine Spezialdisziplin verzichten. „Dass ich nicht laufen konnte, daran war ich selbst schuld“, sagte er nun: „Das hier war mein Rio-Finale.“

(dpa)

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