Warum Sie nicht sicher sein können, dass Ihr Doc Sie in die richtige Klinik schickt

Viele Ärzte kassieren eine „Fangprämie“, wenn sie Patienten an bestimmte Krankenhäuser überweisen. Von Nina C. Zimmermann

Angeblich bessern viele Ärzte ihre Kasse mit Extra-Honoraren auf. (Foto: Kellermeister/pixelio.de)

(dpa/tmn) – Möchte ein Patient wissen, warum ein Arzt ihn in eine bestimmte Klinik schickt, sollte er nach dem „sachlichen Grund“ dafür fragen. Aber: „Dann kann der Arzt an der Wortwahl ’sachlicher Grund‘ entnehmen, dass ich auch nicht-sachliche Gründe für möglich halte“, sagt Christoph Kranich, Gesundheitsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg. Laut einer repräsentativen Studie im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes kassieren viele Ärzte Extra-Honorare dafür, Patienten an bestimmte Kliniken zu überweisen.

Patienten bleiben ahnungslos

Kranich rät aber davon ab, sich nach solch einem Honorar zu erkundigen, „weil es immer das Vertrauensverhältnis zu dem Arzt belastet, wenn man danach fragt“. Der Arzt würde den Erhalt einer Prämie wohl auch nie bejahen. Denn grundsätzlich ist es illegal, sich an der Zuweisung von Patienten zu bereichern oder dafür Vorteile zu gewähren. Patienten erfahren in der Regel nicht, ob ihr Arzt für die Überweisung eine «Fangprämie» von der Klinik erhalten habe, ergänzte Kranich. „Wir wissen natürlich nicht, ob es trotzdem stattfindet.“

Auch die Frage nach dem sachlichen Grund kann Kranich zufolge schon ein „Misstrauensantrag“ sein. Ein Arzt werde sicherlich sachliche Gründe für die Klinikempfehlung nennen können, die auch zutreffen. Schlimm sei die Empfehlung aufgrund einer Prämie vor allem dann, wenn es eine Klinik oder ein anderer nachbehandelnder Arzt ist, der die Behandlung nicht so gut leisten kann.

Nachweis kaum möglich

„Aber es ist für den Patienten auch im Nachhinein kaum nachzuweisen, dass eine andere Klinik das hätte besser machen können.“ Allenfalls in eklatanten Fällen gelinge das, etwa wenn die Überweisung in ein besser ausgestattetes Krankenhaus aus wirtschaftlichen Erwägungen der ersten Klinik unterbleiben und der Patient so nachhaltige Schäden erleidet.

Sich selbst eine Klinik suchen, ist ebenfalls kaum eine Alternative. „Man hat die Klinikwahl nur begrenzt. Die Klinik muss mit der Krankenkasse einen Vertrag haben, sie muss bereit sein, mich aufzunehmen“, erläuterte Kranich. „Das Gesundheitswesen wird nach wirtschaftlichen Gründen organisiert heutzutage. Keiner darf sich der Illusion hingeben, es ginge nur um die Medizin“, betonte der Experte.

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