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Was Deutsche über sogenannte geistig Behinderte denken

Inklusion ist nicht für alle da: Eine Allensbach-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

Ulla Schmidt, Bundestagsvizepräsidentin  und Vorsitzende der Lebenshilfe (Foto: Lebenshilfe)

Ulla Schmidt, Bundestagsvizepräsidentin und Vorsitzende der Lebenshilfe, gab die Allensbach-Umfrage in Auftrag (Foto: Lebenshilfe)

Für Kinder mit sogenannter geistiger Behinderung (politisch korrekt: mit kognitiven Beeinträchtigungen) ist nach Ansicht der meisten Bundesbürger der Besuch einer speziellen Förderschule am besten. 71 Prozent meinten dies in einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Allensbach-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Zwei von drei Befragten haben große Zweifel, dass andere Schulen ausreichend auf die Integration dieser Kinder vorbereitet sind. Die Lebenshilfe will langfristig eine Schule für alle. Bis die Schulen darauf ausgerichtet sind, sollten Eltern aber die Wahl haben.

Die meisten Befragten sind außerdem der Meinung, dass geistig Behinderte am gesellschaftlichen Leben nur eingeschränkt teilhaben können. Bei selbstständigem Wohnen, eigenständigen Urlaubsreisen oder im regulären Arbeitsleben halten jeweils nur 4 bis 9 Prozent die uneingeschränkte Teilhabe für möglich – 61 bis 75 Prozent sehen dagegen eingeschränkte Möglichkeiten. Bei der Freizeitgestaltung meinen 19 Prozent der Befragten, dies sei uneingeschränkt möglich.

Jeder Fünfte hat Kontakt zu Menschen mit geistiger Behinderung, sei es in der eigenen Familie, dem Verwandten- oder Bekanntenkreis. 88 Prozent der Befragten halten Menschen mit geistiger Behinderung in erster Linie für „hilfsbedürftig“. Die Vorsitzende der Lebenshilfe, Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt, betonte dagegen, immer mehr Menschen mit Behinderung nähmen ihre Interessen selbstbewusst in die Hand. „Mitleid oder Berührungsängste sind unbegründet.“

Details zur Umfrage: Lebenshilfe

(RP/dpa)

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3 Kommentare

  • dasuxullebt

    Ob ein geistig Behinderter auf so eine Schule kann, oder selbstständig am Leben teilnehmen kann, das hängt doch vom Einzelfall ab. Von daher ist die Frage schon falsch gestellt.

    14. November 2014 at 15:29
    • Alex Schestag

      Danke für die Bestätigung des Artikels. Das darf eben nicht vom Einzelfall abhängen. Wenn man den Inklusionsgedanken ernst nimmt, und um den geht es hier und der ist auch in der Behindertenrechtskonvention, die Deutschland ratifiziert hat, rechtsverbindlich so festgeschrieben, müssen Schulen und die Umwelt sich so verändern, dass das möglich ist. Dass Menschen mit Behinderungen im Einzelfall immer Assistenz brauchen, ist klar. Das heißt aber nicht, dass man es ihnen nicht ermöglichen sollte, so viel Selbständigkeit wie möglich zu erlangen.

      15. November 2014 at 12:47
  • Alex Schestag

    Danke für den guten Artikel, auch wenn der Inhalt unerfreulich ist. Eines stört mich jedoch. Ich würde es sehr begrüßen, wenn der Begriff „mit kognitiven Beeinträchtigungen“ nicht als Political Correctness abgetan würde. Es gibt handfeste wissenschaftliche, insbesondere neurowissenschaftliche und psychologische Gründe für eine solche Formulierung als Ersatz für „geistige Behinderung“. Denn der Begriff des „Geistes“ ist schwammig und nicht sinnvoll operationalisierbar. Auch empirisch ist die Existenz eines „Geistes“ nicht wirklich belegt. Es ist daher kaum wirklich sinnvoll definierbar, was damit gemeint ist. Kognition dagegen ist ein in Neurowissenschaften und Psychologie sinnvoll operationalisierter Begriff, der auch empirisch haltbar ist, und „kognitive Einschränkungen“ beschreibt ziemlich gut das, was mit „geistigen Behinderungen“ eigentlich gemeint ist.

    15. November 2014 at 10:59

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