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Was die Statistik wirklich über arbeitslose Schwerbehinderte sagt

Die Erwerbslosigkeit ist in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen – auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick anderes sagen.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach (Foto:  dpa)

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach (Foto: dpa)

Zuletzt waren im Oktober 176.000 Betroffene ohne Stelle. Dies geht aus einer Broschüre der Nürnberger Behörde hervor. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr fiel mit rund zwei Prozent etwas höher aus als in der gesamten Gruppe der Erwerbslosen.

Vor fünf Jahren hatte die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten noch bei 160.000 gelegen. Der deutliche Anstieg sei aber in erster Linie auf einen statistischen Effekt zurückzuführen, erläuterte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Wenn man damals so gezählt hätte wie heute, hätte man damals auch mehr arbeitslose Schwerbehinderte gehabt als heute.“ Ohne die Abschaffung von Sonderregelungen für Ältere wäre die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen seit 2008 gesunken.

Statistik geändert, das Problem bleibt

Hintergrund ist das Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen, wodurch ältere Jobsucher früher nicht als arbeitslos galten. Bei den schwerbehinderten Stellensuchern sind mit zwei Fünftel überproportional viele Betroffene älter als 55 Jahre; ihre Zahl stieg zwischen Oktober 2008 und Oktober 2013 um 56 Prozent. Bei allen älteren Arbeitslosen waren es 35 Prozent.

Der Blick auf die Statistiken zeigt also: Die Situation hat sich in Wirklichkeit nicht verschlimmert – sondern ist genauso schlimm wie immer. Das Problem ist offensichtlich dauerhaft: „Schwerbehinderte in Beschäftigung zu bringen, erst recht wenn sie älter sind, bedarf großer Überzeugungskraft bei den Arbeitgebern“, bestätigte die BA-Sprecherin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte deshalb den Rückgang der Fördermaßnahmen für schwerbehinderte Arbeitslose in den vergangenen Jahren.

„Es muss mehr Geld in die Hand genommen werden, um die Eingliederung gesundheitlich beeinträchtigter oder behinderter Menschen zu fördern“, forderte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach anlässlich des Tages der Menschen mit Behinderung am Dienstag.

(RP/dpa/Elke Richter)

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1 Kommentar

  • Toro

    Meiner Erfahrung nach wollen die meisten, die im Alter behindert geworden sind nicht arbeiten. Es ist ja schön, alles mögliche zu fordern, aber bringt einem 60-jährigen bei, wie er Blinden- oder Sehbehindertensoftware bedienen soll. Meiner Ansicht nach sollte man den über 55-jährigen die Möglichkeit geben, in Rente zu gehen, damit sie mit ihrer Behinderung umgehen lernen können. Bei jüngeren Behinderten sieht die Sache anders aus.

    3. Dezember 2013 at 15:53

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