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Was Fitness-Apps und -Tracker leisten – und wann sie riskant sind

Sie messen Entfernung, Zeit und Geschwindigkeit. Was taugen die modernen Trainingskontrolleure? Von Philipp Laage

Das Smartphone immer dabei: Für viele Hobbysportler ist der kleine Computer inzwischen fester Teil der Ausrüstung (Foto: dpa)

Das Smartphone immer dabei: Für viele Hobbysportler ist der kleine Computer inzwischen fester Teil der Ausrüstung (Foto: dpa)

Nur was messbar ist, lässt sich auch verbessern. So oder ähnlich werben die Hersteller für ihre derzeit äußerst populären Fitness-Apps und -Tracker. Der Trend dahinter: Quantified Self, das Sammeln und Vitaldaten und die Hoffnung, daraus Lehren ziehen und ein besseres Leben führen zu können.

Für Läufer und Radfahrer gibt es mittlerweile spezielle Apps, die alle wichtigen Trainingsparameter aufzeichnen und auf Smartphone oder Computer anzeigen.

Zudem gibt es – häufig in Gestalt eines Armbandes – sogenannte Fitness-Tracker wie etwa das Jawbone Up, das Fuel Band von Nike oder das Fitbit Flex. Sie alle sind im Prinzip eine hochtechnisierte Form des klassischen Schrittzählers.

Training nach Zahlen

Sporttracker2Herzstück sind hochempfindliche Gyro-Sensoren, die kontinuierlich die Beschleunigung im Raum messen, wie Gunnar Troitsch von der Computerzeitschrift „Chip“ erklärt.

„So bekommt das Gerät stets heraus, wo oben und unten ist, und ob sich sein Besitzer schnell, langsam, gleichförmig oder beschleunigt geradeaus, nach oben oder nach unten bewegt,“ so Troisch. Ermittelt werden die Anzahl der Schritte, die zurückgelegte Entfernung und die Bewegungsintensität.

Smartphones mit ihren Sensoren haben die gleichen Möglichkeiten und können zusätzlich auf GPS- und Mobilfunkdaten zurückgreifen. „Das ermöglicht die Darstellung der Aktivitäten in interaktiven Karten, die Abarbeitung von ausgeklügelten Trainingsplänen und die direkte Interaktion mit dem Besitzer“, erklärt Troitsch.

Wofür wird gemessen?

Die Apps heißen MotoActv, Runkeeper, Runmeter, Runtastic oder – speziell für Mountainbiker und Rennradfahrer – B.iCycle.

Indikatoren wie Strecke, Zeit, Tempo oder auch Herzfrequenz sollen dem Sportler ein optimales Training erlauben, erläutert Johannes Knoll von Runtastic. Die Daten zeigten Fortschritte und Verbesserungspotenzial.

Zu den Trackern liefern die Hersteller eigene Apps zum Auswerten der Daten mit. Meist könnten aber auch andere Apps – etwa MyFitnessPal – auf die Daten der Geräte zurückgreifen, sagt Troitsch.

Schicker Schrittzähler: Das Jawbone Up ist nur einer von mehreren modernen Fitness-Trackern (Foto: dpa)

Schicker Schrittzähler: Das Jawbone Up ist nur einer von mehreren modernen Fitness-Trackern (Foto: dpa)

Armband mit Verbindung: Aufgezeichnete Daten kann das Nike Fuel Band zur Analyse zum Beispiel an ein Smartphone weiterreichen (Foto: Nike)

Armband mit Verbindung: Aufgezeichnete Daten kann das Nike Fuel Band zur Analyse zum Beispiel an ein Smartphone weiterreichen (Foto: Nike)

Nur wenige Unterschiede in der Technik

Der Funktionsumfang aktueller Tracker sei weitgehend identisch. „Sie unterscheiden sich lediglich durch die Art der Datenübermittlung zum Smartphone oder Rechner.“ Einige Geräte nutzten Funkverbindungen wie Bluetooth oder WLAN, andere Hersteller setzten auf Kabel oder den direkten Anschluss an einen USB-Port.

Aus Sicht des Experten handelt es sich bei allen Trackern um intelligente Beschleunigungsmesser, die die Messdaten mal mehr oder weniger differenziert auswerten. Ausnahme sei das Withings Pulse, das zusätzlich den Puls misst.

Smartphone-Apps könnten meist auf genaurer Daten zurückgreifen. „Das GPS hilft da schon gewaltig.“ Gibt man der App zusätzlich die betriebene Sportart an, könne sie die Daten noch besser einordnen – und noch sinnvollere Trainingstipps geben.

Was die Tracker kosten

Wie schnell war ich? Fitness-Tracker wie das Fitbit Flex sind unter anderem für Jogger geeignet (Foto: dpa)

Wie schnell war ich? Fitness-Tracker wie das Fitbit Flex sind unter anderem für Jogger geeignet (Foto: dpa)

Während die Fitness-Tracker in der Regel ab 100 Euro aufwärts kosten, sind die Apps oft kostenlos oder für wenige Euro zu haben. Die Tracker bieten Gunnar Troitsch zufolge aber praktische Vorteile: Sie sind kleiner und leichter als das Smartphone, und ihr Akku hält nicht bloß zwei Tage, sondern bis zu zwei Wochen.

„Außerdem sind Smartphones viel empfindlicher, was die Einsatzmöglichkeiten zum Beispiel bei Regen oder in rauer Umgebung zusätzlich einschränkt.“ Neben Preis und individuellem Handling entscheidet also auch das Einsatzgebiet über den Einsatz von Tracker oder App.

Faszinierend – aber keine echten Trainer

Doch wie sinnvoll ist es überhaupt, strikt nach Zahlen zu trainieren? „Abnehmen, Fitness oder Beweglichkeit kommen nicht durch die App“, sagt Medizininformatiker Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Tracker und Apps könnten Nutzer aber beim Training unterstützen. „Es kann schon faszinieren und Spaß machen, den Leistungszuwachs objektiv über die Sensoren verfolgen zu können,“ so Albrecht.

Zum Training gehörten aber auch Misserfolge – die ebenfalls erbarmungslos mitgeschnitten werden. „Auffangen, wie ein menschlicher Trainingspartner oder Trainer es tun würde, kann eine App nicht.“

Risiko, sich zu überfordern

Apps können aber keine sportmedizinische Untersuchung ersetzen, mahnt Albrecht. „Gerade nach längerer Trainingspause oder in höherem Lebensalter besteht immer ein gewisses Risiko, sich zu überfordern.“

Apps könnten etwa eine versteckte Herz-Kreislauf-Erkrankung nie erkennen. Zudem sei die Genauigkeit der erhobenen Daten – vor allem bei der Herzfrequenz – sehr unterschiedlich zu bewerten. „Der Sportler muss immer auf seinen Körper hören und bei bestimmten Beschwerden die Trainingsintensität drosseln oder zum Arzt gehen.“

(dpa/tmn)

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1 Kommentar

  • wellness welt

    Endlich mal ein Artikel der mir den ganzen Fitnessapp-Salat erklärt. Ich denke auch das diese ganzen tracker helfen können. Aber das Geld sind sie allemal nicht wert, und ich komme auch gut ohne Sie zu recht.

    25. September 2013 at 09:47

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