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Was genau ist die Feldenkrais-Methode?

Sie soll den Alltag erleichtern, Schmerzen lindern – und funktioniert anders, als sich das viele vorstellen. Von Elena Zelle

Im Alltag pressen viele Menschen ihre Kiefer unbewusst aufeinander und verkrampfen dadurch. Bei dieser Übung spüren die Teilnehmer eines Feldenkrais-Kurses, wie sich ihr Kiefer anfühlt und lernen, wie sie die Muskulatur dort lockern können. (Foto: Christin Klose/dpa)

Im Alltag pressen viele Menschen ihre Kiefer unbewusst aufeinander und verkrampfen dadurch. Bei dieser Übung spüren die Teilnehmer eines Feldenkrais-Kurses, wie sich ihr Kiefer anfühlt und lernen, wie sie die Muskulatur dort lockern können. (Foto: Christin Klose/dpa)

Gedimmtes Licht, Düfte, Entspannungsmusik, Menschen, die mit geschlossenen Augen vor sich hinmeditieren – dieses Bild haben die meisten wohl beim Thema Feldenkrais vor Augen. Aber: Das Bild ist falsch. Feldenkrais ist ein „Verfahren zur Schulung des Körpers und der Persönlichkeit über die Bewegung.“ So erklärt es die Hamburger Feldenkrais-Lehrerin Maike Droste. Sie lehrt dafür weder Entspannungstechniken, noch ungewöhnliche Positionen wie im Yoga oder anstrengende Gymnastikübungen. Stattdessen zeigt sie ihren Schülern, wie sie alltägliche Bewegungen leichter – also ohne Schmerzen und ohne Anstrengung – meistern. Ganz ohne Esoterik.

„Feldenkrais ist nicht leistungsorientiert, man muss nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt zehn Strecksprünge können, sondern soll sich wieder selbst die Schuhe zubinden oder eine Tasse aus dem Regal nehmen können“, erklärt Mark Krüger-Fonfara, Leiter Therapeutische Abteilungen an der Immanuel Klinik Rüdersdorf. Im Unterricht lernen die Schüler nicht, wie sie kräftiger oder beweglicher werden, um die Bewegung auszuführen. Sie lernen eine andere Art der Bewegung. Kraft und Elastizität kommen dann häufig ganz von allein.

Es gibt zwei Arten der Feldenkrais-Methode

Benannt ist die Methode nach ihrem Begründer Moshé Feldenkrais (1904-1984), einem israelischer Physiker und Judoka. Es gibt zwei Arten: „funktionale Integration“ und „Bewusstheit durch Bewegung.“ Bei der funktionalen Integration handelt es sich um Einzelstunden, in denen der Feldenkrais-Lehrer den liegenden Schüler bewegt. „Bewusstheit durch Bewegung“ wird meist in der Gruppe unterrichtet. Dabei leitet der Lehrer seine Schüler mit der Stimme bei den sogenannten „Lektionen“ an.

Die zu Beginn kleinen Bewegungen finden überwiegend im Liegen statt. Sie sind laut Droste leicht zu erlernen und können Verspannungen im ganzen Körper lösen. Was erwartet die Schüler im Gruppenunterricht? Bei Maike Droste dauert der Unterricht zwischen 55 und 90 Minuten. Die Stunde beginnt im Liegen mit einem sogenannten Body-Scan. Sie führt die Teilnehmer verbal durch ihren Körper und fragt etwa: Wie liegen die Fersen auf dem Boden? Wie das Becken? So lenkt Droste die Aufmerksamkeit auf alle Bereiche des Körpers. Dann folgen die Feldenkrais-Lektionen. „Das können alltägliche Bewegungen sein, die in ihre Einzelteile auseinandergenommen und in Zeitlupe ausgeführt werden.“

Wann sich die Methode empfiehlt

Als Beispiel nennt sie das Kauen: Die Teilnehmer liegen auf dem Rücken und öffnen und schließen zunächst vorsichtig den Mund. „Während des Öffnens merkt man schon, ob eine Seite fester ist als die andere.“ Dann bewegt man bei leicht geöffnetem Mund den Unterkiefer etwas nach rechts und links – aber nicht über den Schmerzpunkt hinweg. „Man achtet dabei darauf, was die Zunge macht, mit ihr kann man die Zähne abfühlen und den Mundraum erforschen.“ Schließlich wird auch der Kopf etwas mitbewegt. Die Schüler sollen auch im Alltag immer mal wieder darauf achten, was sie mit dem Unterkiefer machen – ob sie etwa pressen oder knirschen. Die Lektion soll die Beweglichkeit verbessern und die Muskulatur lockern. „Die Kaumuskulatur kommt nur ganz selten zur Ruhe.“

In der Immanuel-Klinik Rüdersdorf kommt „Bewusstheit durch Bewegung“ therapeutisch zum Einsatz. Krüger-Fonfara hält vor allem das Feedback nach den Lektionen für wertvoll: „Das ist meiner Meinung nach die größte Stärke, denn die Patienten merken, dass sie selbst etwas bewirken können.“ Etwa bei psychischen Problemen, chronischen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Rückenproblemen sei die Methode geeignet. Aber eigentlich ist sie aus Sicht von Krüger-Fonfara für jeden sinnvoll. Nur bei akut entzündlichen Erkrankungen wie einer Sehnenreizung oder wenn unklar ist, ob ein Band gerissen oder ein Knochen gebrochen ist, ist Feldenkrais nicht das Richtige.

Qualifizierten Lehrer finden

Wer auf der Suche nach einem qualifizierten Feldenkrais-Lehrer ist, sucht am besten über die Webseite des FVD Feldenkrais-Verbandes Deutschland. Die dort gelisteten Lehrer haben eine vierjährige Ausbildung nach internationalen Kriterien absolviert und bilden sich regelmäßig fort, erklärt der erste Vorsitzende des Verbandes, Joachim Foss. Feldenkrais ist in Deutschland als Marke eingetragen, Inhaber ist der FVD.

Allerdings muss man den Unterricht in der Regel selbst bezahlen, denn Feldenkrais steht nicht im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Stunde Gruppenunterricht kostet zwischen 10 und 15 Euro, eine Einzelstunde zwischen 60 und 95 Euro. Dass Feldenkrais bei bestimmten Beschwerden hilft oder Gesunden guttut, ist nicht so richtig wissenschaftlich belegt. Aber: „Wir setzen die Methode sehr erfolgreich ein“, sagt Krüger-Fonfara. Droste erzählt, dass ihre Schüler sich nach einer Einheit wohler fühlen, ein besseres Gefühl für ihren Körper haben und insgesamt entspannter sind.

Webseite: FVD Feldenkrais-Verbandes Deutschland

(dpa/tmn)

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