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Was hat es zu bedeuten, wenn ein Autist Sie als NT beschimpft?

Am 18. Juni ist weltweiter Autistic-Pride-Day. Aber warum gibt es zwei Autismus-Tage im Jahr?

Illustration der Facebook-Webseie "Autistic Pride Day 2013"

Illustration der Facebook-Webseie „Autistic Pride Day 2013“

Immer am 2. April ist Welt-Autismus-Tag – und immer am 18. Juni ist Autistic-Pride-Day. Pride bedeutet Stolz. Haben Betroffene dafür einen Grund? Und warum gleich zwei Aktionstage?

Der internationale Welt-Autismus-Tag am 2. April wurde vor fünf Jahren von der UNO (Vereinte Nationen) eingeführt. Hier geht es darum, mehr Verständnis für das Behinderungsbild der Autismus-Spektrum-Störung zu bekommen – die ganz unterschiedlich sein kann. „Den“ Autisten schlechthin gibt es nicht (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht: „Die 10 großen Irrtümer über Autismus und andere Fakten“).

Da gab es schon längst den Autistic-Pride-Day, der erstmals am 18. Juni 2005 begangen wurde. Er wurde von Betroffenen initiiert, die sich nicht als krank abstempeln wollten und sich gegen die Pathologisierung von Autismus wehren. Sie lehnen die Begriffe „Behinderung“ und „Störung“ ab und wollen als Spielart der Natur toleriert werden. Der Autistc-Pride-Day ist angelehnt an die Schwulen-/Lesbenbewegung, die ebenfalls gegen das Klischee des Krankseins kämpft.

Sind Sie ein NT?

„Manche übertreiben da allerdings und glorifizieren ihren Autismus regelrecht und bezeichnen Autismus als eine höhere Stufe der Evolution“ wundert sich ROLLINGPLANET-Leserin Andrea Bröker, die das Asperger Syndrom hat. „Sie schimpfen auf die ,NTs‘ (neurotypische Menschen = Nichtautisten) und sind stolz darauf, autistisch zu sein. Irgendwie schlägt das für mein Empfinden ins Entgegengesetzte um, und die eingeforderte Toleranz wird dabei selbst nicht für andere ausgeübt.“

Bröker erklärt: „Ich bin nicht stolz, autistisch zu sein und bin auch kein Anhänger davon, mich als besseren Menschen zu sehen als die Nichtautisten. Ein Rollifahrer ist doch auch nicht stolz auf seine Behinderung und sein Gefährt. Ich habe meine Situation akzeptiert und versuche, um Verständnis für autistische Menschen zu werben und ich mache kein Geheimnis daraus, autistisch zu sein, gehe sehr offen damit um. Aber ich bin nicht stolz darauf, Autistin zu sein.“

Mehr über Andrea und die Autismus-Spektrum-Störung erfahren Sie in einem großen ROLLINGPLANET-Interview:

Andrea Bröker (1): Mein Leben mit dem Asperger-Syndrom

(RP)

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2 Kommentare

  • Moritz

    Ich würde dem zustimmen. Man kann stolz auf seine Taten sein, aber auf das was man ist, das klappt irgendwie nicht. Es wird doch zurecht kritisiert, dass Leute als seltsam gelten, die stolz darauf sind, weiß oder Türke zu sein.

    18. Juni 2013 at 10:40
  • Pia Hinten R-z

    Ihr seid doch so gerne nicht „PC“, sagt nicht Menschen mit Behinderung, sondern „Behinderte“ und habt eine Art Galgenhumor entwickelt. Ja den habe ich auch, denn oft (und da gebe ich Andrea recht, bzw teile ihre Erfahrung in Sachen Schule zb) bleibt einem gar nichts anderes über. Man ist anders, man bekommt es immer wieder zu spüren und merkt auch selber, das man mit solchen ??? Vor NTs steht und sich fragt: „stehen die auf dem Schlauch? Warum verstehen sie es nicht?“ Warum darf man sich dann nicht selber separieren und sich auch bewusst und stolz anders fühlen? 25 Jahre lang habe ich versucht ein NT Leben zu führen, dann kamen die Zweifel durch die Diagnose der Kinder und seit 1 Jahr weiß ich das ich im ASS anzusiedeln bin. Und ja! Das ist für mich eine Befreiung. Und ja, ich bin stolz drauf und das muss ich auch sein, „um da draußen“ überleben zu können. Mein Weg war nicht gerade aber ich bin stolz(ja stolz!) ihn mit vielen Umwegen, Kurven, über Stock und über Stein gefunden zu haben, anders als die meisten anderen das Leben so leben würden. Ich bin stolz drauf, meine Prioritäten jetzt anders definieren zu können und befreit bin, mich zwanghaft als NT fühlen zu müssen, weil „die anderen“ das von mir erwarten. Ich bin Asperger, das weiß jeder der mich gut kennt und jeder der mich neu kennenlernt erfährt es, um Missverständnissen vorzubeugen. Ich bin befreit von einer gesellschaftlichen Konform: „sag: bitte, danke, Schau mir in die Augen und geh einen Graden Weg in deinem Leben“ ich kann sein wie ich mag. Das tue ich seit einem Jahr und bin: „frei!“ Durch viele Asperger in der weiten virtuellen Welt und im RL, fühle ich mich auch erst mal wieder verstanden. Kurz um: ich finde es nicht schlimm stolz zu sein, meist fühle ich mich auch nicht „behindert“, und das Wort NT beschreibt einfach in zwei Bustaben, was ich meine, wenn ich „die anderen“ sagen will.

    18. Juni 2013 at 11:52

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