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Was taugt der Pflege-Bahr-Tarif: Mogelpackung oder sinnvolle Investition?

Pflege ist teuer. Seit Jahresbeginn können sich Verbraucher mit einer geförderten Zusatzversicherung gegen das finanzielle Risiko absichern. Worauf Sie achten müssen.

Wann rechnet sich der Pflege-Bahr-Tarif? (Foto:  Katharina Bregulla/pixelio.de)

Wann rechnet sich der Pflege-Bahr-Tarif? (Foto: Katharina Bregulla/pixelio.de)

Bei der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung haben Verbraucher eine zunehmend größere Auswahl. Nachdem bei der Einführung des sogenannten Pflege-Bahr zum Jahresbeginn nur wenige Versicherer die Policen verkauft haben, kommen jetzt immer mehr Gesellschaften damit auf den Markt.

Schließen Verbraucher einen der nach Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) benannten Verträge ab, schießt der Staat jeden Monat 5 Euro zu. Die Voraussetzung: Die Kunden zahlen jeden Monat mindestens 10 Euro in den Vertrag ein.

Allerdings reichen die Verträge selten, um die finanzielle Lücke zu schließen. In der morgen erscheinenden Ausgabe der zur Stiftung Warentest gehörenden Zeitschrift „Finanztest“ kommen die Tester zu einem vernichtenden Urteil: Die „Tarife taugen nicht viel.“

60 Euro jährlich seien kaum ausreichend, um Anreize für Verbraucher zu schaffen, die sonst keine private Pflegeversicherung abschließen würden. Die Zulage vom Staat bezeichnen die Tester als „Mogelpackung“. Gegenüber den bisherigen, nicht geförderten Tarifen würden selbst chronisch Kranke nicht von den Pflege-Bahr-Tarifen profitieren.

Für wen sich der Tarif lohnt

Interessant sind die Policen für viele Kunden nicht in erster Linie wegen der Förderung. „Vor allem bereits erkrankte und ältere Menschen haben damit noch eine Chance auf Absicherung“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen aus Hofheim am Taunus.

Denn anders als bei nicht geförderten Pflegezusatzpolicen müssen die Unternehmen allen Interessierten einen Vertrag verkaufen. Die Gesellschaften dürfen weder wie sonst üblich eine Gesundheitsprüfung vornehmen noch Risikozuschläge verlangen. Die Bundesregierung will so Anreize schaffen, damit Bürger für den Pflegefall vorsorgen.

„Die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Teilkaskoversicherung und nicht dazu gedacht, die kompletten Pflegekosten zu decken“, sagt Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. „Verbraucher müssen davon ausgehen, dass im Pflegefall ein Teil der Kosten an ihnen hängenbleibt.“ Wie hoch die Lücke sei, hänge von den persönlichen Lebensumständen und den eigenen Ansprüchen ab.

Das Angebot wird wachsen

Der Pflege-Bahr wird von privaten Krankenversicherern in Form der Pflegetagegeldversicherung angeboten. Noch haben nicht alle Versicherer entsprechende Tarife auf den Markt gebracht, die Anzahl wächst allerdings. In den kommenden Wochen und Monaten werde das Angebot wachsen, sagt Schinnenburg voraus.

Für die Versicherer sei die Kalkulation der Verträge eine große Herausforderung. „Annahmezwang und die fehlende Gesundheitsprüfung machen die geförderten Tarife am Ende durch ihre höheren Risiken teurer als die nicht geförderten“, erklärt Schinnenburg. Für junge und gesunde Kunden könne der Abschluss einer nicht bezuschussten Police günstiger sein, ergänzt Pflegeexpertin Nordmann.

Das sieht auch Hermann-Josef Tenhagen so. „Die Angebote der geförderten Pflegeversicherung schließen die finanzielle Lücke im Pflegefall bei weitem nicht“, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. „Da hilft dann auch die staatliche Förderung von 5 Euro nicht mehr.“ Für die neue Ausgabe der Zeitschrift (Heft 5/2013) untersuchte die Stiftung Warentest 17 geförderte Tarife und 23 Tarife ohne Förderung.

Was kosten die Zusatzversicherungen?

„Über 3000 Euro kostet professionelle Pflege oft, wenn man sehr pflegebedürftig ist“, erklärt Tenhagen. Etwa 1500 bis 1800 Euro müssten Betroffene im Monat selbst finanzieren. Das Problem: „Die geförderten Tarife bieten in vielen Fällen nur eine maximale Leistung von 600 bis 700 Euro im Monat.“ Den Rest müssten die Versicherten aus der eigenen Tasche bezahlen. Besonders die Leistungen bei Demenz sind bei geförderten Tarifen niedrig.

Allerdings sind die Beiträge für die Pflege-Bahr-Tarife vergleichsweise günstig. Wie viel Geld Kunden für den Vertrag zahlen, hängt vom Alter beim Abschluss und vom Anbieter ab. Grundsätzlich gilt: Je älter der Kunde bei der Unterschrift ist, desto mehr muss er zahlen. Bei den von der Stiftung Warentest untersuchten Tarifen muss ein 45-jähriger Kunde zwischen 10 und 16 Euro einzahlen. Bei einem 55-jährigen Kunden liegen die Beiträge zwischen 14 Euro und 26 Euro.

Warentest empfiehlt nicht geförderte Tarife

Nicht geförderte Tarife sind nach Ansicht der Stiftung Warentest besser geeignet, um die anfallenden Pflegekosten zu decken – auch wenn sie etwas teurer sind. Mit einem Monatsbeitrag von rund 55 Euro für 45-jährige Kunden und 85 Euro für 55-jährige sichern die „sehr guten“ und „guten“ Tarife das finanzielle Risiko in allen Pflegestufen ab.

Bei den Tarifen ohne Förderung konnten zwei Angebote das Gesamturteil „sehr gut“ erreichen. Dabei handelt es sich um den Tarif PA der HanseMerkur (Gesamtnote 1,3) und den Tarif PZV der DFV (Gesamtnote 1,5). Weitere 14 Tarife überzeugten mit einem „guten“ Ergebnis. Die restlichen Tarife erreichten immerhin noch ein befriedigendes Ergebnis, durchgefallen ist bei den nicht geförderten Angeboten keines.

Bei Kündigung ist das Geld weg

Bei den geförderten Tarifen hingegen stellten die Tester große Unterschiede fest. Ist jemand über fünf Jahre stark pflegebedürftig (Pflegestufe III), summieren sich die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ und einem „ausreichenden“ Vertrag für einen 55-Jährigen Modellkunden auf über 90.000 Euro, erklärt Tenhagen.

„Interessierte sollten auf jeden Fall die Angebote der Anbieter vergleichen“, ergänzt Heike Nordmann. Nur wer sicher sei, dass er die Beiträge auch im Alter zahlen kann, sollte die Police abschließen. „Wird der Vertrag gekündigt, ist das Geld weg.“

(RP/Anja Krüger, Falk Zielke, dpa)

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