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Was tun bei Höhenschwindel?

28 Prozent der Menschen können nicht ohne Panik in die Tiefe gucken – mit teilweise erheblichen Folgen für die Lebensqualität.

Wunderschöner Ausblick – aber nicht jeder mag von da oben runterschauen (Foto: erggeist007/pixelio.de)

Wunderschöner Ausblick – aber nicht jeder mag von da oben runterschauen (Foto: erggeist007/pixelio.de)

Wem beim Blick in die Tiefe von einem hohen Turm oder Balkon schwindelig wird, sollte sich umgehend anlehnen oder hinsetzen. Stehende Menschen seien stärker gefährdet als jemand, der liegt, sitzt oder kniet.

Dies erklärt Prof. Thomas Brandt vom Deutschen Zentrum für Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen. Zumindest aber sollten Betroffene sich festhalten, rät er. Ebenfalls helfen könne es, geradeaus zu schauen und den Kopf nicht weiter nach unten zu neigen.

Der Fachbegriff lautet visuelle Höhenintoleranz

Höhenschwindel, von Fachleuten auch visuelle Höhenintoleranz genannt, ist weniger dramatisch als phobische Höhenangst. Letztere gilt als echte Erkrankung und betrifft etwa vier Prozent der Bevölkerung. Neu ist Brandt zufolge, dass rund 28 Prozent der Menschen an visueller Höhenintoleranz leiden.

Etwa die Hälfte von ihnen ist dadurch in ihrem Verhalten und ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Nur 11 Prozent gehen wegen ihrer Beschwerden zum Arzt. Diese Zahlen ermittelte der Forscher in einer repräsentativen Befragung von 3517 Menschen. Ein Arzt kann zum Beispiel zu einer Verhaltenstherapie raten.

Wolken nicht hinterher schauen

Vorüberziehenden Wolken schauen Betroffene lieber nicht hinterher: Sie bewirken ein Gefühl, sich selbst zu bewegen und können aus dem Gleichgewicht bringen. Auch ein Fernglas nehmen sie an Stellen, an denen man leicht abstürzt, besser nie ohne Sicherung zur Hand, empfiehlt Brandt. Das sei ansonsten extrem gefährlich.

Während des Blicks nach unten empfiehlt der Wissenschaftler, sich im Augenwinkel an regungslosen Gegenständen wie einem Geländer, Felsen oder Gebüsch zu orientieren.

Wer Höhenschwindel hat, nimmt seine Umgebung nicht mehr klar wahr, geht langsamer und mit kleineren Schritten. Außerdem laufe er Gefahr, zu stolpern, erläutert Brandt. Denn der Betroffene bewegt Kopf und Augen weniger als sonst und übersieht dadurch möglicherweise Dinge, die im Weg stehen.

Kinder kennen kaum Höhenschwindel

Kleine Kinder haben selten Probleme mit dem Ausblick von großen Höhen – in der Regel tritt Höhenschwindel erst im zweiten Lebensjahrzehnt auf. Bereits eine Höhe von drei Metern könne Betroffenen zu schaffen machen, erklärt Brandt.

Bis etwa 20 Metern steigern sich die Beschwerden fortlaufend. Danach sei es egal, ob es noch höher hinaus geht. Schon eine Hangneigung von 40 Prozent sei manchen Menschen unangenehm.

(dpa)

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