WDR-Chef Tom Buhrow will Behinderte nicht nur evakuieren

Sondern sie auch vorher erst mal rein lassen. Nach drei Jahren Zielvereinbarung zur Barrierefreiheit unterschrieben.

WDR-Chef Tom Buhrow moderierte früher die „Tagesthemen“  (Foto: NDR/ Dirk Uhlenbrock)

WDR-Chef Tom Buhrow moderierte früher die „Tagesthemen“ (Foto: NDR/ Dirk Uhlenbrock)

WDR-Intendant Tom Buhrow sowie Vertreterinnen und Vertreter von Behindertenverbänden der Selbsthilfe in Nordrhein-Westfalen haben heute eine Zielvereinbarung zur Verbesserung der Barrierefreiheit in Gebäuden des Senders unterschrieben.

Tom Buhrow – der einst mit dem Begriff „unversehrt“ für Menschen ohne Behinderung auffiel – sagte nach der Unterzeichnung: „Der WDR ist sich seiner Verantwortung wie auch seiner Vorreiterfunktion hinsichtlich der Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben bewusst – in seinen Programmen, aber auch im Unternehmen selbst.“ Buhrow verwies darauf, dass der WDR hier bereits viel geleistet habe. So habe man vor kurzem ein Evakuierungskonzept für Behinderte entwickelt, das – einmalig in der ARD – auch die Evakuierung von behinderten Gästen, etwa in Fernsehsendungen, organisiere.

Bevor man Menschen mit Behinderung allerdings evakuieren kann, muss man ihnen erst mal die Chance geben, reinzukommen, glaubt ROLLINGPLANET. Oder, wie es Buhrow sagt: „Die nun vorliegende Zielvereinbarung ist ein weiterer wichtiger Schritt, damit Menschen mit Behinderung sich soweit wie möglich ohne Einschränkungen im WDR bewegen können.“

In der Vereinbarung verpflichtet sich der WDR, die Nutzung der WDR-Gebäude für Menschen mit Behinderung zu verbessern. Zu diesem Zweck wurde ein umfangreicher Maßnahmenkatalog erstellt, der nun stufenweise in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll. In einem ersten Schritt werden bis Ende 2016 Barrieren beseitigt, die in Notsituationen gefährlich werden könnten. Zudem werden Türen und Toiletten so nachgerüstet, dass Menschen mit Handicap sich ohne Hilfe bewegen können.

Behindertenverbände sind zufrieden

Die Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE NRW e.V. ist Mitunterzeichnerin des Vertrags. Geesken Wörmann, Vorsitzende des Vereins und Mitglied des WDR-Rundfunkrates, sieht in der Zielvereinbarung „eine logische Fortführung des Bemühens, die WDR-Programme barrierefreier zu gestalten. Nicht nur das Programm, sondern auch die zentralen Gebäude des WDR sollten im Sinne der Beteiligung von Menschen mit Behinderungen barrierefrei zugänglich und nutzbar werden, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Zuschauer oder Studiogäste.“

Bergit Fesenfeld, Vertrauensperson für MitarbeiterInnen mit Behinderung im WDR, freut sich über den Vertragsabschluss: „Es war ein umfangreicher Prozess, der insgesamt drei Jahre gedauert hat. Ich finde aber, dass sich der Einsatz gelohnt hat. Es werden in den nächsten Jahren konkrete Verbesserungen im Hinblick auf Barrierefreiheit in den WDR-Gebäuden durchgeführt.“

Weitere Vertragspartner des WDR sind die Blinden- und Sehbehindertenvereine NRW, der Deutsche Schwerhörigenbund Landesverband NRW e.V. (DSB-Landesverband NRW e.V.), der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung NRW e.V. (LVKM NRW e.V.) sowie die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen PRO RETINA Deutschland e.V.

(RP/PM)

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