Wegen ihm zieht sie nach Berlin: Das ist der Lover von Kirsten Bruhn

Die Schwimmerin will gleich zum Auftakt der Paralympics Edelmetall holen. Heiße Medaillen-Kandidaten sind zudem Radfahrer Teuber und Schützin Schmermund. Von Britta Körber und Manuel Schwarz

Privat und sportlich ein Paar: Coach Phillip Semechin und Schwimmerin Kirsten Bruhn (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Das Warten auf die erste olympische Medaille im Aquatics Center in London blieb für das deutsche Team vergebens – bei den Paralympics will Schwimmerin Kirsten Bruhn gleich zum Auftakt am Donnerstag Edelmetall aus dem Becken fischen. „Man ist kurz vor dem Explodieren, es kann jetzt endlich losgehen“, sagte die Neumünsteranerin, „wir sind gut vorbereitet, wollen einige Medaillen holen und das auch noch für unsere olympischen Kollegen gleich mit“. Die 42-Jährige war vor vier Jahren mit fünf Medaillen (einmal Gold und Silber, dreimal Bronze) in Peking die erfolgreichste Deutsche.

In der britischen Hauptstadt geht es schon im Training zur Sache. „Das Becken ist beim Einschwimmen so voll mit Sportlern unterschiedlichster Behinderungen, aber ich kann ja nicht immer Rücksicht nehmen. Man will Gas geben, darf sich aber nicht verletzen“, erzählte die erfahrene Athletin. Ihre Zehen sind schon blutig, weil sie bei den Wenden oft am Beckenrand anstößt.

Seit dem 20. Lebensjahr ist Bruhn nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt. Verschont blieb bei dem Unglück ihre vordere Oberschenkelmuskulatur, die sie auf dem Spinning-Rad trainiert. Für kurze Zeit kann sie auch auf Krücken gehen. Wenn sie ins Becken gleitet, bekommt sie vom Leistungsdiagnostiker des deutschen Teams noch ein Bonbon: Ein inniger Kuss als Ansporn. Mit dem Berliner Philipp Semechin ist Bruhn auch privat verbandelt und wird deshalb Ende des Jahres in die Hauptstadt ziehen.

Persönliches Faustpfand ist in London dabei

„Im Vergleich zu allen anderen habe ich noch ein persönliches Faustpfand – mein Herzblatt ist dabei“, erzählt die stets gut gelaunte Norddeutsche. Um sich voll auf die 100 Meter Rücken zu konzentrieren, verzichtet Bruhn auf eine letzte Teilnahme an der Paralympics-Eröffnungsfeier – denn in Rio will sie nicht mehr antreten.

Neben Bruhn soll auch Schützin Manuela Schmermund gleich am ersten Wettkampftag für eine deutsche Medaille sorgen. 2004 holte sie Gold in Athen, vor vier Jahren reichte es zu Silber mit dem Luftgewehr. Die querschnittsgelähmte Hessin will am Donnerstag in den Royal Artillery Barracks ins Schwarze treffen.

Unter den Augen von Bundespräsident Joachim Gauck wollen die Radsportler im Velodrome an ihre Erfolge von Peking anknüpfen, als sie zu dreimal Gold, sechsmal Silber und viermal Bronze fuhren. Michael Teuber, Erich Winkler, Tobias Graf und Steffen Warias gehen am Donnerstag im Zeitfahren über 1000 Meter an den Start. Während der Straßenradsport seit 1988 paralympisch ist, wird erst seit 1996 auf der Bahn gefahren.

Zu welchen Leistungen auch Athleten mit Handicap fähig sind, zeigt der Aufstieg von Straßenrad-Weltmeister Teuber zusammen mit dem früheren Tennisstar Martina Navratilova auf den Kilimandscharo. Für einen guten Zweck erklommen sie im Vorjahr Afrikas höchsten Berg. „Das war schon etwas ganz Besonderes und ich habe es geschafft“, sagte Teuber. Der 44 Jahre alte Bayer hat eine inkomplette Querschnittslähmung, ist trotzdem Outdoor-Extremsportler und bei den Paralympics eine der Hoffnungen des deutschen Teams.

(dpa)


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