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Welt-Aids-Tag

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Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die würdevoll und respektvoll mit Menschen mit HIV/AIDS und Menschen mit Behinderung umgeht.

Als Angelika 1985 nach einem schweren Unfall im Krankenhaus aufwachte, überbrachten die Ärzte ihr zwei fatale Nachrichten auf einmal: „Sie sind querschnittsgelähmt. Und Sie sind HIV-positiv.“ Letzteres kam damals noch einem Todesurteil gleich. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich weiß gar nicht, was damals schlimmer für mich war. Dass ich nie mehr laufen können würde oder dass ich nur noch ein bis fünf Jahre zu leben haben sollte“, erzählt Angelika, die damals drogenabhängig war. Wahrscheinlich infizierte sie sich über den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen, das sogenannte Needlesharing.

Mit der Zeit arrangierte sich Angelika mit beiden Diagnosen. „Ich bekam mein Leben nach und nach wieder auf die Reihe“, berichtet die taffe 55-Jährige, die heute mit den vier Reifen ihres Rollstuhls fest auf dem Boden steht und die so leicht nichts mehr umhauen kann. „Irgendwann gab ich dann aus Langeweile eine Annonce im Internet auf. Sie begann mit dem Satz «Ich sitze im Rollstuhl und suche einen Partner – keinen Pfleger!»“, erinnert sie sich. Und dann kam Peter. „Er hatte eine drei Nummern zu große Boxershorts an, dazu normale Straßenschuhe und Söckchen. Und in seinem Gesicht klebte ein Pflaster“, erzählt sie und beide fangen an zu lachen.

„Ich war so neugierig auf sie. Und ich habe es bis heute nicht bereut“, erzählt Peter verschmitzt. Der Maurer und Polier liebt Angelikas direkte und offene Art. „Sie kam Kaugummi kauend im Cabrio vorgefahren. Gleich am ersten Tag hat sie mir gesagt, dass sie HIV-positiv ist. Obwohl ich mit diesem Thema bis dahin noch nie direkt konfrontiert worden war, hatte ich damit kein Problem. Ich habe mich informiert und war dann bereit, mich auf eine Beziehung mit ihr einzulassen – ohne Wenn und Aber.“ Die Liebe zwischen dem ungleichen Paar wuchs und sie entschieden sich schon bald, zu heiraten. Das ist jetzt zehn Jahre her. Heute leben die beiden getrennt.

Seit Mitte der 90er ist Angelika in antiretroviraler Therapie. Das ist eine lange Zeit. Ihre Kondition ist heute nicht mehr das, was sie mal war. „Ich kann heute keine großen Bäume mehr ausreißen, aber für die kleinen reicht meine Kraft noch alle Male“, so die ehemalige Bürokauffrau. Angelika hat eine Selbsthilfegruppe für HIV-positive, an Aids erkrankte und behinderte Menschen gegründet. „Wenn ich auf Widerstand stoße, zum Beispiel im nicht immer einfachen Umgang mit den Behörden – sei es für mich oder Menschen aus meiner Selbsthilfegruppe – entwickle ich witziger weise ungeahnte Kräfte. Die brauche ich auch, um der immer noch allzu oft vorherrschenden Stigmatisierung und Ausgrenzung zu trotzen.“

Angelika hat Freunde, die ihr Leben um HIV herum planen. Das ist bei ihr anders. „Ich bin immer noch mein eigener Boss und sage wo es lang geht“, sagt Angelika und droht dabei mit erhobenem Zeigefinger dem Virus in ihrem Körper. „Ich bin froh, Peter bei diesem Kampf an meiner Seite zu haben. Er ist mein Ruhepol und aus unserer ganz besonderen Beziehung ziehen wir beide die nötige Kraft, um den Alltag und das Leben mit HIV zu meistern. Barrieren sind dazu da, um überwunden zu werden. Egal, ob auf der Straße – oder in den Köpfen der Menschen“, so Angelika, die weiß, wovon sie spricht. Wie viele andere hat auch sie schon Diskriminierung erlebt – am eigenen Leib, im persönlichen Umfeld und im Zusammenhang mit der Arbeit für ihre Selbsthilfegruppe.

Angelika und Peter Videobotschaft

Zeigt Solidarität mit der roten Schleife gegen die Diskriminierung von HIV -positiver Menschen

 

Bei dem offenen Kanal Lübeck könnt ihr am 1. Dezember 2013 in der Zeit von 15.00 Uhr – 17.00 Uhr die Sondersendung zum Welt Aids Tag, moderiert von Angelika  mit vielen interessanten Interviewpartner hören.

Mit dabei die Botschafter 2013

Holger und Leonie

Matthias und Dennis

Doreen

und einigen Botschaftern-innen aus den letzten Jahren

Mandfred, Alexeandra und Kay  sowie Hern Eckert von der BZgA und mit Herrn Holger Wich von der Deutschen Aidshilfe

über Lifestream zu hören  hier www.okluebeck.de

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Angelika Mincke

Dieser Beitrag erscheint als unabhängiges Blog auf ROLLINGPLANET. Er wurde von der Redaktion weder geprüft noch muss er unsere Meinung wiedergeben. Auf ROLLINGPLANET können alle User – die etwas zu sagen haben – ihr eigenes Blog veröffentlichen. Im Jahr 2013 bin ich stolze 55 Jahre alt geworden. Ich arbeite aktiv in den von mir gegründeten Initiativen “Aktiv Barrierefrei Selbstbestimmt Leben e.V.” und der “Aids und Behinderten Selbsthilfe”. Wenn ich das Gefühl habe, mir will keiner mehr zuhören – fange ich an zu schreiben – eine “Möchtegernautorin”, die daran glaubt, Übung macht den Meister – die immer viel mitzuteilen hat, auch wenn es keiner hören oder lesen will. Zum ausführlichen Profil.

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