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WHO-Direktorin beklagt Geldmangel und beschwört Werte

Die Folgen der Finanzkrise haben auch die Weltgesundheitsorganisation erreicht. WHO-Chefin Margaret Chan setzt auf Reformen, klügere Verwendung der Gelder – und den guten Willen von Regierungen.

WHO-Chefin Margaret Chan

(dpa) – Trotz aller Sparzwänge infolge der Finanzkrise darf die Arbeitsfähigkeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach den Worten ihrer Generaldirektorin Margaret Chan nicht gefährdet werden.

Zur Eröffnung der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung, des höchsten Entscheidungsgremiums der WHO, rief sie am Montag in Genf vor rund 3000 Delegierten aus mehr als 190 Mitgliedstaaten zur Rückbesinnung auf grundlegende Werte auf. „Ich sehe die WHO als globale Gesundheitswächterin, als Beschützerin der Gesundheit, einschließlich des Rechtes auf Gesundheit“, sagte Chan.

Zugleich räumte sie ein, dass Regierungen und andere traditionelle Geldgeber der WHO überall „unter starkem Druck stehen und demonstrieren müssen, dass offizielle Entwicklungshilfe klug investiert wird“. Die WHO müsse angesichts dessen vorhandene Mittel effektiver und klüger einsetzen und sich weiter reformieren.

„Extrem gefährliche Tendenz“

Es sei aber auch „gefährlich“, wenn Steuerzahler und Abgeordnete allzu schnell messbare Resultate des Einsatzes der Mittel verlangten. „In diesen finanziell schwierigen Zeiten sehe ich eine extrem gefährliche Tendenz des Abmessens, wie viel Gesundheit für eine bestimmte Menge Geld gekauft werden kann.“

Dies gelte besonders für den Kampf gegen Aids. Dank antiretroviraler Therapien unter Einsatz teurer Medikamente seien große Fortschritte erreicht worden. Sie böten die Chance, die Verbreitung des Aids-Erregers HIV stark zu reduzieren. Dennoch sei es leider unwahrscheinlich, dass das UN-Ziel erreicht werden kann, bis 2015 etwa 15 Millionen HIV-Infizierte mit den Mitteln zu behandeln.

Erhebliche Kosten werden laut Chan durch die Bekämpfung nicht-ansteckender Krankheiten verursacht, die in vielen Staaten zunehmen, darunter die Fettleibigkeit. Weltweit habe inzwischen jeder dritte Erwachsene Bluthochdruck, jeder zehnte Diabetes. „Dies sind die Krankheiten, die die Bank sprengen“ sagte sie.

Folgen der Finanzkrise

Vertreter von Hilfsorganisationen beklagten am Rande der Konferenz, die Folgen der Finanzkrise würden wichtige Vorhaben der WHO gefährden. Sie kritisierten, dass bislang 80 Prozent der Staatenbeiträge zum WHO-Haushalt freiwillig und meist an spezielle Projekte gebunden seien. Lediglich über die Verwendung von 20 Prozent der Zuwendungen könne die Organisation flexibel entscheiden. Das Haushaltsloch der WHO werde auf rund 300 Millionen Dollar geschätzt (235 Millionen Euro), erklärte die Organisation Oxfam.

Die WHO-Generaldirektorin hatte im vergangenen Jahr tiefgreifende Reformen in der Verwaltung, der Geschäftsführung sowie bei der Finanzierung der Organisation versprochen. Seitdem wurden zahlreiche Stellen im Genfer Hauptquartier gestrichen. Der WHO-Exekutivrat hatte sich im Januar für Chans Wiederwahl ausgesprochen. Damit wird am Mittwoch gerechnet. Die WHO-Versammlung dauert bis Samstag.

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