Wenn Abgeordnete stumm bleiben: „Zu wenig Inklusion für Gehörlose“

Anlässlich des „Internationalen Tags der Gehörlosen“ am 27. September 2015 mahnt der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz mehr Unterstützung an.

VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger (Foto: VdK)

VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger (Foto: VdK)

Laut Angaben des Sozialverbandes VdK leben in Rheinland-Pfalz rund 2000 gehörlose und schwer hörgeschädigte Menschen, die – so beklagt der Verband – beim Thema Inklusion oft vergessen werden. „In den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung, Parlamentsdebatten mit Gebärdendolmetscher und barrierefreie Behörden sehen wir noch großen Handlungsbedarf“, sagte VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger.

Jäger weist darauf hin, dass insbesondere die individuelle Versorgung von gehörlosen und hörbehinderten Menschen verbessert werden muss. Denn oft können die Betroffenen mit Behörden nicht barrierefrei kommunizieren, da aufgrund ihrer Behinderung ihr mündliches und schriftliches Mitteilungsvermögen eingeschränkt ist. Aus diesem Grund bedürften sie besonderer Beratung und Unterstützung, um ihre Rechte gegenüber Behörden wahrnehmen zu können. „Dazu muss die Sozialberatung des ,Landesverbands der Gehörlosen Rheinland-Pfalz´ stärker finanziell unterstützt werden“, so Jäger.

Chancen für Bildung schaffen

Der Bildungsstand gehörloser Menschen bleibt laut VdK immer noch zu oft hinter der Bildung Hörender zurück. Grund sei insbesondere die zu geringe finanzielle Ausstattung der Schulen für Gehörlose sowie die mangelnde Verfügbarkeit geeigneten Lehrmaterials. Auch Ausbildungsangebote für Gehörlose seien ausbaufähig.

Der VdK-Vorsitzende beklagte außerdem: „Grundsätzlich steht Hörgeschädigten nur ein unzureichendes Hörgerät zum Festpreis zu; dies ist besonders für einkommensschwache Menschen ein Nachteil. Denn die Mehrkosten für ein angemessenes Hörgerät sind bis auf wenige Ausnahmen selbst zu tragen. Nur bei hochgradig Hörbehinderten, also Menschen, die nahezu gehörlos sind, finanziert die Krankenkasse mehr als den Festbetrag.“

Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz fordert die Landesregierung auf, die UN-Behindertenrechtskonvention auch mit Blick auf Gehörlose weiter konsequent umzusetzen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Deshalb sollte zum Beispiel die Übertragung von aktuellen Plenumsdebatten wie auch neuerdings im Bundestag (ROLLINGPLANET berichtete) mit Gebärdensprachdolmetscher oder mit Untertitel angeboten werden. Bisher können auf der Internetseite des rheinland-pfälzischen Landtags nur Menschen ohne Hörschädigung die Debatten „live“ verfolgen, für gehörlose Menschen bleiben die Abgeordneten „stumm“.

(RP/PM)

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